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Kopf und Körper

Ein Plädoyer für mehr Nervenzusammenbrüche

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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Theresa BäuerleinMontag, 26.04.2021

Ich weiß, die Überschrift zu dieser Empfehlung klingt irre. Was soll gut daran sein, wenn wir mehr Nervenzusammenbrüche haben? Ich kann das erklären. Beziehungsweise: Der Autor dieses Stücks in The Atlantic erklärt es ganz wunderbar. Er beschreibt, dass vor noch gar nicht so langer Zeit ein "Nervenzusammenbruch" ein legitimes Mittel war, um sich für eine Weile aus der Welt des Machens und Schaffens zurückzuziehen. Zu einer Zeit, in der Soziologe noch einen höheren Stellenwert hatte als die Psychologie – also zu Beginn des 20. Jahrhunderts – gab es demnach einen gesellschaftlichen Konsens, dass das moderne Leben den Menschen zu schaffen macht – dass es die Nerven angreift. Was wir heute als "Burn-out" oder "depressive Phase" bezeichnen würden, galt zu dieser Zeit als eine Überanstrengung der Nerven. Ein körperliches Symptom, verursacht durch Umstände. Wer bekannt gab, dass er einen Nervenzusammenbruch hatte, konnte sich ohne Verlust gesellschaftlichen Ansehens in einen monatelangen Rückzug begeben (immer vorausgesetzt, die Person hatte die finanziellen Mittel, das ist ein großer Haken). Immer wieder folgten einer solchen Phase übrigens die größten Erfolge bekannter Persönlichkeiten. 

Der berühmte Soziologe Max Weber hatte einen solchen Nervenzusammenbruch, ebenso der US-Unternehmer John D. Rockefeller. Das Konzept verlor jedoch an Bedeutung, je mehr sich das Feld der Psychiatrie und die Behandlung mit Psychopharmaka entwickelte. Die war für viele Patient:innen natürlich ein Segen. Statt der generischen Bezeichnung "Nervenzusammenbruch" konnten Menschen mit Angststörungen, Depressionen etc. gezielter behandelt werden. Die Schattenseite war jedoch, dass vieles pathologisiert und als individuelles psychologisches Problem behandelt wurde, was nicht unter die Definition einer "normalen" seelischen Verfassung fiel. Der Einfluss der Umstände verlor an Bedeutung, wie der Sozial- und Kulturhistoriker Peter Stearns sagt: 

 Die sehr allgemeinen und schlecht definierten Merkmale des Nervenzusammenbruchs waren seine Vorteile. Man musste nicht zum Psychiater oder Psychologen gehen, um einen Nervenzusammenbruch zu haben. Man brauchte keine bestimmte Ursache. Man durfte aus der Normalität heraustreten. Der Zusammenbruch signalisierte auch einen vorübergehenden Verlust der Funktionsfähigkeit, wie ein Auto, das eine Panne hat. Es kann in der Werkstatt sein, manchmal auch wiederkehrend, aber es signalisierte keinen vererbten oder dauerhaften Zustand, wie es Begriffe wie bipolar oder ADHS heute vielleicht signalisieren.

Das Problem am Siegeszug der Psychologie ist, dass sie das kollektive vernachlässigt. Heute, so der Text

... ist jeder so isoliert, dass man noch weniger als sonst ein Gefühl dafür hat, was die kollektive Stimmung ist. Also brauchen wir vielleicht so etwas wie den Nervenzusammenbruch – etwas, das weniger medizinisch präzise ist, aber die Art und Weise, wie die Menschen den Moment erleben, auf den Punkt bringt.

Ein Plädoyer für mehr Nervenzusammenbrüche

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