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Hilfe! Der Duden führt "Neusprech" ein!!!!

Hasnain KazimDienstag, 25.08.2020

Natürlich, Sprache verrät viel über einen Menschen. Wie er denkt, welche Haltung er hat, ob er gebildet, belesen ist (oder zumindest so tut), ob er ein Schaumschläger ist, ein Gernegroß oder ein Mir-doch-alles-egal-Typ. Kurz: Sprache verrät, wes Geistes Kind ein Mensch ist.

Der Duden hingegen ist ein Wörterbuch. Ein Wörterbuch ist ein Wörterbuch ist ein Wörterbuch. Eine Sammlung von Wörtern also, die die deutsche Sprache ausmachen. Entscheidend ist, welche Wörter benutzt werden, welche also im Sprachgebrauch regelmäßig vorkommen. Der Duden bestimmt aber nicht, was deutsche Sprache ist, sondern bietet schlicht einen Überblick über die häufigsten Wörter und ihre Schreibweise. Sprache machen die, die sie sprechen. Also wir alle.

Bei jeder neuen Auflage ist die Duden-Redaktion jedoch mit Kritik konfrontiert, sie sei "Sprachpolizei". Jetzt erscheint die 28. Auflage, und die Kritik ist diesmal besonders haarsträubend. Das zeigt dieser lesenswerte Beitrag, den ich bei den "Neuen deutschen Medienmachern" entdeckt habe. Vor allem Rechtspopulisten - viele davon der deutschen Sprache übrigens nicht allzu mächtig, siehe deren Sprache im Netz - missbrauchen Sprache zu ihren identitären Zwecken.

Die Aufregung bei ihnen ist groß, weil es erstmals Hinweise - keine amtlichen Vorgaben! - zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch gibt. Rund 3000 Wörter wurden neu aufgenommen, darunter "bienenfreundlich", "Flugscham", "Lockdown" und "Hatespeech". Und wieder: große Aufregung!

Der ehemalige Präsident des deutschen Lehrerverbands Josef Kraus unterstellt in einem Beitrag auf einer rechtspopulistischen Seite, diese Wörter seien ...

...nicht etwa wegen ihrer Frequenz aufgenommen worden seien, sondern um sich „nicht den Vorwurf machen [zu] lassen, hinter aktuellen gesellschaftlichen (oktroyierten!) Debatten um Klimawandel, Corona, Rassismus und Co. hinterherzuhinken.

Der Vorwurf steht im Raum, der Duden setze George Orwells "1984" um und führe ein "Neusprech" ein, also eine offizielle, erlaubte Sprache, gegen die zu verstoßen ein Verbrechen sei. Dass sich im Duden natürlich auch ganz andere Begriffe finden, zum Beispiel solche, die andere Haltungen ausdrücken, verstehen diese Kritiker nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die neu aufgenommenen Wörter nun einmal im Sprachalltag Anwendung finden. Das, und nur das ist das Kriterium für die Aufnahme in den Duden. Aber man will nicht verstehen ...

In einer Pressemitteilung der Fraktion der AfD im Baden-Württembergischen Landtag lässt sich deren Vorsitzender Bernd Gögel mit der Aussage zitieren, die „Mannheimer Duden-Ausgabe“ sei „keine Schreibhilfe mehr, sondern eine Ideologiehilfe zur Durchsetzung linker Politik.“

Der pensionierter Gymnasiallehrer Kraus schreibt allen Ernstes:

Die herkömmlichen Parteien lassen all dies geschehen. Die Damen und Herren „Volksvertreter“ scheinen nicht mehr zu wissen, dass die Sprache dem Volk und nicht irgendwelchen Sprach-„Wissenschaftlern“ oder Redakteuren gehört. Die einzige Partei, die gegen zumal ideologisch motivierte Sprachmanipulationen wettert, ist die AfD. Etwa wenn die Begriffe „Alltagsrassismus“ oder „rechtsterroristisch“ in den „Duden“ aufgenommen werden. Aber die „Arrivierten“ wischen das mit dem Hinweis weg: „Naja, AfD eben!“

Tja. Wie gesagt, Sprache verrät, wes Geistes Kind man ist. Auch bei Lehrer Kraus. Manchmal fällt einem nicht mehr ein, was man so viel Blödheit entgegensetzen soll.


Hilfe! Der Duden führt "Neusprech" ein!!!!

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Kommentare 2
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 2 Jahren

    "Varianten wie der Genderstern oder der Unterstrich werden dabei ausdrücklich als nicht vom amtlichen Regelwerk abgedeckt beschrieben."
    So heißt es im Beitrag, also wird wohl doch nicht nur abgebildet, sondern ausgewählt. Was ich gut finde.

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 2 Jahren

    Solange im Duden leider das Wort Rassismus enthalten ist - und zwar nicht als veraltetes Wort einer vergangenen Zeit - brauchen diese Sprachvolkstümler keine angst zu haben. ..

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