Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Zukunft und Arbeit

Studie: Fördert oder schränkt virtuelles Arbeiten Kreativität ein?

Ole Wintermann
Zum piqer-Profil
Ole WintermannMontag, 09.05.2022

Der pandemiebedingte Übergang zum Home Office und die derzeitige Debatte über den Umfang der Rückkehr in die Büros offenbaren, dass es zwei Fraktionen gibt. Für die eine Fraktion ist das Büro für den Erhalt sozialer Beziehungen wichtig (überwiegend sogenannte Führungskräfte), für die andere Fraktion geht es beim Home Office um Selbstbestimmung (die sogenannten “Geführten”). Die Debatte wird dabei häufig polarisiert geführt. Eine neue auf Nature.com veröffentlichte Studie (Brucks, M.S., Levav, J. Virtual communication curbs creative idea generation. Nature 605, 108–112 (2022), https://doi.org/10.1038/s41586-022-04643-y) zeigt aber, dass wir die Debatte differenzierter führen müssen.

Im Kern der Verhaltensstudie (kombinierte Labor- und internationale Feld-Studie) ging es um die Frage, wie sich virtuelles Arbeiten auf die Kreativität von Gruppen (genauer: die kollaborative Erarbeitung von Ideen) auswirkt:

“​​Here we examine how this shift away from in-person interaction affects innovation, which relies on collaborative idea generation as the foundation of commercial and scientific progress.”

Das Ergebnis der Studie scheint den Befürwortern der Büroarbeit auf den ersten Blick recht zu geben:

“We show that videoconferencing inhibits the production of creative ideas."

Bei genauerer Betrachtung ist dies jedoch nicht mehr so eindeutig: 

"We find no evidence that videoconferencing groups are less effective when it comes to idea selection.”

Das Ergebnis gilt tatsächlich nur für Gruppen mit zwei Mitgliedern und nur im Schritt der Ideengenerierung für ein vorgegebenes Problem. Alle anderen Gruppenvarianten und Prozessschritte performen und gelingen “vor Ort” nicht besser als in Videocalls:

In größeren Gruppen kommt vor Ort der Konformitätsdruck zum Tragen, der Kreativität vermindert. Bei 2er-Gruppen ist kein Unterschied zu messen:

“We found that in-person and virtual pairs did not significantly differ in the extent to which they exhibited either form of mimicry”

Bei der Auswahl und der Priorisierung der Ideen schneidet die digitale Variante der Zusammenarbeit besser ab.

Die Qualität und die Rolle der sozialen Beziehungen ist kein Erklärungsfaktor für den Unterschied in der Ideengenerierung (digital, analog):

“We found that participants did not report significant differences in feelings of similarity or liking, or in perceptions of how ‘in sync’ they were as a team by modality”

Die Ursache dafür, dass Kreativität in virtuellen Umgebungen absinkt, ist interessanter Weise in der visuellen Einschränkung des Gesichtsfeldes zu sehen. Bei der virtuellen Zusammenarbeit konzentriert sich der eigene Blick auf das Display (ein Grund dafür, dass analytisches Arbeiten nach dem Schritt der Kreativität virtuell wiederum besser gelingt). Zudem ist es technisch meist nicht möglich, dass sich beide Videocall-Personen direkt in die Augen schauen und Rückmeldungen auf diese Weise empfangen können. Bei der Zusammenarbeit (in 2er-Gruppen) vor Ort fördert der visuelle Anreiz (soziale Interaktion über Mimik und v.a. Gestik und interessanter Weise sogar die Gestaltung der Arbeitsumgebung) Assoziationsketten, die sich dann in leicht erhöhter Kreativität niederschlagen.

Die AutorInnen der Studie appellieren an Arbeitgeber, die Arbeitssituation nach Maßgabe der jeweils Beteiligten und der möglichen Arbeitsumgebungen zu gestalten und keine generelle “one-size-fits-all”-Lösung anzustreben. Büroarbeit hat entgegen der Meinung vieler Menschen (v.a. Führungskräften) also gemäß der Studie nichts mit dem Erhalt sozialer Beziehungen zu tun. Maßgeblich für eine Regelung zum hybriden Arbeiten sollten den AutorInnen nach ganz andere Aspekte sein:

“When determining whether or not to use virtual teams, many additional factors necessarily enter the calculus, such as the cost of commute and real estate, the potential to expand the talent pool, the value of serendipitous encounters, and the difficulties in managing time zone and regional cultural differences”
Studie: Fördert oder schränkt virtuelles Arbeiten Kreativität ein?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Zukunft und Arbeit als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.