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Zeit und Geschichte

Achim Engelberg
Dr. phil.
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piqer: Achim Engelberg
Sonntag, 25.06.2017

Ohne Alphabetisierung und Literatur geht nichts — Oder: Grundlagen unserer Gesellschaft (4)

Shakespeare und Goethe — fast jede europäische Nation hat ihren Nationalschriftsteller. Bei der späten Staatsgründung Deutschlands war das Wort von der Weltliteratur schon gefunden.

Vor fünfzig Jahren begann der Boom der lateinamerikanischen Autoren, besonders „Hundert Jahre Einsamkeit" wirkte weltweit. Vor allem stärkte es das Selbstbewusstsein Südamerikas, dessen Literatur keine nationalstaatliche Ausgrenzung kennt.

Zuvor hatte es - im nationalstaatlichen Rahmen - jahrzehntelange Alphabetisierungskampagnen gegeben von Mexiko bis Kuba. Die Literatur bereitete den Weg zur Selbstfindung nicht nur der lateinamerikanischen Nationen, sondern eines ganzen Kontinent.

Lateinamerika: Das war die Dritte Welt. Und nun bewiesen diese neuen Autoren, dass der Kontinent sehr wohl auch zur Ersten Welt zählte, nämlich in der Literatur. Das machte die Bewohner stolz und trug sicher dazu bei, dass sie jetzt die Werke ihrer Schriftsteller mit Feuereifer verschlangen. Die Chilenen konnten immer Gedichte von Pablo Neruda auswendig zitieren, die Mexikaner lasen den Essay „Das Labyrinth der Einsamkeit", in dem Octavio Paz festhielt: „In der offenen Einsamkeit wartet die Transzendenz: Zum ersten Mal in unserer Geschichte sind wir Zeitgenossen aller Menschen." Zigtausende Argentinier beschäftigten sich jetzt mit den labyrinthischen Erzählungen von Jorge Luis Borges, die zuvor nur die Eliten bewundert hatten. Jedes Land bemühte sich, einen Autor zum Kanon der Giganten, zum berühmten Boom hinzuzufügen.

Der Artikel zeigt, welche tragenden Rollen Alphabetisierung und Literatur bei der Gründung moderner Gesellschaften immer noch spielen.

Ohne Alphabetisierung und Literatur geht nichts — Oder: Grundlagen unserer Gesellschaft (4)
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