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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
mal Journalist, mal Islamwissenschaftler, je nachdem

...hab damals den Einschreibungstermin für Theoretische Physik verpasst. Das hab ich jetzt davon.

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piqer: Fabian Goldmann
Samstag, 18.02.2017

Mindfuck Deluxe: Als Jürgen Elsässser einen großartigen Text über den Dresdner Opfermythos schrieb

Dresdner sind nicht unbedingt für ihre Flüchtlingssolidarität bekannt. Nur einmal im Jahr – immer am 13. Februar – entdecken viele Bewohner der Stadt doch ihre Anteilnahme für jene, die unter Krieg und Vertreibung litten. Anders als bei heutigen Kriegsopfern, kann die Zahl deutscher Opfer britischer und amerikanischer Bombardierungen dabei gar nicht hoch genug sein. Ganz vorn mit dabei bei der Pflege dieses Dresdner Opfermythos: Jürgen Elsässer - sei es als Redner bei Pegida-Kundgebungen oder als Chefredakteur der Lieblingsillustrierten aller Opferdeutschen: Compact.

Das war nicht immer so. Anfang der 90er war Elsässer zwar auch schon Vordenker einer politischen Bewegung, nur mit Deutschen hatte er es damals noch nicht so, mit „Antideutschen“ schon eher. In seiner Funktion als "Junge Welt"-Redakteur nahm er damals auseinander, was er heute selbst so eifrig befeuert: den Dresdner Opfermythos.

Zu einer Zeit, als nicht nur in der Erinnerungskultur vieler Dresdner die Bombardierung ihres „Elbflorenz“ noch irgendwo zwischen Hiroshima und Auschwitz rangierte, ließ Elsässer kaum etwas von den gängigen Annahmen über die Ereignisse am 13., 14. und 15. Februar 1945 übrig. Anhand historischer Dokumente zeigte er, dass die maßlose Übertreibung der Opferzahlen (25.000 → 300.000) schon seit den 60ern als solche zu erkennen gewesen war. Er widerlegte die Legende von der unschuldigen Stadt, die für Rüstungsproduktion und Kriegstaktik keine Rolle gespielt habe; machte deutlich, dass das gefühlt größte Opfer von Luftangriffen ever im deutschlandweiten Opfer-Ranking gar keine besonders hohe Position einnimmt (vom weltweiten ganz zu schweigen). 

In die "Die Dresden-Lügen" erklärt Jürgen Elsässer außerdem, wie der Dresdner Opfermythos entstand: Nicht in unmittelbarer Folge alliierter Angriffe, sondern erst Jahre später. Initiert als sozialistische Propaganda gegenüber dem kapitalistischen Klassenfeind. Und bis heute am Leben gehalten von reaktionären Deutschtümmlern wie Jürgen Elsässer. 

Mindfuck Deluxe: Als Jürgen Elsässser einen großartigen Text über den Dresdner Opfermythos schrieb
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