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Die Verschwiegene

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelFreitag, 16.07.2021

Diesem Film habe ich jahre-, vielleicht sogar jahrzehntelang hinterherrecherchiert, nachdem ich ihn vor ca. 30 Jahren mal live im Fernsehen gesehen hatte. Da lebte ich noch in Kiel und las mittags in der Mensa mit ein paar Kumpels, die an Autorinnen nichts außer W. G. Sebald und Bukowski gelten ließen, immer gemeinsam TV Spielfilm, ob abends – es waren analoge Zeiten – was kommt:

Die Verschwiegene, 22:15, ZDF (in der Reihe "Montagskino"). Es ging um einen Schriftsteller und Liebe, von der TV-Spielfilm-Redaktion mit 2 Erotiksternen bewertet. Das interessierte mich sofort (und die Kieler Mensa-Kumpel eher weniger). Der Film selbst, Christian Vincents Debüt von 1990 (ich glaube, der Regisseur hat danach nie wieder was Vergleichbares hinbekommen), war dann sogar noch viel besser.

Es geht um einen Pariser Schriftsteller (der junge Fabrice Luchini!), der von seiner Ehefrau für einen anderen verlassen wird. Sein hinterlistig gemeiner Verleger-Freund (großartig: Maurice Garrel!) denkt sich daraufhin ein neues Buchprojekt für ihn aus: Er solle sich "an den Frauen rächen", indem er einen erotisch-autofiktionalen Tagebuchroman darüber schreibt, wie er die scheinbar reizlose Sekretärin (am allergroßartigsten: Judith Henry!) erst verführt, und dann "eiskalt" fallenlässt. Nichts davon klappt natürlich, und genau das ist das von Grund auf Großartige (wenn "großartig" nicht so ein schlimmer Begriff wäre) an diesem Film.

Ich hatte ihn damals auf VHS aufgenommen und sah ihn immer wieder mit Freundinnen (zumindest so lange es VHS-Rekorder gab). Als kleine Warnung, oder weil ich damals eine zeitlang überlegte, nach Paris zu ziehen und so ein stimmig eleganter Intellektueller wie Fabrice Luchinis Antoine zu werden: Immer ein bisschen zu gebildet in Cafés rumquatschend, immer unglücklich verliebt (um daraus literarisch Kapital zu schlagen!), immer in 90er-Jahre-Saccos und niemals in Badehose ...

Daraus wurde dann aber auch nichts und, anyway, es geht hier heute jedenfalls um das Verschwinden von Lieblingskunstwerken im Strudel der Zeiten. Irgendwann wurde die VHS-Kassette zusammen mit dem kaputten Rekorder weggeschmissen und es gab keine Verschwiegene mehr. Denn tatsächlich kam der Film nie im Fernsehen oder in einer Kino-Retrospektive oder dergleichen. Auf DVD bekam man ihn nur secondhand unsynchronisiert (trotz mangelnder Französisch-Kenntnisse sofort besorgt, aber dann nur die Bonus-Interviews geguckt, wegen der Gesichter der Schauspieler).

Eines Tages, ich lebte längst in Berlin, kam der Film jedoch tatsächlich genau einmal im Nachmittagsprogramm auf arte, was ich aber erst einen Tag später in der liegengebliebenen Zeitung gelesen hatte. Das musste in den Nuller-Jahren gewesen sein. Es gab noch keine arte-Mediathek online, so dass ich in der Folge jahrelang extra aufmerksam das Programm studierte, damit mir der Film nicht noch mal durch die Lappen ging. Ich mailte sogar arte direkt an, die mir nett antworteten: Sie könnten mir auch nicht sagen, wann Die Verschwiegene wiederkäme.

Jetzt war es soweit: vor ein paar Wochen, wieder an einem Montagabend. Ich las es morgens in der SZ und machte alle meine Freunde verrückt, sie müssten den unbedingt gucken. Ich selbst hatte keine Zeit, nahm ihn aber auf der Festplatte vom Decoder auf und es gibt jetzt ja auch noch die Mediathek. Tatsächlich habe ich es aber als Fan des analogen Fernsehprogramms (gucken, was kommt – wie etwas, das dir passiert!) bisher nur geschafft, eine halbe Stunde reinzuschauen, als er noch mal nachts wiederholt wurde.

Und meine Frau weigert sich, den aufgenommenen Film mit mir zu gucken, weil sie keine Filme mit Schriftstellern mehr aushält. Aber bis zum 20. Juli ist er noch in der Mediathek, und ich habe ein wenig Angst, dass Die Verschwiegene schlecht gealtert ist, möchte sie Ihnen hiermit aber dennoch ans Herz legen.

Die Verschwiegene

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