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Feminismen

"Shitty Media Men", eine Liste und ihre Folgen

Theresia Enzensberger
Journalistin und Herausgeberin des BLOCK Magazins
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Theresia EnzensbergerMontag, 15.01.2018

"Shitty Media Men", so hieß die Liste, die in den Tagen nach dem Weinstein-Skandal im Internet zirkulierte. Mehrere Frauen aus der Medienwelt hatten darin anonym verschiedene Männer der sexualisierten Gewalt bezichtigt. Schnell wurde Kritik an der Liste laut, und seine (ebenfalls anonyme) Verfasserin löschte das Dokument. Letzte Woche wurde bekannt, dass Katie Roiphe, freie Journalistin, vorhatte, den Namen der Urheberin in einem Text für "Harper's Magazine" zu veröffentlichen – von einem journalistischen Standpunkt aus gesehen einigermaßen unverantwortlich. Daraufhin bekannte sich Moira Donegan in diesem Text selbst dazu, die Urheberin zu sein.

Das alles mag wie ein Nebenschauplatz wirken, aber die Debatte um die Liste ist sehr instruktiv, exemplifiziert sie doch die Ängste vor einer völlig unkontrollierten Selbstjustiz. Donegans Essay beschreibt ihre Intentionen und begründet ihre Idee für die Liste unter anderem damit, dass "Whisper Networks", also informelle Netzwerke, in denen Frauen sich gegenseitig warnen, mitunter ein Privileg der etablierteren Menschen in der Branche sind. Diejenigen, die gerade anfangen, diese Warnungen also vielleicht am nötigsten hätten, sind von diesen Netzwerken ausgeschlossen. Ihre Stellungnahme ist lesenswert, weil ihre Beweggründe sehr viel über die Art und Weise aussagen, wie Frauen versuchen, sich vor sexualisierter Gewalt zu schützen. 

"Shitty Media Men", eine Liste und ihre Folgen

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Kommentare 9
  1. Daniel Schreiber
    Daniel Schreiber · vor mehr als 4 Jahre

    Was mich an der Debatte über diese Liste ärgert, ist, wie selbstverständlich sie heute als ein Hexenjagd-Dokument dargestellt wird. Die Liste war dafür gedacht, damit Frauen sich gegenseitig vor besonders übergriffigen Männern in ihrem Arbeitsumfeld informell warnen können. Nicht als rechtsgültiges Dokument, nicht als Anweisung zum Sturz bestimmter Männer, noch nicht einmal als öffentliche Anklage. Keine der Frauen, die darin zu Wort gekommen sind, hatte auch nur die Vorstellung, dass sämtliche liberalen amerikanischen Medienhäuser die Typen, denen darin Vorwürfe gemacht werden, aus Angst vor ihren Anlegern ohne rechtliche Grundlage feuern. Wenn man dieses Hexenjagd-Argument akzeptiert, hat man in dieser Diskussion schon halb verloren, finde ich ...

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre

      Dieser Einzelfall ist natürlich schon deshalb keine Hexenjagd, weil ja die Veröffentlichung nicht absichtlich geschah. In dem Text wird ja sehr beeindruckend und glaubwürdig klar, wie passiv, defensiv und impulsiv die Dynamik war - nicht aggressiv und geplant wie eine "Jagd". schon deshalb ist es toll, dass die Autorin das so offen beschreibt. Ich finde aber die Ablehnung dieser Liste und der Methode darf harsch sein, ohne das Elend und Unglück, das diese Liste "nötig" gemacht hat, zu relativieren. Wenn diese Methode anonymer öffentlicher Beschuldigung Schule machte, so wäre das Hexenjagd - der Beschuldigte hat verloren, völlig unabhängig von seiner Schuld.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre

    danke...wirklich spannend. Beeindruckend wie offen sie das schildert und es ist ganz leicht zu verstehen, wie ihr das "passiert" ist. Warum allerdings weniger privilegierte Frauen von einer solchen Möglichkeit der Austauschs ausgeschlossen sind, habe ich schlicht nicht verstanden.
    Es ist auch leicht sich an dem Guten zu freuen, dass das Papier mit sich gebracht hat: Warnung für andere, eine Art Erleichterung für die Anklägerinnen. Irgendwie ja aber doch ein Höhepunkt die Stelle, wo sie sich mit dem Vorwurf der Manipulierbarkeit des Dokumentes auseinandersetzt und der dramatischen Gefahr falscher Beschuldigung. Und ihre Einlassung, dass sie eingangs aufgefordert hat, kritisch zu sein, ist aus meiner Sicht natürlich eben so hilflos in diesem Kontext, wie ihr trotziger Hinweis, dass eben "Frauen sehr wohl kritisch denken können und sich ein eigenes Bild machen können (the idea that women are skeptical, that we can think and judge and choose for ourselves what to believe and what not to.)".
    tbc

    1. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor mehr als 4 Jahre

      Du schreibst: "Warum allerdings weniger privilegierte Frauen von einer solchen Möglichkeit der Austauschs ausgeschlossen sind, habe ich schlicht nicht verstanden."
      Ich glaube, die Idee ist, dass man nicht gut genug vernetzt ist, in einer Branche, wenn man gerade erst anfängt?

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre

      @Theresia Enzensberger ja das ist naheliegend, so hab ich es auch in deinem piq verstanden...an einer Stelle war aber die Rede davon, dass "many women don’t have the privileges that mitigate the risks of doing such a thing — privileges like whiteness, health, education, and class" - da bin ich irgendwie ausgestiegen...wie mildern Bildung und Hautfarbe das Risiko sich mitzuteilen? Aber vielleicht war das einfach undeutlich und meinte eigentlich, dass weniger Privilegierte eben eher gar nicht auf solche Strukturen stoßen werden.

    3. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre

      @Marcus von Jordan oder ich begreifs einfach nicht :)

    4. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor mehr als 4 Jahre

      @Marcus von Jordan Wahrscheinlich ist das wirklich ein bisschen schwieriger einwandfrei zu belegen, aber so ist das ja immer mit strukturellen Dingen. Es ist ja immer die Rede von den Karrieren, die durch die Anschuldigungen zerstört werden, aber ich glaube, man macht sich keine Vorstellung davon, was diese "Mitteilung" bis vor kurzem für Konsequenzen für die Opfer haben konnte. Von der Stigmatisierung über den Jobverlust bis hin zur Anklage wegen Falschbeschuldigung. Und da ist es natürlich hilfreich, wenn man Geld hat, um Anwälte zu bezahlen, eine gesicherte Karriere, und wenn man weiß, was seine Rechte sind ... Und die Glaubwürdigkeit einer Person wird ja oft auch an ihrem gesellschaftlichen Status gemessen. So ist das glaube ich gemeint.

    5. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre
  3. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor mehr als 4 Jahre

    ...
    Gerade auch durch das Ende des Textes entsteht der Eindruck der Rechtfertigung des Dokumentes...ein klares Bedauern sieht anders aus oder? Aber gibt es eine Alternative dazu so eine anonyme Schandliste, auch noch als spreadsheet, abzulehnen? Für mich nicht.
    Las eben noch diesen Beitrag von Magaret Atwood (https://www.theglobean...) im Bezug auf eine Affaire um die falsche Beschuldigung eines Mitarbeiters an der UBC. Hier schreibt sie:
    "If the legal system is bypassed because it is seen as ineffectual, what will take its place? Who will be the new power brokers? It won't be the Bad Feminists like me. We are acceptable neither to Right nor to Left. In times of extremes, extremists win. Their ideology becomes a religion, anyone who doesn't puppet their views is seen as an apostate, a heretic or a traitor, and moderates in the middle are annihilated. Fiction writers are particularly suspect because they write about human beings, and people are morally ambiguous. The aim of ideology is to eliminate ambiguity."

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