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Partei in Auflösung: die verschollenen Tonbänder des Politbüros

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerFreitag, 17.06.2022

1990 – die DDR ist gescheitert. Am 20. Januar, zwei Monate vor den ersten nach demokratischen Grundsätzen durchgeführten und insgesamt letzten Volkskammerwahlen tagen Parteimitglieder der ehemaligen SED in einer Schiedskommission in einem Berliner Hotel, um die Schuldigen aus den eigenen Reihen zu suchen, die ein Scheitern des Sozialismus zu verantworten haben.

"Nichts vom Sozialismus haben wir angewandt! Alles unterdrückt durch subjektive Maßnahmen! Wer hat die Verantwortung, die volle, dafür? (...) Das ist doch eine solche Inkompetenz, dass es für mich nur einen Schluss geben kann: Wenn wir die nicht sofort alle ausschließen, kompromittiert sich die gesamte Partei. Das verzeiht euch niemand!"

Während zeitgleich und nur wenige Gehminuten entfernt auch der Parteivorstand der seit einigen Wochen in SED/PDS umbenannten Partei tagt und darüber entscheiden wird, ob sich die Partei möglicherweise gänzlich auflöst, tagt die Schiedskommission bis spät in die Nacht hinein, um über den Ausschluss der verbliebenen Verantwortlichen des Politbüros aus der Partei abzustimmen. Wer hat sich schuldig gemacht und in welcher Form? Welche Mitglieder waren Nutznießer von Privilegien? Und WER wusste WAS?

"Das ist natürlich 'ne Methode, die da angewendet worden ist... das ist ja die alte Methode. Also du setzt die da hin, jetzt natürlich mit anderen Spielregeln, aber das ist ja wie ein Prozess. So hätten sie es mit anderen gemacht und so wird es jetzt mit ihnen gemacht."

Die Schiedskommission tagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch: Es lief ein Aufnahmegerät mit, das vor einigen Jahren von Historikern wiederentdeckt wurde. Es umfasst über 13 Stunden Aufnahmematerial. Ein Journalist, Peter Kirschey, der von sich selbst sagt, er sei eher zufällig dort hineingeraten, nahm damals die Gespräche auf, in der Absprache, sie nicht zu veröffentlichen. Drei Jahrzehnte später wurden sie dann doch veröffentlicht. Lydia Heller und Johannes Nichelmann haben sich die Aufnahmen vorgenommen und daraus ein spannendes Feature entwickelt, das die Hörerschaft in die aufregende Zeit des Umbruchs und der parteipolitischen Neuorientierung nach dem Scheitern der DDR mitnimmt.

"Jeder hatte von sich aus gesagt, es kann nicht sein, dass mit so viel Inkompetenz ein Staat geführt wird."

Nach und nach werden die 15 verbleibenden Mitglieder des Politbüros hereingerufen und zur Rede gestellt. Die Stimmung ist mitunter bedrückend, Stimmen brechen, manche Gespräche nehmen auch schier absurde Züge an, zum Beispiel, wenn Günter Schabowski seine überaus hohen privaten Ausgaben in Wandlitz zu rechtfertigen versucht, indem er irgendwas von enormen Mengen Bettwäsche erzählt, die seine Frau für seine große Familie habe anschaffen müssen. Joachim Hermann, der in der DDR für Propapanda zuständig war, gerät ins Stammeln. Egon Krenz kommt als letzter dran. Da ist es bereits mitten in der Nacht.

"Ich habe doch nicht gewusst, wie es aussieht im Politbüro! Ich habe nicht gewusst, wie es aussieht im Zentralkomittee! In den Zeitungen, im Fernsehen usw. war das der größte Mann! Ich habe an den geglaubt! Ich habe an den geglaubt, weil ich nichts gewusst habe!"

Was für ein spannendes Zeitdokument! Zurecht ist dieses Feature das Gewinner(hör)stück des diesjährigen DokKa-Festivals in Karlsruhe.

Absolute Hörempfehlung!

Partei in Auflösung: die verschollenen Tonbänder des Politbüros

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