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Zeit und Geschichte

Daniel Schreiber
Autor und Journalist
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piqer: Daniel Schreiber
Sonntag, 29.10.2017

Wie Geld zu dem Mittel wurde, mit dem man wirklich alles misst

Da ist ein wahnsinnig spannender Text. Der Autor Eli Cook versucht in diesem Essay zu rekonstruieren, wie es dazu kam, dass Geld zu dem Mittel wurde, mit dem man in unserer Kultur alles misst - die Kosten von Krankheiten, das Bruttoinlandsprodukt, den Wert von Unternehmen, Industriezweigen und ganzen Gesellschaften. Auf den grundlegenden Umschwung zu dieser Denkweise stößt Cook in den Vereinigten Staaten in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als finanzielle Statistiken plötzlich als ein Mittel der Kommunikation um sich griffen, wie es zuvor undenkbar war. Die Oberschicht Amerikas setzte sich dabei gegen teilweise massiven ideellen Widerstand durch. Dieser Widerstand kam vor allem aus der Arbeiterklasse, die letztlich aber chancenlos blieb. Der Wandel führte manchmal zu geradezu absurden Blüten: 1910 rechnete die New York Times ihren Lesern etwa vor, dass ein neugeborenes Baby ungefähr 362 US-Dollar pro Pfund Körpergewicht wert sei, da es im Laufe seines Lebens 2900 US-Dollar mehr Wohlstand produzieren würde, als es koste, es großzuziehen. Auch wenn heute kein Journalist mehr so etwas schreiben würde, liegt der massive gesellschaftliche Einfluss einer solchen Sichtweise auf die Welt auf der Hand: Wenn man eine Gesellschaft in rein monetären Begriffen beschreibt, so Cook, würde man natürlich von ihr erwarten, jedes Jahr zu wachsen und regelmäßige Gewinne abzuwerfen wie jede andere Kapitalinvestition auch. Man merkt diesen Einfluss an so schrecklichen Begriffen wie "Humankapital", daran, dass Menschen ihren Selbstwert mehr denn je von ihrem Kontostand ableiten oder dass jemand als präsidententauglich gilt, nur weil er angeblich sehr viel Geld in seinem Leben verdient hat. Definitive Leseempfehlung. 

Wie Geld zu dem Mittel wurde, mit dem man wirklich alles misst
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