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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Donnerstag, 16.11.2017

Eine Friedensmission unter schlechten Vorzeichen. Wie Ägypten und Israel sich annäherten

Beide Seiten stellten sich auf das schlimmste ein: Nach der Landung könnten sie in einem Kugelhagel sterben, fürchtete die ägyptische Delegation sich in ihrem Flugzeug. Aus der gelandeten Maschine könnten feindliche Soldaten stürmen und einen Angriff einleiten, unkten einige Israelis. Vor 40 Jahren begann die Annäherung zwischen Ägypten und Israel mit großem Misstrauen. Dennoch reiste Ägyptens Staatschef Anwar al-Sadat 1977 nach Jerusalem. Dennoch empfing ihn die israelische Regierung mit allen Ehren.

Erst vor vier Jahren war der der Jon-Kippur-Krieg zu Ende gegangen, der Sechstagekrieg nur sechs Jahre länger her. Offiziell herrschte zwischen Ägypten und Israel noch Krieg, unversöhnlich wirkten die Positionen noch vor Sadats Besuch im Nahostkonflikt. 

"Jahrzehntelang war Israel unser Erzfeind gewesen, das Krebsgeschwür am Körper der arabischen Welt, und unser Ziel war es bisher, alles in unserer Macht Stehende zu tun, es zu zerstören", schrieb Boutros Boutros-Ghali, damals ägyptischer Minister und späterer UN-Generalsekretär die Sicht der Ägypter und der Araber generell.

Die Annäherung zwischen Ägyptern und Israelis kam unerwartet und überraschend – nicht nur für die Weltgemeinschaft, sondern auch für Besucher und Gastgeber. "Unternehmen Zauberteppich" nannten die Israelis die Friedensmission Sadats – alles wirkte irgendwie wie eine Geschichte aus 1001 Nacht und nicht wie Realpolitik im Jahr 1977.

Die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO reagiert entsetzt: "Der Verräter hat seinen Hals in die Schlinge gesteckt", erklärte ein Sprecher nach Sadats Ankunft in Israel. "Sadat kann dem Henker nicht entkommen." 

Ansonsten erhielt Sadat für seinen Mut, aus dem arabischen Lager auszuschälen, viel Anerkennung. 1978 erhielten Sadat und Israels Premier Begin gemeinsam den Friedensnobelpreis. Im selben Jahr hatten ihre Vertreter in Camp David mehrere Absprachen zur Lage der Palästinenser getroffen: Im März 1979 unterzeichneten beide Staaten schließlich einen Friedensvertrag.

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