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Technologie und Gesellschaft

Michael Seemann
Kulturwissenschaftler, Autor, Internettheoretiker
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piqer: Michael Seemann
Dienstag, 16.04.2019

Der Streaming-Krieg – Wie das Plattformgeschäftsmodell die Kultur verändert

Mich interessieren Plattformen und ihre Geschäftsmodelle gar nicht sehr als Marktbeobachter und Konsument, sondern weil ich glaube, dass dem Aufstieg der Plattform als Geschäfts-, Sozial- und Governance-Modell eine besondere Bedeutung in der digitalen Gesellschaft zukommt. Deswegen versuche ich die Mechaniken zu verstehen, die hinter diesem rasanten Aufstieg stecken.

Eine dieser Mechaniken kommt aktuell schön beim Kampf der Streaming-Anbieter zum Vorschein, nämlich die Mechanik des Lockins. Wir kennen das, wenn wir zum Beispiel ein iPhone und einen Mac besitzen, schließt uns das gewissermaßen im Apple-Ökosystem ein. Oder wenn wir nicht von Whatsapp wegkommen, weil alle unsere Freunde da sind.

Der Lockin ist ein wesentlicher Bestandteil jedes Plattform-Geschäftsmodells. Er ist der Hebelpunkt, der es Anbietern erlaubt, den Kunden Zumutungen (Werbung, Bezahlung) abzuverlangen.

Bei Streaming-Anbietern funktioniert der Lockin über die Inhalte. Und das merkt man gerade bei Disney, die mit ihrem neuen Dienst "Disney+" Netflix und Amazon Konkurrenz machen wollen und deswegen massenhaft ihre Lizenzen aus dem restlichen Markt zurückziehen. Siehe Artikel.

Nun ist Lockin nicht Lockin und meine Verstrickung mit meinen Freunden oder meinem (teuren) Geräte-Fuhrpark ist wahrscheinlich ein effektiverer Hebel als irgendwelche Filme.

Aber gerade Disney hat eben nicht irgendwelche Filme. Wenn ich wissen will, wie es meinen Lieblingshelden im Marvel-Universum geht oder die Star-Wars-Saga weitergeht, muss ich Disney+ Kunde werden. Im Grunde wird Disney zum Facebook der Superhelden.

Netflix hat das mit Serien vorgemacht. Einen normalen Kinofilm kann man schnell durch einen anderen substituieren, aber wenn ich erst eine Beziehung zu den Charakteren meiner Lieblingsserie aufgebaut habe, bindet mich das.

Der Lockin ist zum treibenden Paradigma der Kulturproduktion geworden. Wir freuen uns ob der neuen komplexen Handlungsstränge, doch es sind gleichzeitig die Fesseln, mit denen man uns festzurrt.

Der Streaming-Krieg – Wie das Plattformgeschäftsmodell die Kultur verändert
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Kommentare 2
  1. David Simeth
    David Simeth · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Spannend... vor Jahren habe ich in diesem Zusammenhang mal gelesen, wie Disney durch möglichst viele "Zugangspunkte" die maximale Präsenz in allen Altersgruppen zu erreichen versucht, ich glaube es ging um die unterschiedlichen Zielgruppen für die verschiedenen Marvel-Helden; also strategische Zutritte für jeden schaffen, und wer im Universum verfangen ist, verbleibt dort mit großer Wahrscheinlichkeit. Insofern ist dies der logische nächste Schritt, der Lockin wird vollständiger...

  2. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Spannend, aber ich finde der Vergleich hinkt ein bisschen. Wer nicht mehrere Serien gleichzeitig guckt, sondern vielleicht nur zwei, drei echte Leidenschaftsserien hat, der/die kann immer für eine Staffel sein Abo für einen Monat erneuern und dann wieder kündigen. Als ich z.B. nach über einem Jahr Pause mal wieder auf Prime vorbeischaute, war ich überrascht wie wenig für mich zwingender Content da aufgelaufen ist. Das hätte ich locker in einem Monat zu Ende gucken können und dann hätte es für mich keinen Anreiz mehr gegeben Kunde zu bleiben. Ich bin mir sicher, dass wir bei den anstehenden "Streaming-Wars" eine deutlich stärkere Kundenfluktuation erleben werden, gerade weil der Lockin-Effekt so gering ist und Kunden die Konkurrenzsituation den Rabatt-Wettkampf für sich nutzen werden. Viele werden dann überall ein Konto haben, aber immer nur dort aktiv sein, wo es gerade besonders günstig ist.

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