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Rico Grimm

Rico Grimm schreibt über wirtschaftliche und politische Zusammenhänge für Medien wie Krautreporter, Capital, Business Punk und Zeit Online. Wenn er dafür den Schreibtisch verlässt, nimmt er immer die Kamera mit. Seine Lieblingsfrage ist: Warum?

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piqer: Rico Grimm
Dienstag, 27.02.2018

Was radikale Privatisierung in Deutschland angerichtet hat

Im Buchregal meines Opas standen viele Kreuzworträtsel-Lexika, viele Guinness-Bücher und Garten-Bücher und etwas über Autos und dazwischen zwei Bücher, die durch ihre schiere Ernsthaftigkeit herausstachen: eines über die Geschichte von Carl Zeiss, dem Betrieb, dem er sein ganzes Leben lang angehörte und eines über die Treuhand-Anstalt, die nach dem Mauerfall Tausende Betriebe der ehemaligen DDR privatisierte oder abwickelte. Lange wusste ich nicht, warum mein Opa ausgerechnet ein Buch über die Treuhand im Regal hatte, als eigentlich einziges, das man von vorne bis hinten durchlesen konnte. Dieser Text hier hat mir, basierend auf einer Studie, bei der Antwort geholfen. Die Treuhand-Privatisierung war die ganz eigene Version der neoliberalen Schocktherapie, die ein Teil Deutschlands hier erlebte.

Man muss sich das einmal vorstellen: Ausschließlich westdeutsche Industriemanager, Unternehmer und Beamte bekommen über Nacht die Verfügungsgewalt über 8.000 ostdeutsche Betriebe mit mehr als vier Millionen Beschäftigten. Sie dürfen entscheiden, welche Firmen geschlossen oder ob Mitarbeitende zu Hunderttausenden entlassen werden. Und die BRD-Regierung unter Kanzler Helmut Kohl nennt das Ganze einen „alternativlosen Einsatz“.

Vier Millionen Beschäftigte! Und die hatten alle nochmal Kinder und Großeltern und Eltern, mit denen sie darüber sprachen, was passierte: Was die Treuhand machte, hat jeder mitbekommen. Mehrere Wissenschaftler haben nun untersucht, was das bedeutete, wie die Menschen im Osten die Privatisierung wahrnahmen:

„Das war die Initialerfahrung von Fremdbestimmung, Kolonialisierung und Unterwerfung“.

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Kommentare 1
  1. Harald Knill
    Harald Knill · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

    Schön, dass nun wissenschaftlich bestätigt wird, was evident und mit Händen zu greifen war und ist. In 10 Jahren wird vielleicht auch wissenschaftlich „bearbeitet“, welche Katastrophe Hartz IV war und in den Folgen sein wird. Wie konnte man sich nur über Griechenlands Schäuble-Schicksal erregen (zurecht) und gleichzeitig das vor der eigenen Türe sich abspielende Massaker übersehen?

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