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Zeit und Geschichte

Warum der Osten Europas nicht westlich tickt

Ruprecht Polenz
MdB d.D.
Zum piqer-Profil
Ruprecht PolenzSonntag, 14.03.2021

Seit 1000 Jahren ist der Westen das Zentrum Europas und der Osten die Peripherie. Der Westen ist immer der Maßstab. Zwar hat 1990 die versprochene Rückkehr nach Europa stattgefunden, aber die Plätze, die die östlichen Mitgliedsländer dort eingenommen haben, befinden sich am Rand. Brain Drain und Abwanderung sind die Folgen.

Der Autor macht darauf aufmerksam, dass in Osteuropa der Nationalstaat anders gesehen wird als im Westen, und erklärt damit unterschiedliche Sichtweisen auf Identitäten. 

„Nationen sind vorgestellte Gemeinschaften. Aber in Ost und West stellt man sich unter der nationalen Gemeinschaft jeweils etwas anderes vor. Westlich von Deutschland wird die Nation als riesige Nachbarschaft imaginiert, östlich von Deutschland als weitläufige Verwandtschaft ...

Nachbar kann man werden, verwandt dagegen ist man oder ist man eben nicht. Insofern sind westliche Nationen offener für neue Mitglieder als östliche. Aber die Neuzugänge unterliegen im Westen einem viel größeren Assimilationsdruck. Im Osten hat traditionell jede Gruppe ihre eigene Identität und darf sie behalten.“

Ein Blick, der beispielsweise nach Ungarn zeigt: Wenn die als Familie verstandene Nation den Staat kapert, kann man die Verfassung vergessen und der Korruption sind Tür und Tor geöffnet. Das wird in Westeuropa leider oft nicht verstanden.

Warum der Osten Europas nicht westlich tickt

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Kommentare 5
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 8 Monaten

    War der Westen wirklich seit tausend Jahren das Zentrum Europas oder nicht bis ins 16.Jh. eher eine Haufen recht mickriger kleiner Feudalstaaten? Iwan dem Schrecklichen (mit dem die Idee Rußlands als drittes Rom oder zweites Byzanz begann) oder den Khanaten war Westeuropa wahrscheinlich recht egal. Auch das polnisch-litauische Reich war durchaus selbstbewußt.

    Und sind nicht Nationen oder Nationalstaaten sehr viel mehr als vorgestellte Gemeinschaften. Es sind doch soziale-ökonomische Systeme deren Bürger sich in Staaten Regeln verpflichtet haben und sich politisch/wirtschaftlich gegenseitig absichern.

    1. Ruprecht Polenz
      Ruprecht Polenz · vor 8 Monaten

      Ihren Einwand hinsichtlich der Dauer finde ich bedenkenswert. Für die Botschaft des Artikels reichen aber auch die letzten 500 Jahre und spätestens die Zeit der Aufklärung. Um sich Regeln etc in einem bestimmten Rahmen wie dem Nationalstaat zu geben, muss man sich diesen allerdings erst vorstellen. Regeln gab es auch vor „Erfindung“ des Nationalstaats in den Vielvölkerreichen. Harari beschreibt sehr schön, dass die Stärke des Homo sapiens darin besteht, in großer Zahl über große Entfernungen „durch vorgestellte Ordnungen“ zusammenzuarbeiten. Auch das Geld ist so eine vorgestellte Ordnung. Wenn man nicht mehr daran glaubt, für einen bedruckten Zettel eine Hose kaufen zu können, muss man wieder auf Zigaretten zurückgreifen. Alles schon mal dagewesen.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 8 Monaten · bearbeitet vor 8 Monaten

      @Ruprecht Polenz Real funktioniert doch die Geschichte anders. Natürlich stellt man sich zunächst etwas vor oder greift zunächst gedanklich auf Vorhandenes zurück. Aber wenn es installiert ist und halbwegs funktioniert, dann wird es real und u.U. zur "materiellen Gewalt". Und funktioniert doch meist anders als vorgestellt, entwickelt sich auch anders als theoretisch gedacht. Ob Geldsystem oder andere Infrastrukturen. Alle unsere Ordnungen sind keine idealen Realisierungen unserer Vorstellungen oder Planungen, waren es nie. Alles hat ungewollte Neben- und Fernwirkungen, entwickelt Eigendynamiken. Zwischen den vorgestellten Ordnungen und den wirklichen Ordnungen liegt also notwendig ein ziemlicher Graben. Die Vorstellung ist ein notwendige Bedingung aber bei weitem nicht ausreichend. Sie muß sich in der richtigen Welt beweisen. Leider wird das immer wieder übersehen.

      Natürlich muß "man" an den Nutzen und an die Funktion glauben. Und wenn der Graben zu groß wird, die Differenz vielleicht negativ, dann kracht es. Was an der ursprünglichen Idee liegen kann aber auch an der ungewollten, mißratenen Evolution. Trotzdem oder gerade deswegen kann man die alte Struktur nicht einfach durch eine neu "vorgestellte" ersetzen. Das zeigt jede Revolution. Man muß an alte Strukturen anknüpfen und eine weitere Evolution gestalten. Dann sieht man was raus kommt.

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 8 Monaten

    Ein lesenswertes Interview. Wahrscheinlich ist das Buch, welches den Gesprächsanlass bot, auch spannend. Bislang las ich fast alle Bücher von Norbert Mappes-Niediek und arbeitete bei zwei von mir herausgegebenen Sammelbänden mit ihm zusammen, stets war die Qualität weit über dem Durchschnitt.

  3. Jürgen Klute
    Jürgen Klute · vor 8 Monaten

    Den Artikel wollte ich auch gerade empfehlen. Aber da bist du mir zuvor gekommen. Macht aber nichts. Wichtig nur, dass er verbreitet wird und Leser*innen findet. :-)

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