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Lena Gorelik
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piqer: Lena Gorelik
Freitag, 05.08.2016

Eine perfekte Antwort auf angebliche Prämissen

Das ist der Stoff, aus dem Hollywood-Filme über Eliteuniversitäten und Internate entstehen, diese Filme über Lehrer, die die Welt bewegen, und denen man selbst nie begegnet ist, vielleicht eben, weil es sie nur dort gibt: In Hollywood-Filmen. Dead Poets Society und so. In den meisten dieser Filme sind die Lehrer und Professoren, die die Studenten bewegen (und mich vor dem Bildschirm bewegt haben, als ich achtzehn war) Männer, und warum es Männer waren, darüber dachte ich damals, als ich mich vor dem Bildschirm fragte, warum ich solchen Professoren nie begegne, peinlicherweise noch gar nicht nach. Nun kann man den Brief einer solchen Professorin jedenfalls nachlesen - eine Frau also, im wahren Leben ist es eine Frau, und über sie ließe sich so ein Film problemlos drehen:

An einer amerikanischen Universität haben sich Jura-Studenten in einem anonymen Schreiben darüber beschwert, dass ihre Professorin ein Black Lives Matter T-Shirt trug. Die waghalsige Begründung: Dies sei rassistisch, zudem eine ihnen aufgezwungene politische Indoktrinierung, und habe als persönliche Meinung im classroom nichts zu suchen. 

Die Replik der Professorin ist reine Lesefreude: Den Brief ihrer Studenten nimmt sie in Prämissen auseinander, denen sie an mancher Stelle mit sicheren, rhetorisch ausgefeilten Argumenten, an anderer mit schlagfertigen Retourkutschen begegnet. Zum Beispiel: 

"Premise (by the students): You are not paying for my opinion.

Critique: You are not paying me to pretend I don't have one."

Im zweiten Teil macht sie die Studenten höflich und mit genau dosierter Ironie auf die Kunst des Briefeschreibens im Allgemeinen aufmerksam, und spätestens da wünscht man sich, man würde bei dieser Frau studieren können - oder zumindest einen Hollywood-Film über sie sehen. 

Eine perfekte Antwort auf angebliche Prämissen
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