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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Sonntag, 10.04.2016

Warum die Erde "eiert" - und warum das schlimmer wird

Was passiert eigentlich, wenn das Eis an den Polkappen immer weiter schmilzt? Klar: Der Meeresspiegel steigt, US-Forscher hatten zuletzt davor gewarnt, dass beim derzeitigen Tempo der Erderwärmung das Ozeanwasser bis 2100 um zwei Meter ansteigen wird – etwa doppelt so viel wie nach bisherigen Prognosen. Schon bei einem "normalen" Anstieg - der Weltklimarat hatte bis zu einem Meter prognostiziert - wären allein in den USA würden 4,2 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren. Aber hey: Was geht das mich an, wo ich doch 38 Meter über dem Meeresspiegel (aktueller Stand) lebe?

Die US-Weltraumbehörde NASA hat nun aber eine ganz neue Gefahr der globalen Polschmelze aufgedeckt: Demnach verschiebt sich wegen der abnehmenden Masse an den Polen die Drehachse der Erde. Diese Achse geht vom Nordpol durchs Erdinnere zum Südpol, die Erde "kreist" um sie. Wenn sich die Masseverhältnisse an den Polen ändern, verschiebt sich die Stelle, an der diese Achse an die Oberfläche tritt - und damit der Nord und der Südpol.

Mit der dramatischen Folge, dass die Erde zu "Flattern" oder zu "Eiern" beginnt, wie die NASA-Wissenschaftler im Magazin Sciences Advances berichten. Demnach verschiebe sich die Neigung der Erdachse Richtung England - um derzeit 15 Zentimeter pro Jahr. Grundlage ihrer Arbeit sich die Messungen der beiden "Grace"-Satelliten, die rund 300 Kilometer über der Erde kreisen.

Tatsächlich ist die Massebilanz dramatisch. Seit 2003 habe Grönland pro Jahr durchschnittlich 600 Billionen Pfund Eis verloren, rechnen die Forscher vor - umgerechnet 272 Billionen Kilogramm. In der Westantarktis seien es 125 Milliarden Tonnen jährlich. In diesem Jahr waren am Nordpol besonders extreme Temperaturen zu beobachten. „Ich habe noch nie einen solch warmen, verrückten Winter in der Arktis gesehen“, sagte Mark Serreze, Direktor des Schnee- und Eisdatenzentrums der USA. Seit 37 Jahren wird die Eisfläche mit Satelliten vermessen - die 13 kleinsten Höchstwerte stammen aus den vergangenen 13 Jahren.
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