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Flucht und Einwanderung

J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung
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piqer: J. Olaf Kleist
Mittwoch, 02.11.2016

Warum sterben immer mehr Flüchtlinge im Mittelmeer?

Die Anzahl der in Europa ankommenden Asylsuchenden ist weit geringer als letztes Jahr, doch die Zahl der Todesopfer hat dramatisch zugenommen. Über 4000 Menschen sind dieses Jahr bei dem Versuch, die europäische Küste zu erreichen, bereits ums Leben gekommen. Das ist die höchste Zahl an Todesfällen, die auf dieser Route je erfasst wurde. Wie kann das sein, zumal die EU doch versprach, Menschenschmuggel zu bekämpfen und die Situation so für Migranten weniger gefährlich zu machen? 

“EU politicians and policy makers have repeatedly declared they are ‘at war’ with the smugglers and that they intend to ‘break the smugglers business model’.“The evidence from our research suggests that smuggling is driven, rather than broken, by EU policy.“The closure of borders seems likely to have significantly increased the demand for, and use of, smugglers – who have become the only option for those unable to leave their countries or enter countries in which protection might potentially be available to them.”

Tatsächlich macht der Versuch, nach den Landwegen nun auch die Seewege zu schließen, oft in Kooperation mit undemokratischen Partnern und menschenrechtlich höchst bedenklichen Methoden, die Situation für Flüchtlinge zusätzlich riskant. Eine neue Studie mehrer Universitäten aus GB macht die EU-Politik direkt für den Anstieg an Todesfällen verantwortlich. Überfahrten müssen für größere Summen in kleineren Booten unternommen werden, teils, um höchst unsicheren Umständen in den Transitländern zu entkommen. Flüchtlingen legalen und sicheren Zugang in signifikantem Umfang bereit zu stellen, wäre die einzige Möglichkeit, die Gefahr für jene zu reduzieren. Doch das ist in Europa nicht auf der Tagesordnung. Aber wenigstens sollten die Politiker und Politikerinnen, die auf eine Bekämpfung von Menschenschmuggel pochen, aufhören, zu behaupten, sie täten dies für das Wohl von Migranten und Flüchtlingen - denn das eine verträgt sich nachweislich mit dem anderen nicht.

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