Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Kopf und Körper

Daniel Erk
Stv. Redaktionsleiter Tagesspiegel Berliner, freier Journalist und Autor
Zum piqer-Profil
piqer: Daniel Erk
Freitag, 08.06.2018

Gastronomie, die Wissenschaft der Schmerzen: In Erinnerung an Anthony Bourdain

Anthony Bourdain ist tot, meldet CNN.

Bourdain war nicht einfach ein Koch – auch wenn er Koch war. Bourdain war ein Essensbesessener, ein Fernsehstar, ein Prominenter mit Substanz.

Und natürlich war Bourdain hier auch schon Thema, etwa als er Barack Obama half, sich als Foodie zu inszenieren. Und letztes Jahr empfahl Alexander von Streit ein fantastisches Gespräch zwischen Bourdain und Iggy Pop, in dem Bourdain fast prophetisch sagte:

I have a real problem being content. When I finish a book I get that same sense of sort of loss and sadness.

Empfehlen möchte ich an diesem traurigen Tag aber eigentlich einen anderen Text. Den Text nämlich, mit dem Bourdains Weg in die Öffentlichkeit begann.

Im April 1999 veröffentlichte der New Yorker (das Magazin) eine Art Bericht aus dem Schützengraben der Gastronomie von dem damals noch unbekannten 43-jährigen Koch. Bourdain schreibt da:

Gastronomy is the science of pain. Professional cooks belong to a secret society whose ancient rituals derive from the principles of stoicism in the face of humiliation, injury, fatigue, and the threat of illness. The members of a tight, well-greased kitchen staff are a lot like a submarine crew. Confined for most of their waking hours in hot, airless spaces, and ruled by despotic leaders, they often acquire the characteristics of the poor saps who were press-ganged into the royal navies of Napoleonic times—superstition, a contempt for outsiders, and a loyalty to no flag but their own.

Allein dieser zweite Absatz des Textes hat so viel Kraft, Humor, Weltgeist und Lebenslust, dass man beim Lesen sofort weiß: diesem Mann will man stundenlang zuhören. Und genau das passierte dann auch: Bourdain erhielt auf den Text hin einen Buchvertrag, schrieb "Kitchen Confidential" und wurde der Star, als den ihn die Welt kennt.

Der letzte Satz in dem Text im New Yorker lautet übrigens: I have come home.

Gastronomie, die Wissenschaft der Schmerzen: In Erinnerung an Anthony Bourdain
8,6
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!

Kommentare 1
  1. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor 3 Monaten

    R.I.P. Bourdain war einer der Menschen, die mir gezeigt, wie faszinierend es sein kann, über Essen zu schreiben.