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Unerwünschte sexuelle Begegnungen mit Männern

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerMittwoch, 17.11.2021

Eigentlich empfehle ich hier Radiofeatures, doch diese einstündige Gesprächs-Sendung fand ich so hörenswert, dass ich sie hier empfehlen möchte. Drei Frauen unterschiedlichen Alters erzählen hier von sexuellen Belästigungen im Alltagsgeschehen, teilweise lange verdrängten, und machen wieder einmal deutlich, wie breitflächig solche Übergriffe stattfinden, und wie stark und lange diese in ihnen nachwirken.

"Ich kann damit umgehen, aber es ist da, es verschwindet einfach nicht. Und es ist eine mühsame Arbeit, schon ein Leben lang muss ich damit umgehen lernen. (...) Ich habe es einem Bruder von mir erzählt, der auch Psychologe ist, und seine Reaktion war: 'Du hast eine Möglichkeit: Du kannst dir eine Waffe kaufen und ihn töten. Oder du kannst das Ding ruhen lassen.' (...) Ich weiß, dass ich eine Wut habe, die berechtigt ist, und ich lasse es auch zu. Die haben nicht auf mich aufgepasst."

Selbst nach etlichen Jahren sind die Erinnerungen nicht verblasst. Was die starken Frauen dagegen tun, um sich und andere Mädchen und Frauen zu stärken, und inwiefern das Erlebte ihr ganzes Umfeld beeinflusst, wird hier hörbar. Hier geht es nicht um die bekannten Fälle von Promi X oder Y, sondern ganz im Sinne von #MeToo um sexuell übergriffige Erlebnisse, von der jede von uns Frauen wohl in irgendeiner Form berichten kann – angefangen vom dummen Spruch bis hin zum ungewollten Körperkontakt.

"Ich erinnere mich noch, dass wir bis in die Nacht getanzt haben und ich bin aber relativ früh (...) ins Bett gegangen oder ins Zelt gegangen, in dem ich eben mit diesem langjährigen Freund und einer Bekannten geschlafen hab, weil ich auch einfach, ich sag mal, ausreichend betrunken war. (...) Ich bin aus dem Tiefschlaf aufgewacht und war ganz schön angetrunken und gleichzeitig bekommt man aber komplett mit, was dann passiert. (...) Ich wachte eben davon auf, dass jemand neben mir lag, und ich hab diese Person auch erkannt. Das war jemand, den ich an dem Abend erst kennen gelernt hatte. Das ist ein langjähriger Freund von eben jenem Freund von mir. (...) Und ich erinnere mich noch, dass ich aufwachte und ihn gefragt habe, was er denn da macht. Und er meinte: 'Ja, aber wir haben doch so schön getanzt.' Und ich so: 'Ja und?' Ich dachte so, das reicht irgendwie. Was soll man denn noch dazu sagen? Und er fing dann eben an, mich so anzugrabbeln und mir unters Hemd zu gehen und so weiter. (...) Und hab dann angefangen drüber nachzudenken – hab ich vorher irgendwas gemacht? Hab ich irgendwie mit dem geredet? War da irgendwas? Hab ich mit dem geflirtet? Nichts. Ich erinnere mich noch, dass ich dann angefangen hab zu weinen, auch, und er dann meinte so: 'Ah, ich merke gerade, es ist dir zu viel', dann aufhörte. Und ich dann wohl wahrscheinlich aufgrund meiner Trunkenheit wieder eingeschlafen bin. Und bin dann wieder davon aufgewacht, dass er sozusagen weitergemacht hatte."

Dass dem Thema hier eine ganze Stunde Gesprächsraum und den Frauen die Zeit gegeben wird, über das Erlebte nachzudenken, es von verschiedenen Facetten zu beleuchten, und zu überlegen, was in solchen Momenten helfen kann, finde ich gut. Insbesondere, um die Aufmerksamkeit dafür zu schärfen, dass man jungen Mädchen von Beginn an das nötige Selbstbewusstsein mitgibt, dass sie sich solchen Situationen nicht hilflos ausgeliefert fühlen.

"Ich weiß ganz genau was passiert ist, wie und wo, aber ich weiß nicht mehr wie alt ich war. Also ich habe, seitdem du mich darauf angesprochen hast, überlegt, war ich 11, 12, 13, 14 oder 15? Ich weiß es immer noch nicht. Also ich müsste jetzt Urlaubsfotos – es ist im Urlaub passiert – nachschauen. Und als du mich darauf angesprochen hast, ob mir denn auch so was passiert ist, musste ich erst innehalten, kramen, und dann ist es mir eingefallen, weil ich es einfach komplett verdrängt hatte, weil das war einfach ein Tabu-Thema. Oder Aufklärung fehlte, um junge Mädchen stark zu machen. (...) Urlaub gemacht in Südfrankreich am Mittelmeer, und es gibt, glaube ich, immer noch zum 15. August an allen großen Häfen immer ein großes Feuerwerk, Fest, viele Leute. (...) Und wir standen am Strand, haben uns das Feuerwerk da angeschaut (...) ich kenne das von klein auf, hab mich total gefreut. (...) Und man steht dann auch eng beieinander. Und ich hab dann irgendwann wahrgenommen, dass mich etwas am Rücken piekt. Ich hab dann erst gedacht, ich nehme jemandem den Platz weg und gehe höflich noch ein Stück nach vorne, und das kam dann wieder, dieses Gefühl, dass mich was am Rücken piekt, und dann habe ich mich umgedreht, um zu gucken, ob ich weiterhin jemandem den Platz wegnehme, und hab gesehen, dass hinter mir ein völlig fremder Mann stand, der ne Erektion in der Hose hatte und sein Glied an meinem Rücken gerieben hat. Und ich war dann in dem Moment wie ein Brett. Eingefroren. Starr. Ich hab mich nicht getraut was zu sagen, weil ich dachte, wenn ich was sage, kriege ich Ärger – vielleicht von diesem fremden Mann. Ich war eigentlich wie gelähmt."

Ich selbst musste mir übrigens mal vor vielen Jahren auf einer linken Hausprojekt-Party im Gedränge Luft verschaffen, als mir jemand mit aller Kraft an den Po grapschte. Der von mir in Selbstjustiz auserkorene Täter wurde von mir nach draußen verfolgt und bekam dort den Inhalt meiner Bierflasche über den Kopf gekippt. Das war mein Ventil. Falls es den Falschen getroffen haben sollte, tut es mir leid. Er hatte es aber stoisch über sich ergehen lassen. Und mir hat es in dem Moment geholfen.

Unerwünschte sexuelle Begegnungen mit Männern

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