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Wissenschaft und Forschung

Frank Wunderlich-Pfeiffer
piqer: Frank Wunderlich-Pfeiffer
Mittwoch, 30.01.2019

Schneller, billiger, besser - als die NASA billiger werden wollte

Anfang der 90er Jahre versuchte sich die NASA an einem neuen Konzept: Faster, Better, Cheaper.  Ein Blick auf die Kosten aktueller Missionen zeigt, dass sich das Prinzip nicht durchgesetzt hat. Selbst eine einfache Landemission wie Mars Insight kostet 800 Millionen US-Dollar. Schon der Konstruktionsfehler im Seismometer verursachte rund 130 Millionen Dollar Zusatzkosten. Und das ist noch nichts im Vergleich zum James-Webb-Telescope, das ursprünglich 500 Millionen kosten sollte, inzwischen aber auf wenigstens 8,8 Milliarden kommt.

Elizabeth Frank versucht sich an einer Rehabilitierung des alten Konzepts, mit guten Argumenten.

Die neuen Missionen in den 90er Jahren waren einfacher aufgebaut. Sie hatten weniger und weniger fortschrittliche Instrumente, aber sie konnten schneller geplant und durchgeführt werden. Das alles senkte die Kosten. Mars Pathfinder, die erste Landung auf dem Mars seit den 1970er Jahren, war Teil des Programms und brachte den ersten Marsrover Sojouner mit. Das alles für $175 Millionen. Lunar Surveyor kostete $60 Millionen und entdeckte Eisvorkommen in Mondkratern.

Die Mission Stardust flog zum Kometen Wild 2, sammelte dort Staubproben und brachte sie zurück zur Erde. Sie besuchte außerdem den Asteroiden Annefrank und den Kometen Tempel 1 - das alles für ein Budget von $200 Millionen. Deep Space 1 untersuchte die Asteroiden Braille und Borelly, testete erstmals Ionentriebwerke in der US-Raumforschung und stellte neue Rekorde für die gesamte Geschwindigkeitsänderung auf - wieder für 200 Millionen US-Dollar.

Trotzdem verabschiedete sich die Nasa von dem Konzept.

Der Grund dafür waren prominente Fehlschläge. 5 von 16 Missionen schlugen fehl, vier davon im Jahr 1999. Darunter war Mars Polar Lander ($200 Millionen), dessen Software das Ausfahren der Landebeine schon als aufsetzen auf der Marsoberfläche interpretierte und so abstürzte, zusammen mit der Mission Deep Space 2, die ebenso auf dem Mars landen sollte ($30 Millionen). Noch Schlagzeilenträchtiger war der Absturz des Mars Climate Orbiter ($100 Millionen), der mit der gleichen Rakete gestartet wurde. Durch eine Verwechslung wurden der Sonde Daten in der amerikanischen Einheit Poundforce gesendet, anstatt der international und auch bei der NASA gebräuchlichen Newton.

Trotz der Fehlschläge und der viel einfacheren Missionen brachte das Faster, Cheaper, Better Programm im Vergleich zu seinen Kosten mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, als die teureren Missionen. Sie hatten weniger und einfachere Instrumente, aber die waren genau auf den Zweck der Mission abgestimmt.

Doch die schlechte Presse zwang die NASA zu Reformen. Tatsächlich wurden die NASA Sonden wieder zuverlässiger und die Schlagzeilen besser.

Zu welchem Preis? Phoenix, die erste Nachfolgemission von Mars Polar Lander, mit der gleichen Hardware, kostete über $400 Millionen. Mars Insight, ein ähnlicher Lander, schon $800 Millionen. Raumfahrt muss nicht teuer sein. Aber dazu müssen Fehlschläge akzeptiert werden.

Schneller, billiger, besser - als die NASA billiger werden wollte
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Kommentare 1
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 24 Tagen

    Interessante Analyse. War mir nicht bewusst.