Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Fundstücke

Jürgen Klute
Theologe, Publizist und Politiker
Zum piqer-Profil
piqer: Jürgen Klute
Sonntag, 26.03.2017

Der Sklavenhandel war nicht nur ein Geschäft europäischer Kolonialmächte

Wer im westeuropäischen Kontext über die Geschichte des Sklavenhandels spricht, meint damit in der Regel den so genannten transatlantischen Sklavenhandel. Etwa 10 Millionen Menschen wurden im Rahmen des transatlantischen Sklavenhandels aus Afrika verschleppt und in Nord- und Südamerika zur Sklavenarbeit auf Plantagen gezwungen, entmenschlicht und ausgebeutet. 

Der senegalesische Ökonom und Anthropologe Tidiane N'Diaye hat in einem ausführlichen und detailreichen Interview mit Marcus Latton darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur die westeuropäischen Kolonialmächte Afrika als Sklaven-Reservoir für ihre Plantagen missbraucht haben. 

Lange bevor die Europäer nach Afrika kamen, so Tidiane N'Diaye, haben arabische Herrscher begonnen, Afrikas Bewohner zu Sklaven zu machen und wirtschaftlich auszubeuten: 

Die Arabomuslime haben die schwarzen Völker Afrikas vom 7.  bis zum 20.  Jahrhundert überfallen. Fast 1 000 Jahre lang waren sie die einzige fremde Macht, die diesen grauenhaften Handel betrieb, und sie haben über zehn Millionen Afrikaner deportiert, bevor die Europäer auf der Bildfläche auftauchten. Insgesamt 17 Millionen Menschen wurden versklavt, von denen die meisten aufgrund von Massenkastrationen keine Nachkommen hinterließen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht in diesem Interview nicht um eine Relativierung der Gräueltaten europäischer Kolonialmächte. 

Tidiane N'Diaye kritisiert schlicht, dass es bis heute nicht den Ansatz einer Aufarbeitung dieses Teils der Geschichte des Sklavenhandel gibt, wohl aber noch deutliche Nachwirkungen und Reste dieses Sklavenhandels in afrikanischen Ländern. In Afrika ist der Sklavenhandel keineswegs Geschichte. Ihn im 21. Jahrhundert auch in Afrika endgültig zur Geschichte zu machen, darauf zielt das Engagement von Tidiane N'Diaye. Die Aufarbeitung dieser langen Leidensgeschichte ist eine zentrale Voraussetzung dafür. Immerhin hat die Regierung im Senegal erste Schritte in diese Richtung unternommen, so Tidiane N'Diaye. 

Der Sklavenhandel war nicht nur ein Geschäft europäischer Kolonialmächte
8,8
6 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!