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Medien und Gesellschaft

Katapult vs. Übermedien: Warum streiten zwei tolle Medienprojekte?

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
Mag es, gute Geschichten zu lesen.
Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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Simon HurtzSonntag, 18.04.2021

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte – nicht. Das gilt zumindest in meinem Fall, wenn ich dabei zuschaue, wie sich zwei meiner Lieblings-Indie-Medien öffentlich zerfleischen: Katapult-Chefredakteur Benjamin Fredrich wirft Übermedien vor, ihn belogen zu haben.

Ich habe bei diesem Konflikt eine recht eindeutige Meinung. Da das aber für alle Beteiligten gilt, die ihre Sichtweisen lautstark in sozialen Medien kundtun, versuche ich, bei diesem piq die Fakten von meiner Einschätzung zu trennen. Der Ton ist auch so schon scharf genug.

Was passiert ist

  • 9. April: Jürn Kruse veröffentlicht bei Übermedien einen Artikel über den autobiografischen Roman von Benjamin Fredrich: "Katapult-Gründer dichtet Kollegen fiese Geschichten an". Der zentrale Vorwurf: Fredrich habe in seinem Buch reale Personen nur unzureichend verfremdet, sodass sie identifizierbar sind.
  • Das allein wäre kein großes Problem, wenn Fredrich nicht mehrere Menschen zu einer Kunstfigur gemacht hätte, die ziemlich schlecht wegkommt. Dieser "Kacke-Ingo" fühlt sich falsch dargestellt, da ihm Charakterzüge anderer Personen angedichtet werden. Das ist nur einer von mehreren Fällen, in denen sich frühere Katapult-Mitarbeiterïnnen und Wegbegleiter von Fredrich über das Buch beklagen.
  • 15. April: Fredrich antwortet – im Ton für seine Verhältnisse relativ gemäßigt (oft klingt das bei ihm anders), in der Sache aber scharf. Er greift nun seinerseits Kruse an und bezichtigt ihn, während des anderthalbstündigen Gesprächs bewusst seine Absicht verborgen zu haben.
  • Es sei nie darum gegangen, über den Roman zu schreiben. Kruse habe von Anfang an nur eine Abrechnung mit Fredrich im Blick gehabt. Das Interview habe nur dazu gedient, ein paar kompromittierende Zitate zu bekommen. Außerdem veröffentlicht Fredrich den gesamten Mitschnitt des Interviews, den Kruse ihm geschickt hatte.
  • 17. April: Stefan Niggemeier reagiert auf die Vorwürfe, die er als "maßlos und im Kern falsch" bezeichnet. Kruse habe Fredrich nicht belogen und lediglich versucht, seine Quellen zu schützen. Zudem habe Fredrich nicht die Originalaufnahme des Gesprächs veröffentlicht, sondern eine entscheidende Passage mit einem Piepton entfernt.
  • Gleichzeitig gesteht Stefan (Offenlegung: den ich im Gegensatz zu den anderen Beteiligten kenne und hier deshalb mit Vornamen nenne) Fehler ein. Übermedien hätte Fredrich deutlicher sagen müssen, dass sich Betroffene bei der Redaktion gemeldet hatten. Fredrich dachte, Kruse hätte die Identität der Protagonisten selbst herausgefunden.

Was ich davon halte

Das Wichtigste: Ich rate allen Interessierten, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die drei verlinkten Texte sind ohne Paywall lesbar. Sie enthalten viele weitere Details, die ich hier nicht nacherzähle.

Natürlich gehören zum Streiten immer zwei dazu. Für mich sind die Rollen aber klar verteilt. Ich empfinde Fredrichs Reaktion als selbstgerecht und überzogen. Übermedien hat Fehler gemacht, aber im Kern kann ich den ersten Artikel und vor allem Stefans Erwiderung nachvollziehen.

Fredrich greift Jürn Kruse persönlich an, unterstellt ihm bewusste Lügen und reitet auf dessen Springer-Vergangenheit herum. Das kommt mir unnötig aggressiv vor. Ich verstehe, warum Fredrich nicht glücklich damit ist, dass aus einem Roman wenige Seiten herausgepickt werden, die seiner Berechnung zufolge 0,48 Prozent des Buches ausmachen. Aber genauso gut kann ich nachvollziehen, warum "Kacke-Ingo" und andere Protagonistïnnen sauer sind – und dann ist es legitim, wenn Übermedien dem nachgeht.

Ich bin Übermedien-Abonnent der ersten Stunde und mag Katapult sehr. Beide Projekte sind auf ihre Art eine Bereicherung für die deutsche Medienlandschaft, und ich wünsche ihnen von Herzen viel Erfolg.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie sich wieder versöhnen. Ich glaube, das ist möglich, denn Fredrich hat sich entschuldigt:

Offensichtlich sind ein paar Menschen durch meinen Roman verletzt worden. Das tut mir leid. Das war so nicht gewollt. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es anders gemacht.

Und Stefan ebenfalls:

Wir haben Fredrich nicht deutlich genug gesagt, was der Ausgangspunkt unserer Recherchen war. Das war ein Fehler, und das tut uns leid.

Vielleicht ist das eine Grundlage, auf der sich beide, nachdem die Emotionen etwas abgekühlt sind, sagen können: Wir haben beide nicht alles richtig gemacht. Und vielleicht werden wir nicht mehr die besten Freunde. Aber es gibt auch keinen Grund, weiter zu streiten.

Katapult vs. Übermedien: Warum streiten zwei tolle Medienprojekte?

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