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Volk und Wirtschaft

Christian Odendahl
Wirtschaftspiqster
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piqer: Christian Odendahl
Dienstag, 10.05.2016

Wenn Menschen nicht mehr umziehen (können)

Mit steigenden Mieten in deutschen Städten kommt ein Problem hinzu, das teilweise drastische Folgen haben kann: es ziehen immer weniger Menschen um. So kommt es, dass ältere Menschen mit alten Mietverträgen in großen Wohnungen allein leben, weil sie sich mit einem neuen Mietvertrag finanziell verschlechtern könnten. Paare in 70 qm Wohnungen, die auf einmal Zuwachs bekommen, können wiederum nicht in diese größeren Wohnungen ziehen.

Es ist eine Art Wohnraumverschwendung, die gelöst werden muss. Nur wie? Das kurze DRadio-Interview mit Claus Michelsen vom DIW, der zum Thema Wohnungsmarkt immer gute Sachen schreibt, diskutiert das Problem recht anschaulich. Doch bei den Lösungen bleibt Michelsen zurückhaltend. Natürlich hat er Recht, dass vor allem mehr gebaut und in Innenstädten nachverdichtet werden muss (Dachgeschosse etc.). Aber wie gibt man Familien und Alleinstehenden die Möglichkeit, ihre jeweilige Wunschwohnungsgröße zu bekommen?

Die Schweden haben hier die Tauschregel: man kann dort seinen Mietvertrag zum Tausch anbieten, gegen einen anderen. Zum Beispiel könnte die alleinstehende ältere Dame mit der gewachsenen Familie tauschen, und beide behalten die niedrigen Mieten. Diese Regel wird fleißig genutzt: bei 1550 Angeboten zur Neuvermietung in Stockholm (heute auf blocket.se) kommen ca. 500 Tauschangebote/gesuche. 

Politisch ist eine solche Regel in Deutschland natürlich sehr schwierig, da Vermietern die lukrative Möglichkeit der Neuvermietung entgeht. Aber nötig ist so etwas, wenn wir Fairness und einen ökonomischen Umgang mit knappem Wohnraum in Deutschland zusammen bringen möchten.

Wenn Menschen nicht mehr umziehen (können)
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Kommentare 5
  1. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

    Wie passend zum IWF Bericht und der besagten Grundsteuer-Erhöhung :)

    1. Christian Odendahl
      Christian Odendahl · vor mehr als einem Jahr

      Die Grundsteuer hat zwei Funktionen: 1. ein Beitrag zur Finanzierung von local public goods, also eine Art Gemeindegebühr. 2. ein Weg um Landbesitz zu besteuern.

      Nur weil Du als Mieter sie abführst, heißt es nicht, dass Du sie zahlst. Bei freien Neumieten (wie vor Mietpreisbremse) zahlt sie der Vermieter, da es ein Nachfragermarkt ist: Angebot ist fix, Zahlungsbereitschaft der Mieter (als Ganzes) bestimmt Preis.

      Grunderwerbssteuer hält "Spekulanten" nicht ab, sondern eher Erstkäufer mit wenig Eigenkapital, d.h. genau die, die jetzt auf dem deutschen Wohnungsmarkt abgehängt werden. Es ist ein spannendes Thema, piqe ich gerne in Zukunft nochmal, dann können wir das vertiefen.

    2. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      @Christian Odendahl DieEerhöhung der Gebühr auf Dauer dürfte aber dem "Erstkäufer" deutlich mehr schadem als dem Vermieter. Die Grundsteuer ist fast überall auf der Nebenkostenabrechnung und würde bei Erhöhung flächendeckend eine Erhöhung der Warmmiete erzeugen.

      Dies würde also den Wohnraum auf der Fäche verteueren zu gunsten des Staates.Ein normales Einfamilienhaus wechselt ja nicht zig mal den Besitzer in der Regel.

    3. Christian Odendahl
      Christian Odendahl · vor mehr als einem Jahr

      @Gurdi (Krauti) Eine 2. Grundsteuer die sehr explizit Landbesitzsteuer heißt und nicht auf Mieter umgelegt werden darf?

      Mit der Grunderwerbssteuer besteuerst Du Transaktionen, nur warum? Sind Transaktionen schädlich? Wenn Du Gewinne aus Grundbesitz besteuern willst (das willst Du, oder?), ohne Mobilität einzuschränken, gibt es andere Wege.

    4. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      @Christian Odendahl Dafür müsste dann wie Sie bereits andeuten dass komplette Modell auf den Kopf gestellt werden.

      Für eine "Landbesitzsteuer" gäbe wahrscheinlich einige Pro und Kontras, wobei hier natürlich dann auch die detaillierte Ausgestaltung weiter gedacht werden müsste. Wichtig wäre hierbei, wie Sie bereits sagen dass diese nicht umgelegt werden dürfte. Aber was macht man dann in einem 2 oder 3 Parteien Haus wo der Besitzer selbst mit drin wohnt? Ich sehe da einige Hürden, auch rechtlich.

      Ich persönlich als Hausbesitzer bin eigentlich mit einem höheren Einmalbetrag eher zufrieden als mit einer hohen und dauerhaften Versteuerung.