Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Kopf und Körper

Daniel Erk
Stv. Redaktionsleiter Tagesspiegel Berliner, freier Journalist und Autor
Zum piqer-Profil
piqer: Daniel Erk
Sonntag, 09.09.2018

Scheiße ist das köstlich! Essen gehen mit Action Bronson

Es gibt eine mittlerweile sehr alte Folge eines längst eingestellten Videoformats der FAZ mit Peter Richter, da tänzelte Richter durchs eben legendär gewordene Café St. Oberholz in Berlin, das seinerzeit der Inbegriff der eben ausgerufenen digitalen Boheme war und sagte einen Satz, an den ich oft denke: "Man darf das Internet nicht denen überlassen, die es mögen."

Das ist wahr. Und es gilt im Grunde für alles im Leben, speziell auch für Essen, Gastronomie, Fine Dining und Essen-und-Trinken-Journalismus. Es dürfte mittlerweile ja bekannt sein, dass ich kein großer Fan der deutschen Art über Essen zu schreiben bin – zu aseptisch, zu exklusiv, zu viel "feine Unterschiede".

Als ich also vor Kurzem reichlich spät (vier Jahre!) auf die Viceland-Serie "Fuck, That's Delicious" mit dem Rapper Action Bronson (sein größter Hit: "Baby Blue") stieß, war ich sofort angetan. Denn Action Bronsons Sendung ist in jeder Hinsicht das Gegenteil des deutschen Gastrojournalismus: Sie ist räudig, witzig und es wird ständig auf der Straße, auf Parkplätzen und im Stehen gegessen und dauernd ist mindestens einer der Beteiligten bekifft.

Im New Yorker war vergangenes Jahr ein Text, der die Sendung sehr gut auf den Punkt bringt. Amanda Petrusich schreibt da:

Much of the humor hinges upon lampooning fussy, toadying conversations about cuisine. “Why are we eating food we don’t like?” the Alchemist asks his friends, halfway through breakfast at a dim-sum restaurant in Queens […]. In the next scene, they leave.

Vor allem aber macht es auf eine eigenartige Weise wahnsinnigen Spaß, Action Bronson beim Essen zuzusehen. Es ist gleichzeitig bedächtig und zupackend. Nicht dieses feine Rumgelutschte auf Häppchen, nicht dieses vornehme Rumstochern mit viertelvoller Gabel. Sondern ganze Löffel voll.

Leider ist Viceland ein Bezahlsender, der für den deutschen Markt nicht freigeschaltet ist. Als Gruß aus der Küche reicht vielleicht diese eine Episode auf YouTube, in der Bronson einen Milkshake in Queens probiert.

Scheiße ist das köstlich! Essen gehen mit Action Bronson
6
3 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 1
  1. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor etwa 2 Monaten

    Danke, dass du hier immer wieder interessanten Gastrojournalismus empfiehlst - das Feld liegt in Deutschland wirklich ziemlich brach. Ach.