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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Mittwoch, 02.08.2017

„… ohne Worte … keine Tränen“ – Der Genozid an den Sinti und Roma

Sie kamen in der Dunkelheit, sie kamen, um zu Morden, um ihren Rassenhass auszuleben. In der Nacht auf den 3. August 1944 trieben SS-Männer die letzten 3.000 Überlebenden des „Zigeunerfamilienlagers“ in Auschwitz-Birkenau zusammen und in die Gaskammern des Konzentrationslagers. 3.000 Kinder, ältere Frauen und Männer – Opfer der NS-Vernichtungspolitik. Sie starben, weil sie Sinti und Roma waren – und weil sie von der SS als arbeitsunfähig eingestuft worden waren.

Das schreckliche Verbrechen jährt sich in diesem Jahr zum 73. Mal. Am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin fand eine Trauerfeier statt, um an die Opfer zu erinnern. Ein wichtiges Zeichen in Zeiten, in denen Sinti und Roma noch immer in manchem osteuropäischen Staat systematisch diskriminiert werden und auch in Deutschland mit Vorurteilen konfrontiert sind, das daran erinnert, wohin Ausgrenzung führen kann.

In der ZEIT hat Michael Zimmermann (bereits 1993) eindringlich das Schicksal der Sinti und Roma im Nationalsozialismus geschildert. Die Deportationen nach Auschwitz waren das Schlusskapitel einer langen Geschichte der Verfolgungen. Schon 1936, im Olympia-Jahr, war „Zigeunern“ nach dem „Blutschutz-“ und dem „Ehegesundheitsgesetz“ untersagt, mit „Deutschblütigen“ eine Ehe zu schließen.

Seit Anfang 1943 liefen Transporte mit den als „Zigeunern“ diffamierten Menschen nach Auschwitz-Birkenau. Der erste Transport aus dem Deutschen Reich traf am 26. Februar ein. Mitte 1944 waren schon 23.000 Opfer in das KZ verschleppt worden. Der letzte Transport erreichte Auschwitz am 21. Juli 1944. „Elf Tage darauf wurde das Zigeunerlager von der SS liquidiert“, schreibt Zimmermann. „Nicht nur aus Deutschland und Österreich hatte man Sinti und Roma nach Auschwitz 'umgesiedelt' – wie der Tarnbegriff der SS lautete –, sondern auch aus der Tschechoslowakei, aus Polen, der Sowjetunion und dem Baltikum, aus Jugoslawien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden.“ Dazu kamen Roma aus Norwegen, Spanien und Ungarn.

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