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Klima und Wandel

Warum die Aufregung um Bill Gates und die Atomkraft nicht lohnt

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerMittwoch, 17.02.2021

Bill Gates hat ein Buch geschrieben und deshalb sind jetzt alle ganz aufgeregt: Die Lösung des Klimaproblems liegt nämlich in der "Kernkraft". Das steht so zwar nicht im Buch, aber Journalisten müssen zuspitzen, weshalb es die "Umstrittene Technologie" auch in die Titelzeile schafft: "Bill Gates setzt im Kampf gegen Klimawandel auf Atomkraft".

Vom "Autopapst" Ferdinand Dudenhöffer über Sandra Maischberger bis zum Spiegel: Scheinbar intelligente Menschen spenden Beifall. "Atomkraft? Ja bitte!", titelte das ehemalige Nachrichtenmagazin vor ein paar Monaten, später deckten Kollegen auf, dass von Bill Gates Stiftung Geld zum vom Auflagenschwund gebeutelten Spiegel geflossen war.

Jetzt also: "Atomkraft? Schon wieder!" Claudia Kemfert und Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW schreiben im Handelsblatt:

Bill Gates ist es gewohnt, recht zu haben. Doch diesmal irrt er sich gleich fünffach: Es ist keine geniale Idee, Atomenergie aus der Mottenkiste zu holen. Sie ist für den Kampf gegen den Klimawandel ungeeignet.

Irrtum Nr. 1: Atomenergie ist zwar CO2-ärmer als fossile Energien, aber keineswegs CO2-frei. Irrtum Nr. 2: Die vermeintliche Stärke der Atomkraftwerke liegt in ihrer "Grundlast"-Produktion. Das klinge nach nützlicher Ergänzung im Energiemix, weil erneuerbare Energien in der Stromproduktion schwanken. Doch Atomkraft ist selbst eine Energiequelle mit großen Ausschlägen, nicht nur durch Unfälle, sondern auch wegen vielfältiger Ausfallzeiten im "Normalbetrieb". Irrtum Nr. 4: Auch die von Gates  propagierten Reaktorkonzepte sind nicht frei von Gefahren. Sie verwenden die Technologie des Schnellen Brüters, die von fast allen Ländern, die damit experimentierten, inzwischen aufgegeben wurde. Der Laufwellenreaktor benötigt Werkstoffe und Kühlmittel, die bis heute nicht kommerziell verfügbar sind.

Der Klima-Lügendetektor stellt die Frage, was wohl wäre, wenn es solche Irrtümer nicht gebe - und Bill Gates, der Visionär, der er zweifelsfrei einmal war, jetzt wieder von einer Vision getrieben wird? Seit 70 Jahren wird eine Lösung für eine fachgerechte Entsorgung des Strahlenmülls gesucht, weltweit gibt es noch nicht einmal eine Idee:

In Deutschland versucht eine Fachkonferenz gerade die Kriterien für ein Endlager zu ermitteln, 1 Million Jahre muss dieses den tödlichen Strahlenabfall sicher verwahren. Um ein Gefühl für diesen Zeitraum zu bekommen: Das älteste Grab, in dem ein Mensch auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik begraben wurde, stammt aus dem Jahr 18.600 vor Christus.

Allein in Deutschland liegen bereits mehr als Zehntausend Tonnen Atommüll in unsicheren Zwischenlager-Hallen und Kavernen. Verpackt ist dieser Müll in Castoren, von denen niemand sagen kann, ob sie in den nächsten 20 Jahren nicht durchgerostet sind. Wer hierzulande eine Frittenbude betreiben möchte, muss zuerst einen Nachweis erbringen, wie er das abgebrannte Frittenfett zu entsorgen gedenkt. Die Atomkraft ist dagegen gestartet, ohne ihre Landebahn zu kennen: Das Problem des Atommülls ist genau so groß, wie das des Klimawandels.

Wer also das Problem der Klimaerhitzung mit Atomstrom lösen will, der treibt den Teufel mit dem Belzebub aus.

Warum die Aufregung um Bill Gates und die Atomkraft nicht lohnt

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Kommentare 1
  1. Nutzer gelöscht
    Nutzer gelöscht · vor 9 Monaten

    Die Atomenergie zu nutzen ist weiterhin sinnvoll, die Methodik/Technik muss grundlegend überdacht werden. Die Menschheit kann es sich nicht leisten, die derzeitigen Atomkraft-Endprodukte unbenutzt zu verbuddeln. Ich sehe keinen grundsätzlichen Unterschied zu unseren Müllnutzungsverfahren.
    Es muß nur gesichert sein , dass der Wirtschaft gehörig auf die Finger geschaut wird, viel besser, als bisher.
    So, wie wir derzeit viele Materialien und Energie für die E-Mobilitität unter und über der Erdoberfläche verbuddeln und verbauen, statt Wasserstoffenergie, u. a. mehr als abfüllbare zu nutzen, so kommen wir nicht auf Dauer voran.
    Nach mir die Sintflut; ich bin bald 80 und werde die Probleme genau so wenig erleben, wie ich als Kriegsteilnehmer die Not der Bevölkerung im täglichen Überlebenskampf nicht erleben konnte, weil mein Verstand noch nicht reichte.

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