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Medien und Gesellschaft

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer
Dienstag, 12.07.2016

Video: The Age of Bullshit

„There's an alternative to truth — and it's Bullshit!" 

Der Philosoph Harry Frankfurt hat schon vor 30 Jahren ein Phänomen beschrieben, das erst jetzt so richtig erwachsen wird: Bullshit halt. 

Bullshitter sind nach Frankfurt Menschen, die andere Menschen manipulieren wollen. Ob mit Fakten oder Lügen ist Bullshittern egal. Sie stehen der Realität indifferent gegenüber (was sie von Lügnern unterscheidet). 

Bullshit ist nicht neu. Wo Mensch, da Bullshit. Aber erst soziale Medien haben das goldene Zeitalter des Bullshits eingeläutet. Denn die Medien sind facebookoptimiert und die Algorithmen von Faceobook sind bullshitoptimiert. Sie belohnen schrille Töne und Emotionen. Das ist nachweislich, was die Menschen unterhält, auf der Seite verweilen und (mehrmals) täglich zurückkommen lässt. Bullshit ist der Treibstoff, mit dem Phänomene wie Trump und Brexit zu Höchstform auflaufen. Wer Bullshit versteht, hat viel von unserer Zeit verstanden. 

In diesem sehr kompakten Film (5 Minuten) fasst Frankfurt persönlich die Kernthesen seines Klassikers zusammen. Klüger kann man fünf Minuten im Netz kaum investieren. 

Wer sich dem Thema mehr als fünf Minuten widmen möchte, dem sei Frankfurts Essay-Original "On Bullshit" empfohlen, sowie der heutige Guardian-Longread „How technology disrupted the truth." Nehmt euch die Zeit, ihr werdet es nicht bereuen. Kein Scheiß!

Video: The Age of Bullshit
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Kommentare 3
  1. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor etwa einem Jahr

    Die entscheidende Frage ist doch am Ende, wie dagegen vorgehen.
    Medien scheinen mir aktuell nicht in der Lage, eine längere Kausalkette zu einem Thema aufrecht zu erhalten und es so glaubhaft abschließend zu bewerten.
    Stattdessen erzeugen man heute gerne Artikel für Artikel der zu 50% aus Spekulationen besteht, zu 25% aus der Meinung des Autors und nur zu 25% auf begründeten Fakten.

    So erlangt man keine Glaubwürdigkeit. In Verbindung mit dem grassierenden Selbstverteidigungsreflex der Medien gegen Ihre Kritiker, mündet das Ganze in einer Sackgasse und öffnet den Ideologen Tür und Tor.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa einem Jahr

      Ja, ich sehe das ähnlich hoffnungslos wie du - zumindest in den bestehenden Strukturen. Wir brauchen andere Strukturen und die müssen irgendwie finanziert werden. Auf dem freien Markt lässt sich das nicht realisieren. In den letzten zehn Jahren gab es meines Wissens nach nicht ein journalistisch-seriöses Digitalunternehmen in Deutschland, dass sich am Markt durchgesetzt hat. Und mit "durchgesetzt" meine ich nicht nur das bloße Überleben, sondern ausreichende Einnahmen, um den Beschäftigten auch ein angemessenes Gehalt zahlen zu können. Ich plädiere also für neue Formen von Subvention. Gemeinsam mit anderen Akteuren überlegen wir aktuell, wie man trotz Subventionen weitgehende Unabhängigkeit garantieren kann. Das müssen wir aber erst gemeinsam zu Ende denken. In Bälde mehr.

    2. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor etwa einem Jahr

      @Frederik Fischer Hört sich prinzipiell spannend an. Ich hab für solche Projekte immer ein offenes Ohr. Nächste Woche mach ich auch mal wieder meinen Spendenrundgang zu Medienportalen aus denen ich sinnvolle Informationen beziehen konnte. Ich bin die ganze Propagandasortierung langsam leid. Ich hab eigentlich besseres zu tun.