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Liebe, Sex und Wir

Antje Schrupp
Politikwissenschaftlerin, Journalistin
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piqer: Antje Schrupp
Freitag, 31.03.2017

Die Attraktivität der Keuschheit

Im Zuge der "sexuellen Revolution" der 1968er hat sich die Vorstellung von einem unaufhaltsamen Fortschritt zu mehr Freizügigkeit in sexuellen Belangen entwickelt: Die "Progressiven", die gegen althergebrachte Reglementierungen kämpfen, gegen die "Rückwärtsgewandten", die noch an ihnen festhalten, aber bestimmt bald aussterben werden. Diese Erzählung hat sich schon in Bezug auf Sex mit Kindern als falsch erwiesen, den nicht wenige der damaligen Sexrebellen auch enttabuisieren wollten - gegen den Protest von Feministinnen übrigens, die deswegen als prüde belächelt wurden. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sex mit Kindern unbedingt reglementiert und verboten gehört. Doch unter Erwachsenen - da ist doch "keine Tabus" nach wie vor das Prinzip, oder?

Allerdings gibt es Submilieus, die sich freiwillig wieder Tabus auferlegen, und sie werden stärker. So wie die christlich unterfütterte "True Love Waits"-Bewegung in den USA, die immer weiter wächst und längst kein marginales Phänomen mehr ist. Und bei der die Regeln immer strenger werden: Längst ist nicht mehr nur Sex vor der Ehe tabu, sondern auch Küssen und Streicheln.

In Deutschland wird manchmal so getan, als sei das demonstrative Vorzeigen konservativer Geschlechterarrangements ein Merkmal des Islams. Aber dieser Bericht zeigt, dass es genauso gut ein anderer religiöser Mantel sein kann. Oder auch ein nationalistischer Mantel. 

Bleibt die interessante Frage, warum diese Art von Konservatismus für so viele Menschen, und gerade auch junge Frauen, so anziehend ist, dass sie freiwillig zu Protagonistinnen einer neuen Tabu-Moral in Beziehungsdingen werden? Warum ist die Vision einer tabufreien Sexualität für sie nicht attraktiv? 

Die Attraktivität der Keuschheit
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