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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Donnerstag, 28.09.2017

Der Trick mit der "Sicherheitsbereitschaft"

Das Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf ist eines der ältesten in Deutschlands, 1953 wurde mit dem Bau begonnen. Derzeit erlebt der RWE-Standort seine letzten Betriebsminuten, in der Nacht zum Sonntag ist dort Schluss mit der Verfeuerung des klimaschädlichsten aller Energieträger.

Zumindest theoretisch. Praktisch nämlich liefert Frimmersdorf ein illustres Beispiel dafür, wie sich die Energiekonzerne schamlos an uns Stromkunden bereichern. Denn Frimmersdorf wird nicht abgeschaltet, sondern in die so genannte "Sicherheitsreserve" – auch "Sicherheitsbereitschaft" genannt – überführt.

Ursprünglich sollte Frimmersdorf, das zwischenzeitlich größte Braunkohlekraftwerk in Deutschland und Anfang der 1970er Jahre eines der größten der Welt, im kommenden Jahr für immer vom Netz. Aber dann kam der Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der sich eine "Sterbeprämie" für alte Kraftwerke überlegte, um den Stromkonzernen einen Anreiz zum Klimaschutz zu bieten. Die Energiekonzerne bekommen 0,05 Cent je Kilowattstunde von den Stromkunden dafür, wenn sie einen Kraftwerksblock in die so genannte "Sicherheitsbereitschaft" überführen. Nach Berechnung der Bundesregierung fließen so insgesamt 1,6 Milliarden Euro von den Stromkunden an die Konzerne. Im Schnitt steigt unsere Stromrechnung so um 1,75 Euro pro Jahr.

Der Gesetzgeber argumentierte, dass es ja sein könne, dass beispielsweise im Winter nicht genügend Wind- oder Sonnenstrom im Netz ist. Dann müssten Kraftwerke wie Frimmersdorf aus der "Sicherheitsbereitschaft" wieder angefahren werden – und diese Bereitstellung von Sicherheit müsse natürlich bezahlt werden. Das Braunkohlekraftwerk Buschhaus war am 1. Oktober 2016 das erste Kraftwerk, das für vier Jahre in diese Bereitschaft überführt wurde, gebraucht wurden die Dienste allerdings bislang nicht. Deutschland produziert so viel Strom, dass zuletzt ein neuer Stromexport-Rekord erzielt wurde.

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