Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Klima und Wandel

Ralph Diermann
Energiejournalist
Zum piqer-Profil
piqer: Ralph Diermann
Dienstag, 22.03.2016

Vom Aufstieg und Niedergang der Atomenergie

Was für ein Stoff: Ein Kilogramm Urandioxid enthält so viel Energie wie Dutzende Tonnen Kohle oder Erdöl. Eingesetzt in Brutreaktoren, lässt sich sogar mehr von dem Material erzeugen, als zuvor in den Prozess eingebracht wurde – eine unerschöpfliche Energiequelle.

Das war die Stimmung in den Kindertagen der Atomenergie. Das „friedliche Atom“ sollte Wohlstand für alle bringen, Kernkraft wurde zum Synonym für Modernität und Fortschritt.

Der Historiker Frank Uekötter hat einen guten Grund, seinen enorm informativen Essay zum Aufstieg und Fall der Atomenergie mit der Faszination zu beginnen, die die Technologie kurz nach dem zweiten Weltkrieg auf Wirtschaft und Politik ausübte: Nur mit dieser naiven Wissenschaftsgläubigkeit lässt sich erklären, wieso in den sechziger und siebziger Jahren atemberaubende Summen investiert wurden, um die Technologie durchzusetzen. Übrigens ursprünglich gegen den Willen von Energiekonzernen wie RWE, wie Uekötter schreibt (ein Argument, mit dem die Unternehmen heute Verantwortung für den Rückbau der Reaktoren abgeben wollen – unterschlagend, dass sie sich jahrzehntelang eine goldene Nase daran verdient haben).

Genauso spannend und mit schönen Anekdoten gespickt beschreibt der Autor den Niedergang der Kernkraft. Schon bevor die Anti-AKW-Bewegung die Bühne betrat, wurde in der Atombranche hinter verschlossenen Türen an der Technologie gezweifelt, schreibt Uekötter. Heute hat die Kernenergie zumindest in der westlichen Welt keine Zukunft mehr – trotz der vielen, vielen Milliarden Euro, die in die Atomforschung investiert worden sind. „Nach 75 Jahren Nuklearentwicklung gibt es weltweit kein einziges Atomkraftwerk, das am freien Markt eine Chance hätte“, so Uekötter.

Vom Aufstieg und Niedergang der Atomenergie
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!