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Flucht und Einwanderung

Masterplan Vertreibung – ein Geheimtreffen

Lutz Müller
Diplomökonom

Geboren 1956. Längste Schulzeit in Döbeln/Sachsen. Statistikstudium in Odessa. Tätigkeiten für verschiedene statistische Institutionen im In- und Ausland, Schwerpunkt Wirtschaftsstatistik und Beratung im Transformationsprozess. Un-Ruhestand in Berlin.
Kontakt: odessa.ua@sonnenkinder.org

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Lutz MüllerDonnerstag, 11.01.2024

Anfang September letzten Jahres wurde über die "Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz" - ein Geheimtreffen von AfD- und CDU-Mitgliedern in Wetzlar - berichtet. Berührungspunkte sollten ausgelotet werden, die die deklarierte Brandmauer zwischen beiden Parteien durchlässiger werden lassen oder durchbrechen könnten.

Jetzt legt der Rechercheverbund CORRECTIV ein neues konspiratives Treffen offen, das einen „Geheimplan gegen Deutschland“ schmiedet:

Von diesem Treffen sollte niemand erfahren: Hochrangige AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer kamen im November in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland.
In den hell erleuchteten Speisesaal ... treten nach und nach gut zwei Dutzend Menschen. Manche sind Mitglied bei der AfD, ein führender Kopf der Identitären Bewegung ist dabei. Manche sind Burschenschafter, dazu Bürgertum und Mittelstand, Juristen, Politikerinnen, Unternehmer, Ärzte. Auch zwei CDU-Mitglieder sind dabei, Mitglieder der Werteunion.

Die Recherche in drei Akten ist als Hauptbeitrag unten verlinkt. 
Eine eingesprochene Version (30 min) kann im oberen Teil der Internetseite nach der Einleitung aufgerufen werden.

Die Blaupause ultrarechter Kräfte, Millionen Menschen nach Afrika zu vertreiben,

... ist ein Angriff auf die Existenz von Menschen. Und es ist nicht weniger als ein Angriff gegen die Verfassung der Bundesrepublik.

Nach Veröffentlichung der Recherche fordern Bundestagsabgeordnete rechtliche und politische Konsequenzen.

In einem weiteren Beitrag stellt CORRECTIV auf seiner Website das Making-Of zur Geheimplan-Recherche vor.

Der WDR sprach mit CORRECTIV-Chefradakteur Justus von Daniels (Text und Audio 7 min).

Die rbb-Abendschau zeigt den Ort des Geschehens, zu Wort kommt Annette Dowideit, stellvertretende Chefredakteurin von CORRECTIV (3 min, verfügbar bis 17.01.2024).

Die AfD-Spitze will mit all dem nichts zu tun haben, es bleibt abzuwarten, wie es nun weitergeht. In jedem Fall ist es für die AfD 

mit Bezug auf die Debatte um ein mögliches Verbotsverfahren juristisch heikel. Zugleich ist es ein Vorgeschmack auf das, was passieren könnte, sollte die AfD in Deutschland an die Macht kommen.
Masterplan Vertreibung – ein Geheimtreffen

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Kommentare 13
  1. Lutz Müller
    Lutz Müller · vor 2 Monaten

    Nach den Enthüllungen ist Correctiv in den sozialen Medien einem breit angelegten Angriff von rechts ausgesetzt:
    Es hätte nur Meinungen und Vermutungen verbreitet,
    „Correctiv muss Falschaussagen unterlassen“.
    In zwei Gerichtsurteilen wurden jetzt die Klagen gegen Correctiv in den wesentlichen Punkten abgewiesen.
    Nur in einem Punkt, einen Nebensatz in der Darstellung der Recherche betreffend, bekam der Kläger Recht.

    David Schraven, Geschäftsführer von Correctiv, spricht im Interview mit der FAS über die Rechtsstreits, ihre mediale Instrumentalisierung und über eigene Fehlerkultur. Die Angriffe von rechts nennt er „Litigation PR“ (dahinter verbirgt sich strategische Kommunikation während rechtlicher Auseinandersetzungen, auch Rechtsstreit-PR genannt).
    Auszug aus dem Interview: https://www.bundle.app...

    Das vollständige Interview steht hinter der Bezahlschranke auf https://www.faz.net/ak...

    Schravens Fazit:
    „Wir wurden in einen Konflikt gezwungen, den wir nicht wollten, einen Konflikt, in dem es nicht mehr um die Integrität der Fakten geht, sondern um irgendwelche Belanglosigkeiten, die auf breiter Ebene dazu dienen sollten, den Diskurs zu setzen. Wenn ich mir angucke, wie die Rechtsanwälte der Kanzlei Höcker über Instagram oder Twitter arbeiten, da wird viel Aufwand betrieben. Wir wollen diesen Konflikt nicht. Wir wollen, dass die Leute sich die wesentlichen Sachen angucken: Millionen Menschen sollen vertrieben werden, wenn es nach diesem Masterplan geht. Uns ist sehr wichtig, dass wir diesen Nebenpfad verlassen. Wir müssen zu der wesentlichen Diskussion zurückkehren. Deshalb ist dieses Urteil so hilfreich, weil es klarstellt, dass der Versuch gescheitert ist, auf diese Nebengleise abzugleiten.“
    (auch zitiert von https://www.perlentauc... )

    Eine andere Ankündigung, das geplante Fernsehduell zwischen Mario Voigt und Björn Höcke, Spitzenkandidaten von CDU und AfD zur Thüringer Landtagswahl, schlägt hohe Wellen. Ausgerechnet am 11. April, dem Tag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora, soll es auf Welt-TV stattfinden.
    Das Internationale Auschwitz Komitee sowie SPD und Linke äußern scharfe Kritik.
    Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag weist die Kritik zurück, spricht von „kleinkarierter parteitaktischer Kritik von Rot-Rot-Grün“.
    Aus Redaktionskreisen von Welt-TV verlautete, das Datum 11. April sei nicht bewusst gewählt worden. https://www.tagesschau...

    Hingegen sagt der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Andreas Bühl, der Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald bei Weimar sei „genau der richtige Tag für dieses Duell“. https://www.tagesspieg...

  2. Lutz Müller
    Lutz Müller · vor 3 Monaten

    Die Aufzeichnung der szenischen Lesung zur Correctiv-Recherche im Berliner Ensemble vom 17.01.2024 liefert weitere erschreckende Details.
    https://www.ardmediath... (verfügbar bis 18.01.2025)

  3. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 3 Monaten

    Hier ein bedenkenswerter Hinweis aus der WELT:
    "Vor allem auf linker Seite erfolgt jetzt stets der Hinweis, Sellners Positionen seien doch längst Mainstream, sie unterschieden sich kaum noch von denen eines Olaf Scholz. Gerne wird dazu dann das „Spiegel“-Cover geteilt, mit dem Kanzler-Zitat „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben!“.

    Wer so argumentiert, geht aber in eine der Fallen der Neuen Rechten, nur nicht ganz so offensichtlich, wie man es denken könnte. Vielleicht ist das Problem nicht, dass wir das Wort „Remigration“ in die Tastatur hämmern müssen, um über Sellners Vortrags-Wochenende am Lehnitzsee zu berichten.

    Vielleicht ist das Problem, dass in der Debatte der Unterschied zwischen dringend notwendiger Realpolitik, wie sie die Regierung andenkt, aber weder gut kommuniziert noch konsequent genug umsetzt, und Sellners menschenfeindlichem Bullshit, der niemals Realpolitik werden darf, verwässert.

    Der größte Vorteil der Neuen Rechten ist, dass sie, und das mehr oder weniger geschlossen, aus einer Position des Underdogs agiert. Sie kann sich einer Rhetorik des Kampfes gegen den „Mainstream“ bedienen und treibt so die öffentliche Debatte vor sich her. Man kann ihr nicht – nur – begegnen, indem man enthüllt, warnt, skandalisiert. Womit in keiner Weise die Bedeutung der in ihrer Wichtigkeit gar nicht zu schätzenden Leistung der „Correctiv-Recherche“ gemeint ist, sondern ihr diskursives Nachspiel.

    Das neurechte Lager eint sich gerade strategisch. Sein großes Ziel ist es, die politische Macht zu ergreifen, und dieses Ziel ist nicht unerreichbar. Sie freuen sich, wenn auch „wir“ endlich in ihrem heiß geliebten Freund-Feind-Schema angekommen sind. Wir dürfen ihr Spiel nicht spielen.

    Das bedeutet: „Wir“ können dem Spiel der Neuen Rechten nichts entgegensetzen, wenn wir nur reagieren – das ist die erste Lektion in jedem Ein-mal-Eins der Macht. „Wir“ können uns nur wehren, indem wir selbst Diskurse prägen, selbst Entscheidungen treffen. Und indem wir uns darüber bewusst werden, was uns von ihnen unterscheidet: unsere Vielfältigkeit."

    https://www.welt.de/ku...

  4. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Hier noch ein Artikel aus dem Jahr 2019 (!)
    https://www.freitag.de...?

    Er endet bestürzend:
    "Björn Höcke hat im letzten Jahr ein Buch veröffentlicht, in dem er sein politisches Projekt in ganzer Klarheit offengelegt hat. Es bedarf da keiner Vermutungen, sondern man kann es nachlesen, was dieser Mann für Deutschland plant. Höcke schreibt in diesem Buch, dass ein Alleinherrscher, der sich seines „verkümmerten männlichen Selbstbewusstseins“ entledigt habe (und der natürlich er selber sein soll), nötig sei, um die Demokratie, die er „im letzten Degenerationsstadium“ sieht, zu überwinden. Dieser Führer solle das Projekt einer „Rückeroberung“ des Landes von „fremde(n) Völkerschaften“ forcieren und ein „groß angelegtes Re-Migrationsprojekt“ durchführen. Dieses werde auch Menschen mit deutschem Pass nicht verschonen; unter deutscher Führung solle „der Islam“, also die Deutschen und Europäer muslimischen Glaubens, „bis zum Bosporus“ „zurückgedrängt“ werden. Ein solches Projekt gehe nicht ohne eine Politik der „wohltermperierten Grausamkeit“, denn der „Verwesung nahes Leben“ könne „nur durch das gewaltsamste Verfahren reorganisiert werden“. Wenn einmal „die Wendezeit gekommen“ sei, „dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.“ Politische Gegner dieses Projektes sollen dabei ausgeschaltet oder in einem „Aderlass“ zur Emigration gezwungen werden; es bedürfe hierfür männlicher Härte und Unerbittlichkeit, denn man werde „leider ein paar Volksteile verlieren (…), die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen (…)“.

    Dieses Programm ist, wenn man es logisch zu Ende denkt und dann beim Namen nennt, nicht weniger als die unmissverständliche Ankündigung eines Massenmords und offenen Terrors. Und dieser Massenmord wird von Höcke schon – analog zu den rechtsextremistischen Terrortaten der letzten Jahre, die vom Bevölkerungsaustausch schwadronieren, um dann wahllos Menschen anderer Hautfarbe oder politischer Überzeugung zu erschießen – vorauseilend und für die „Nürnberger Prozesse“ der Zukunft vor sich selber und der Welt als eine Art „Notwehr“ gerechtfertigt: „Existenzbedrohende Krisen“, so Höcke, würden eben „außergewöhnliches Handeln (erfordern). Die Verantwortung dafür“ trügen dann aber eben „diejenigen, die die Notwendigkeit dieser Maßnahmen mit ihrer unsäglichen Politik herbeigeführt“ hätten.

    Das steht in Höckes Buch schwarz auf weiß. Das muss man wissen, damit man hinterher nicht wieder sagen kann, man habe das ja gar nicht voraussehen können. Männer wie Höcke, die ganz offen bekennen, dass sie demokratische Wahlen nutzen, um die bürgerliche Demokratie dann durch einen autoritären und terroristischen Führerstaat zu ersetzen, der es ihnen dann ermöglicht ihren völkischen Homogenitätswahn zu realisieren, dürfen niemals wieder auch nur in die Nähe von politischer Macht gelangen. In der deutschen Geschichte haben wir schon einmal erlebt, was Rechtsextreme mit dieser Macht anstellen. Und wir haben schon einmal erlebt, wie Konservative sich zu Steigbügelhaltern der extremen Rechten machten, damals, als 1933 die konservativen Kräfte Adolf Hitler die Macht übertrugen.

    Karl Marx hat einmal gesagt, dass sich Geschichte wiederhole: auf die Tragödie folge die Farce. Diese Wortwahl trifft aber diesen Vorgang nicht. Hier geht es um ein erneutes Menschheitsverbrechen – mit Ankündigung. Make no mistake about that."

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      Ja, der Mann gehört von der Wählbarkeit ausgeschlossen. Aber warum die Schuld auf die Konservativen geschoben wird, das verstehe ich nicht. Wir haben eine linke Regierung. In Thüringen ist die Linke auch an der Macht. Tut doch etwas. Und treibt nicht mit der Diffamierung der rechten Mitte, der Konservativen, als Nazis diesem Höcke noch die Wähler zu. Oder glaubst Du, dass man Menschen, die man als Nazis beschimpft, weil sie z.B. eine andere Meinung zur Migration haben, für eine Bündnis gegen die wahren Faschisten bewegen kann? So wird man wieder nicht bündnisfähig - wie schon in der Weimarer Republik. Und macht eine bessere Politik ….

    2. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      Ergänzend Dominik Rigoll:
      Im Rückblick auf die Geschichte der Reintegration der NS-Eliten in der Alt-Bundesrepublik erörtert er den schmalen Grat zwischen „Umarmung und Abwehr“ aus sicherheitspolitischen Interessen (wodurch am Ende eine neue rechte Sammlungsbewegung verhindert werden konnte), und was wir daraus lernen sollten: https://www.blaetter.d...

      Zur Frage eines Parteiverbots äußern sich Politikwissenschaftler, u. a. Albrecht von Lucke, in der rbb-Abendschau: https://www.rbb-online...

      Alternativ könnten Verfahren zur Grundrechtsverwirkung gemäß Artikel 18 Grundgesetz gegen einzelne Rechtsextreme eingeleitet werden. Über die Chancen dafür und eine Petition, die bereits mehrere hunderttausend Bürger’innen unterzeichneten, schreiben https://taz.de/Stoppt-...

      https://www.tagesspieg...

      sowie https://www.aktion-fre...

  5. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Gut, dass Du es postet - sonst hätte ich einen piq erstellt.

    Es zeigt die kräftige Rechtstendenz, auf die ich schon in einigen piqs aufmerksam machte.

    Vergleichbare Treffen gab es auch bei den Nazis. Vor wie nach der Machtübergabe.
    Aufschlussreich dieser Beitrag und dort vor allem die Zusammenfassung: http://www.verbrechen-...
    Damals ging es wie heute, um die Zerstörung der Demokratie und der Linken. Und ein offen rassistisches Programm.

    Ein Widerspruch gestern:
    "Tooze: Zwar widersprach die »autokratische nationalsozialistische Wende« deutlich der »internationalen Agenda« – den Exportinteressen –, die die deutsche Privatwirtschaft pflegte, doch der »autoritäre Stil«, den Hitlers Koalition in der Innenpolitik pflegte, »gefiel ihr dafür ausnehmend gut, nicht weniger gut als die gesunden Profite, die seit Mitte der dreißiger Jahre auf sie zurollten«"

    Die Hoffnung: die großen Player in der Industrie sind (noch?) nicht dabei.

    1. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      Danke. Eine sehr ausführliche Darstellung der historischen Forschung in Ost und West zum Schulterschluss der Industrie mit Hitler findet sich auf https://de.wikipedia.o... Kann nicht beurteilen, welche neuen Erkenntnisse Ulrich Sanders Artikel liefert. Die Analyse der Rolle der einzelnen Großkonzerne allein ist jedenfalls schon sehr aufschlussreich.

      Und Parallelen zu heute?
      Bei Machtantritt Hitlers war wahrscheinlich weitgehend unklar, was eine Regierung unter seiner Kanzlerschaft wirtschaftspolitisch in der Praxis zu „leisten“ in der Lage sein wird. Heute dürfte es für Unternehmer, die die AfD hofieren, ähnlich sein. Die in diesem Kommentar https://www.piqd.de/fl... verlinkte DIW-Studie zum „AfD-Paradox“ zeigt die Nähe der wirtschafts-, sozial- und finanzpolitischen Positionen dieser Partei zu Union und FDP. Könnte sich - ausgehend von der großen Nähe von Union und FDP zur Real- und Finanzwirtschaft - bei bestimmten Wahlergebnissen nicht ein erheblicher Koalitionsdruck mit der AfD ergeben?

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten

      Ich möchte darauf hinweisen, das etwa zwei Drittel der DAX-Aktien in der Hand angelsächsischer, also US-amerikanischer und britischer Investoren liegen. Es bringt also nicht viel hier die alten Diskussionen als Analogie zu führen. Ansonsten wird die AfD immer als Standortproblem für die Industrie genannt. Was denn nun?

    3. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 3 Monaten

      @Thomas Wahl Das Standortproblem bezieht sich nicht autark auf das Kapital, sondern auf einen Verlust an Attraktivität für ausländische Fachkräfte (was sich gewiss auch auf Unternehmen gewinnschmälernd auswirkt).

      Aus der Geschichte:
      „Henry Ford, der legendäre Autobauer, der GM [General Motors] Manager James D. Mooney und der IBM Boss Tom Watson wurden von Hitler für ihre Verdienste um das Dritte Reich mit dem Großkreuz des deutschen Adlerordens ausgezeichnet, dem höchsten Parteiorden für Ausländer. Zu diesem Zeitpunkt, 1937 und 1938, lief Hitlers Rüstungsmaschine bereits auf vollen Touren. Die deutschen Töchter dieser amerikanischen Konzerne, Opel, die Ford Werke AG und Dehomag, hatten sich bereitwillig in die Kriegsvorbereitungen des ‚Führers‘ integrieren lassen. Ohne die von Opel und Ford produzierten Lastwagen und Kettenfahrzeuge hätte Hitler weder die Tschechoslowakei besetzen noch Polen und Frankreich überrennen können. Opel beteiligte sich außerdem an der Fertigung der Ju-88, Hitlers wichtigstem Bomber. Standard Oil of New Jersey lieferte bis in die ersten Kriegsjahre hinein Rohöl, Spezialmotoröl für Panzer und Bleizusätze für das Benzin der Luftwaffe. Die Hollerith-Maschinen der IBM, Vorläufer des heutigen Computers, sollten Hitler helfen, Krieg und Vernichtung zu organisieren.“
      https://www2.landesarc...

      Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags (2007) liefert weitere Fakten aus den Quellen, wobei noch nicht die komplette Geschichte der US-Konzerne im Dritten Reich offengelegt wurde. Das Fazit der Autoren ist differenziert.
      https://www.bundestag....

      Man darf nicht darauf hoffen, ausländisches Kapital würde sich generell gegen eine Regierung unter AfD-Beteiligung wenden – „nützliche“ Ausländer sind b.a.W. erwünscht. Zum Überleben gilt: The game must go on.

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      @Lutz Müller Ich finde das andauernde ängstliche Durchspielen des Szenarios von 1933 eher kontraproduktiv. Man sollte es kennen - ja. Deutschland aber ist heute ein anderes System mit anderen demokratischen Strukturen und eingebunden in Bündnisse. Es fehlen auch die paramilitärischen Verbände der Parteien, die damals existierten. Und wenn man schon auf diese Zeit blickt, dann nicht mit solch simplen These vom Faschismus als „terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ etc., die da etwas durchschimmert. Und wenn man schon vergleicht, dann sollte man auch auf die Fehler in der Bündnispolitik schauen. Der Vorwurf des Sozialfaschismus etwa an die SPD damals erinnert mich fatal an die heutige Beschuldigung vieler Konservativer als Nazis …..

      Natürlich würden sich ausländische (und andere) Unternehmen nicht generell gegen eine demokratisch an die Macht gekommene Regierung mit AfD-Beteiligung stellen. Aber eine breite Unterstützung der AfD ist nicht zu erwarten. Auch wenn einzelne Unternehmer dort aktiv sind. Unternehmer sind ja höchstens in der Abstraktion reine Funktionäre des Kapitals. Eigentlich sind es Menschen mit Leidenschaften und Interessen. Bürger, Familienväter/-mütter, politisch Interessierte usw.

    5. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      @Thomas Wahl Woher wissen wir, was zu erwarten ist? Was wir wissen, ist, dass es jetzt keine "Schmach" eines Weltkriegs und keine Weltwirtschaftskrise gibt, die neuen Nazis leichter zur Macht verhelfen könnten.

      Dennoch: Die Demokratie ist bedroht, nicht nur in Folge von Krisen. Die Funktion der Schlägertrupps haben Hassprediger im Internet übernommen. Ihr Aktivismus kann nicht so einfach unterdrückt werden, wie es beim zeitweiligen Verbot des Völkischen Beobachters geschah.

      Die Rolle von Unternehmern, die nur eine Episode in der Correctiv-Recherche ausfüllen, wird ausführlicher beleuchtet in:
      https://www.piqd.de/vo...
      Im Kommentar hat Achim Engelberg einen Podcast mit Claus Leggewie verlinkt, der das ganze Ausmaß zeigt, worum es hier geht.

    6. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

      @Lutz Müller Also wenn, dann muß man die Unternehmer auffordern. Oder die Manager. Das sind die demokratischen Subjekte. Nicht "die Unternehmen". Und wo die Millionen Unternehmer stehen, das wird dort nicht beleuchtet. Die sozialen Medien mit den organisierten Schlägertrupps der Parteien zu vergleichen, na ja. Das geht mir zu weit. Ja, es sind auf allen Seiten auch Hassprediger unterwegs. Die Demokratie ist in Gefahr - weil sie so nicht funktioniert. Die Linke liegt bei Umfragen bei drei Prozent, die SPD bei 12 %, die Grünen bei 14 %. Da wäre Selbstkritik und Lernen notwendig. Nicht das wiederholen der immer gleichen Parolen. Und man kann keine dauerhaften Brandmauern gegen 20 oder zunehmend mehr Prozent der Wähler errichten. Das gefährdet in der Tat die Funktion der Demokratie noch mehr. In Sachsen würden die Bürger zu 34 % AfD wählen. Wo wollen wir denn hin mit denen? Ausweisen? Einsperren? Oder es doch mit reden versuchen? Wir werden nicht darum kommen sie demokratisch an der Macht zu beteiligen, auch um diese Kräfte zu entzaubern. Dann erst wissen wir was zu erwarten ist.

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