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Dirk Liesemer
Autor und Reporter
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piqer: Dirk Liesemer
Mittwoch, 23.01.2019

Papier vs. Bildschirm: Was ist besser?

piqd ist angetreten, um auf die besten journalistischen Stücke im Netz aufmerksam zu machen. Doch wie sehr werden die von uns empfohlenen digitalen Texte überhaupt aufgenommen? Wie sehr huscht unsere Aufmerksamkeit drüber hinweg und scannt bestenfalls Schlüsselwörter? Seit vier Jahren forschen 130 Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Disziplinen zu der Frage, welche Vorteile das Papier und welche die digitalen Technologien mit sich bringen. Gestern nun haben sie die "Stavanger-Erklärung" vorgelegt, die zumindest mit einer Überraschung aufwartet: 

Entgegen den Erwartungen zum Verhalten von 'digital natives' hat diese Unterlegenheit des Bildschirms gegenüber dem Papier in den vergangenen Jahren eher noch zu- als abgenommen, und zwar unabhängig vom Alter und von Vorerfahrungen mit digitalen Umgebungen.

Wenn diese Erkenntnis etwa in der Schule ignoriert werde, könne dies zu "einer Verzögerung in der Entwicklung des kindlichen Leseverständnisses und der Entwicklung kritischen Denkens führen". Dass die Forschung weitergeht, machen die offenen Fragen am Ende der Erklärung deutlich. Was etwa könne man tun, um eine tiefere Verarbeitung von Texten und vor allem von digitalen Texten zu unterstützen?

Papier vs. Bildschirm: Was ist besser?
9,7
28 Stimmen
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Kommentare 10
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 7 Monaten ·

    ...sehr spannend!
    ich bin ganz beglückt, wenn ich an so wissenschaftlich-kritische Betrachtung unserer neuen medialen Realität und ihrer Wirkung auf uns stoße. Ist wirklich gerade im schulischen Kontext allerhöchste Zeit, sich nicht nur mit dem Vorwärts an sich, sondern auch mit dem progressiven Umgang damit zu befassen.
    Interessant besonders, dass die Nachteile des digitalen Lesens informativer Texte gegenüber dem auf Papier noch wachsen. Woher kann das kommen? Einfach weil wir am Bildschirm konditioniert werden darauf, dass wir uns eben in aller Regel dort nicht konzentrieren (müssen)? Nehmen wir Papier einfach ernster? Das würde dann bedeuten, dass dem dann auch mit "smarteren" Darreichungsformen nur bedingt Abhilfe geschaffen werden könnte oder?
    Ich würde jedenfalls annehmen, dass das Lesen im Kontext sonstigen Medienverhaltens gesehen werden muss.

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · Erstellt vor 7 Monaten ·

      Die Zeitschrift "Gehirn und Geist" aus dem Spektrum-Verlag hatte das Thema vor einiger Zeit schon aufgegriffen, hier ein Anreißer: https://www.spektrum.d... ... Wenn ich mich recht erinnere, war ein wesentliches Argument für Papier, dass man sich besser orientieren kann: Man weiß bei einem Buch etwa immer, wie viel man schon gelesen hat und wie viel noch vor einem liegt. Aber ich müsste den GuG-Text noch einmal lesen.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 7 Monaten ·

      @Dirk Liesemer danke...da les ich mal weiter nachher...

  2. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Eigentlich völlig unerheblich weil rein persönliche Erfahrung: Ich bin ja gerade noch so einer dieser Millenials, war aber erst so ab 15 regelmäßig im Netz unterwegs. Bin also noch mit Print sozialisiert und habe mir das Digitale später angeeignet, dann aber sofort gefeiert. In dieser "Euphorie-Phase", die bis ungefähr Snowden anhielt, hatte ich gerne Texte gelesen und konnte damit auch dementsprechend gut umgehen (im Studium überwog ganz klar digitaler Text). Seit Snowden, Trump, Brexit, Datengrusel, dem zunehmenden Kampf um Aufmerksamkeit allerorts, etc. hat sich mein Verhalten zum Netz aber so ins Negative gedreht, dass ich mit digitalen Texten einfach weniger Freude habe, was sich wiederum auf meine Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Bilde ich mir zumindest ein. Kann natürlich sein, dass ich einfach alt werde. Bin jedenfalls nach langem Exkurs wieder beim Print angekommen (ohne auf Digitales zu verzichten natürlich. Wie auch?).

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · Erstellt vor 7 Monaten ·

      Geht mir ähnlich, mein Eindruck ist sogar, dass das Internet nicht für Texte, sondern nur für Podcasts und Videos taugt.

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 7 Monaten ·

      @Dirk Liesemer Hossein Derakhshan vertritt die These, dass das Internet immer mehr wie das Fernsehen wird. Hoffnung sieht er aber in Podcasts. Ich stimme ihm nicht in allen Punkten zu, aber es ist lohnend darüber nachzudenken.

      "The biggest challenge for journalism is how to stay relevant to a democratic society even while its primary form — news — is disintegrating and while being buffeted by the twin forces of entertainment and propaganda. It is a grim picture and an extremely challenging task, but two recent trends offer some hope: the rise of podcasts and digital video.

      Radio, and podcasts in particular, is a hybrid medium. It is still largely word-based and therefore capable of empowering rational arguments and elevating serious conversations, but it can also convey depth of emotion. Using Neil Postman’s dichotomy, it is somewhere between the textual, “typographic” form of books and the visual, “photographic” form of TV as a medium for intellectual engagement, and perhaps this explains why serious, in-depth podcasts and audiobooks are growing in popularity."

      https://medium.com/s/s...

  3. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Aufschlussreich und eine Ergänzung, diesmal mit einem piq:
    https://www.piqd.de/ze...

  4. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · Erstellt vor 7 Monaten ·

    @dirk @marcus @frederik
    ich finde euren austausch spannend, und will etwas einwerfen, das ihr bei eurer besser/schlechter betrachtung außen vor gelassen habt: *jedes* kommunikationsmittel ödet oder nervt sogar, wenn es im übermaß genutzt wird – mich zumindest – und verengt die sinnliche wahrnehmung der eigenen realität im hier & jetzt. ich sehe da keinen so großen unterschied zwischen dem "sich in ein buch vergraben" und dem stundenlang auf den screen stieren.

  5. Peter Westebbe
    Peter Westebbe · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Es ist schon ein wenig ärgerlich. Da wird die Stavanger Erklärung mit dem Nimbus von 130 Forschern aufgepeppt ohne dass ein Bezug zu nachprüfbaren Studien hergestellt würde. Es wird nicht erklärt, was längere Texte, was mit Leseverständnis gemeint ist oder wie es gemessen wurde. Tatsächlich ist die Stavanger Erklärung ein Aufruf zu Gunsten von Bibliotheken. Dem kann ich mich gern anschließen. Ich bin auch nicht dafür, dass Bibliotheken geschlossen werden und nach meiner persönlichen Meinung wird das gedruckte Buch nicht wie die Vinylplatte oder CD in Zukunft nur ein Nischendasein fristen.
    Eine Fragestellung Papier vs Bildschirm ist allerdings Nonsens. Dass die Generation Z insgesamt weniger liest, weder Papier noch Bildschirm, ist eigentlich gut erforscht. Dass Lesen eine wichtige Kulturtechnik und ein Träger kultureller Werte ist, ist ebenfalls eine Binse, wird aber leider in den Schulen zu wenig beachtet.
    Insgesamt ist die Stavanger Erklärung weder hilfreich noch weiterführend, sondern nur eine mäßige Verteidigung rückwärts gewandter Vorstellungen.

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · Erstellt vor 7 Monaten ·

      Hier findet sich übrigens eine Liste der aktuellen Studien zum Thema: http://ereadcost.eu/bi...

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