Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Literatenfunk

Die Lücke, die der Buchhändler läßt
Jochen Schmidt
Der piqer hat bisher keine Tätigkeit eingetragen.
Zum piqer-Profil
piqer: Jochen Schmidt
Freitag, 12.08.2016

Die Lücke, die der Buchhändler läßt

In Buchhandlungen und Bibliotheken mache ich gerne Kontrollgänge und sehe nach, ob eines meiner Bücher im Regal steht. Leider ist das selten der Fall, deshalb habe ich, um der Sache einen Sinn zu geben, irgendwann damit begonnen, das, was ich als Lücke empfinde, zu fotografieren, um eines Tages vielleicht einmal einen Vortrag darüber zu halten. Elke Schmitter, Arthur Schnitzler, Bernhard Schlink, Eric-Emmanuel Schmitt, Kathrin Schmidt, Arno Schmidt — viele namhafte Autoren füllen die unsichtbare Lücke, die meine Bücher dort im Regal gelassen haben. Wenn man es nicht wüsste, würde man gar nicht bemerken, dass sie fehlen. Ich habe schon überlegt, ob ich heimlich meine Belegexemplare in die Buchhandlung mitnehmen soll, um sie ins Regal zu schmuggeln, aber dazu fehlen mir die Nerven. Es ist auch schon peinlich genug, sich in Buchhandlungen in der Nähe der eigenen Anfangsbuchstaben herumzutreiben. Ich tue das nur, wenn ich mir absolut sicher sein kann, dass mich der Buchhändler nicht kennt (was leider oft der Fall ist). Denn die Buchhändler beobachten natürlich, was ihre Kunden treiben, und in Bohème-Bezirken, wie meinem, bekommen sie täglich von beleidigten Autoren Besuch. Bei manchem kommt sogar die Frau kontrollieren und beschwert sich, dass die Bücher ihres Mannes zu versteckt aufgebaut sind, oder schlimmer: dass ihre eigenen Bücher nicht daneben stehen, sie schreibe doch auch. Ich gebe zu, ich habe in Buchhandlungen, in denen ich mein Buch besonders schmerzlich vermisste, schon danach gefragt, um das Unterbewusstsein des Buchhändlers auf meinen Titel zu trainieren. Übrigens ist es nicht weniger peinlich, wenn meine Suche ergibt, dass tatsächlich ein Buch von mir im Regal steht, das berührt mich genauso unangenehm. Ich würde es dann am liebsten umdrehen, so war das doch nicht gemeint, dass das jeder kaufen und lesen kann, ich kenne diese Leute doch gar nicht! Vielleicht ist mir die Lücke, die der Buchhändler lässt, am Ende doch lieber.

8,9
7 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!