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Liebe, Sex und Wir

Bestimmen wirklich Frauen, wie viel Sex stattfindet?

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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Theresa BäuerleinMittwoch, 09.08.2023

Eigentlich finde ich es extrem ermüdend, wenn Menschen biologistische Argumente heranziehen, um menschliches Paarungsverhalten zu erklären. Als wäre etwas, das "natürlich" ist, automatisch richtig oder normal. Bezeichnenderweise gilt das aber immer nur dann, wenn man damit seine eigene Vorlieben rechtfertigen will. Dass Menschen in extrem vielen anderen Aspekten "unnatürlich" leben, ist dann egal.

Auch die Biologin Meike Stoverock spricht in diesem Interview vom Verhalten der "Männchen" und "Weibchen" bei Tieren und überträgt dieses Verhalten auf Menschen. 

Männchen, die allein sind, machen immer Probleme, auch im Tierreich. Sie sind frustriert, werden aggressiv, lassen ihren Ärger an schwächeren Tieren oder anderen Arten aus. Die Entsprechung beim Menschen sind die Incels.

Das ist ziemlich grob geschnitzt und klingt teilweise erzkonservativ. Aber stellenweise stecken dann doch interessante Gedanken in diesem Interview:

Wollen Sie damit sagen, dass es rechten Parteien um Sex geht?
Ja! Schauen Sie sich die Parteiprogramme mal an. Im Kern geht es darum, die Kontrolle über das Gebärverhalten der Frauen wieder zu erlangen, Verhütung, Ehe und Abtreibung sind immer Thema. Rechtspopulistische Parteien propagieren ein konservatives Weltbild, halten wenig von sexueller Selbstbestimmung, wollen Ehe und Familie stärken und Einwanderung begrenzen. Für Incels ist das ein Versprechen auf Sex. Sex, von dem sie glauben, dass er ihnen zusteht.

(...)

Was könnten diese Männer tun, um doch erwählt zu werden?
Nichts! Genau darum geht es mir. Ein Mann kann ein Super-Typ sein und trotzdem Single, das ist normal, das ist die Biologie. Das Narrativ, dass mit jemandem ohne Partnerin irgendwas nicht ganz stimmen kann, muss weg. Alleinstehende Männer werden nicht direkt zu frauenhassenden Sonderlingen. Die Gesellschaft macht sie dazu, wenn wir ihnen andauernd das kulturalistische »Jeder Topf findet seinen Deckel«-Märchen erzählen. Dann beginnen sie, an ihrer Männlichkeit und ihrem Selbstwert zu zweifeln und eine Anspruchshaltung zu entwickeln, die im Extremfall zu sexueller Gewalt führt. Es könnte viel individuelles Leid verhindern, wenn wir schon unseren Kindern beibringen, dass eine lebenslange, monogame Beziehung nicht der Schlüssel zum Glück ist.

Ihr Lösungsvorschlag wiederum klingt meinem Gefühl nach etwas herablassend Männern gegenüber – aber vielleicht liegt das an mir: 

Eine Möglichkeit ist die Entstigmatisierung homosexueller Handlungen. Das sieht man tatsächlich auch im Tierreich, dass unterlegene Männchen ihren Trieb aneinander befriedigen. Außerdem sehe ich Potential in Sexpuppen und Sexrobotern. Schon jetzt gibt es eine kleine Community von Männern, die mit diesen Gegenständen zusammenleben, als wären es Menschen. Umfragen zufolge kann sich jeder vierte Mann Sex mit einem Roboter vorstellen, immerhin sechs Prozent halten es für möglich, sich in ein Gerät zu verlieben.
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Kommentare 3
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 8 Monaten

    Spannender Artikel - danke. Aber Menschen sind nunmal biologisch Tiere. Da muß man nichts übertragen. Übrigens haben auch Tiere soziale Strukturen. Insofern weiß ich gar nicht, ob Menschen in verschiedenen Aspekten "unnatürlich" leben?

  2. Lutz Müller
    Lutz Müller · vor 8 Monaten · bearbeitet vor 8 Monaten

    Die NZZ hat das Thema in einem jüngeren (frei zugänglichen) Artikel aufgegriffen, der u. a. auch Meike Stoverock zitiert. https://www.nzz.ch/wis... Er verweist zudem auf verschiedene genetische Analysen, die Stoverocks Kernthese aus evolutionsbiologischer Perspektive untermauern:
    Moderne Menschen haben mehr weibliche Vorfahren als männliche.

    Auch im SZ-Interview geht es aber nicht nur um Sex und Fortpflanzung. Angesprochen wird die viele Energie, die Frauen allein schon biologisch bedingt für ihre Kinder aufwenden, und sowohl bei der Aufzucht der Kinder tragen Frauen bis heute die größte Last. Dass heute mehr Kinder mit Alleinerziehenden aufwachsen, ist sicher ein Ergebnis der Emanzipation der Frau. Ausgeklammert wird, wie sich das auf die Entwicklung dieser Kinder auswirkt. In den Medien und der Wissenschaft werden eher wirtschaftliche Nachteile (Armutsgefährdung) und Streitigkeiten beim Sorgerecht thematisiert.

    1. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 4 Monaten

      An das Ende des Piqs anknüpfend, kann ergänzend dieser FAZ-Podcast empfohlen werden: https://www.faz.net/po...

      Aufgepasst: Titelgebend ist der zweite Teil, in dem es um Liebespuppen und Roboter geht, wobei klar wird, dass es bis heute eher Randphänomene sind. Der Maschinenethiker Oliver Bendel erklärt u.a., wo dringender Forschungsbedarf besteht, spricht von einer sterbenden Sexualwissenschaft in Deutschland, über Desinteresse von Seiten der Politik.

      Interessanter und von allgemeinerem Bezug zum Piq fand ich die erste Viertelstunde:
      Elena Witzeck und Katrin Hummel sprechen über den Stand des Liebeslebens der heutigen jungen Generation, darüber, welche Faktoren in den Lebensumständen für die Partnerwahl ausschlaggebend sind. Mehr verrate ich nicht, und Schlüsse hieraus, wie biologische Faktoren dabei mitspielen, müssen die Hörer’innen selbst ziehen.

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