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Literatenfunk

Farts around the World
Jochen Schmidt
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piqer: Jochen Schmidt
Samstag, 23.07.2016

Farts around the World

Als ich ein Buch über Fürze gesucht habe, bin ich auf dieses Kinderbuch gestoßen. Nein, das stimmt nicht, als ich nach neuen Büchern der New Yorker Comicautorin Julia Wertz gesucht habe, bin ich auf die Website ihrer Bürogemeinschaft "Pizza Island" gestoßen und habe dort Lisa Hanawalt entdeckt ("Illustrator, cartoonist, and fartist living in Brooklyn"), die dieses Kinderbuch illustriert hat, eine Ethnographie des Furzes. In der Kleinkindabteilung der Buchhandlung findet man ja die seltsamsten Buchhybride, abwaschbare Bücher, gepolsterte Bücher, Bücher mit Lupe, Bücher zum Fühlen, Bücher mit Rädern. Wenn man befreundete Paare ärgern will, schenkt man ihren Kindern Bücher, die Geräusche machen. Bei "Farts around the World" konnte ich aber selbst nicht widerstehen, ich habe es mir nachträglich zur Einschulung geschenkt, als kleinen Trost, die Kinder kriegen es dann zur bestandenen Abiprüfung. Kinder halten sich ja nicht an den ehernen Grundsatz: "There is a fine line between entertainment und annoyance." Weswegen es sich nicht empfiehlt, ihnen jemals etwas Lustiges zu erzählen, weil man es dann wochenlang wiederholen muß. Sie wissen eben, daß ein abgenutzter Scherz, wenn man ihn nur oft genug wiederholt, wieder lustig wird. Und jeder Furz ist eine Pointe, für die man gar keinen Witz braucht."Fast 7 Millionen Fürze werden weltweit in jeder Minute gelassen. Flatulenz ist eine der großen Universalsprachen", heißt es im Vorwort. "Fürze sind wie Schneeflocken – jeder ist einzigartig." Das Buch versammelt deshalb zehn der weltweit bemerkenswertesten Fürze, es erklärt die Technik und die kulturelle Bedeutung und liefert ein Soundbeispiel. Frankreich ("The roar de l'amour – rippum romanticus"), Thailand ("The enlightened pass – quietus mortem"), Großbritannien, Japan, Schweiz, Mexico und andere Länder zeigen sich hier einmal von einer anderen Seite. "Northern light" (pyroflatulentia) hat zum Beispiel in der Kälte Sibiriens schon Tausenden das Leben gerettet, weil er zum Feuermachen genutzt wird. Oder der britische "Bum-tickler" (regalis malodorous): "The Bum-Tickler releases only the slightest sound, like the drop of a sugar cube into one's teacup." Ein sehr distinguierter, man möchte fast sagen trockener Furz. Inzwischen lebt Lisa Hanawalt übrigens in Los Angeles und ist künstlerische Leiterin des famosen Netflix-Cartoons "BoJack Horseman" über ein depressives Pferd, das früher einmal ein Serienstar war. In einem Interview sagt sie, sie habe früher versucht, mit Cartoons ihren Bruder zum Lachen zu bringen, offenbar war das eine gute Schule. Mit "Farts around the World" ist ihr ein Buch gelungen, das Eltern helfen kann, die anale Phase ihrer Kinder durchzustehen. "The world is not flat. It is flatulent!"

7,1
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