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Liebe, Sex und Wir

Friederike Knüpling
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piqer: Friederike Knüpling
Dienstag, 26.07.2016

Welche Vorurteile habe ich, und was können sie bedeuten?

Im OEZ hörte am Freitag eine mutmaßliche Zeugin „Allahu Akbar“-Rufe zu den Schüssen. Wie plausibel ist es? Das ist keine Frage danach, was wirklich passiert ist sondern eine Frage nach Assoziationen. Wie schnell leuchtet die Kombination ein, wie rasch komplettiert sich die Story vor dem inneren Auge?

Man sagt, dass Vorurteile schlecht sind. Trotzdem haben wir vermutlich alle welche. Die Frage ist eher, welche es momentan sind. Welche Verbindungen – nicht nur begriffliche sondern auch echte: Allianzen, Freundschaften, Beziehungen – sind uns dadurch verstellt?

Messbar sollen unsere impliziten Einstellungen in sogenannten Implicit Association Tests (IATs) sein, die u.a. in Harvard entwickelt wurden. Gemessen wird, welche Assoziationen wir wie schnell herstellen: Ob man beispielsweise das Wörtchen „gut“ rascher mit hellhäutigen Gesichtern verbindet als mit dunkelhäutigen Gesichtern.

Einmal oder ab und zu einen solchen Test zu machen, scheint nicht verkehrt, will man die Begriffe und Vorstellungen im Fluss halten. Weswegen ich unten auf die IATs verlinke. Dabei sollte man durchaus kritisch sein, was die Aussagekraft der Testergebnisse angeht. Am besten: Die Tests regen das Nachdenken oder ein Gespräch an.

Also: Wer einen solchen Test macht, wird mit ziemlicher Sicherheit irgendein scheinbares Vorurteil entdecken. Gegen dickere, schwulere, ältere oder weniger alte Menschen usw. Selbst gegen Merkmale, denen sie/er sich selbst zugehörig fühlt. Damit ist aber längst nicht alles klar. IATs zeigen nicht unbedingt unsere innersten Meinungen, sondern – so eine gängige Relativierung – am ehesten, welche Begriffspaare einem besonders erfolgreich beigebracht wurden. Wer in seinem IAT-Verhalten „implizite Assoziationen“ aufdeckt, ist dadurch nicht automatisch festgelegt auf Verhaltensweisen oder gar eine Politik der Exklusion. Eher ist es das System, das mit dieser Exklusion operiert, das bestimmte Assoziationen und Liaisons nicht zustande kommen lassen will.

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