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Fundstücke

Bibliotheken als konkrete Utopien und "Dritte Orte"?

Michael Hirsch
Philosoph und Politikwissenschaftler, freier Autor und Dozent
Zum piqer-Profil
Michael HirschDienstag, 08.02.2022

Eine der wenigen gesellschaftlichen Orte, wo es in der Gegenwart über abstrakte Forderungen hinaus sichtbare Fortschritte nicht nur im Diskurs, sondern auch in der realen Praxis gibt, sind öffentliche Bibliotheken. Hier verdichtet sich eine fortschrittliche urbanistische Bewegung, die auf die Schaffung von frei zugänglichen öffentlichen Orten abzielt, und verbindet sich mit der Idee der Nachhaltigkeit: dem Wandel von einem Paradigma des Neubaus von Gebäuden hin zu einem Paradigma des Umbaus und der Umnutzung bestehender Gebäudekomplexe.

Es gibt seit einiger Zeit einen Paradigmenwechsel im architektonisch-ästhetischen und politischen Begriff von der Aufgabe öffentlicher Bibliotheken. Dieser bewegt sich weg von einer einseitigen Dienstleistungs- und Bildungsfunktion der Versorgung mit Büchern, hin zu einer mehrfachen bildungs-, kultur- und sozialpolitischen Nutzung. Bibliotheken haben sich im avancierten Architektur- und Städtebaudiskurs der letzten Jahre zum Paradebeispiel einer konkreten Utopie entwickelt: einem öffentlichen Raum, der für die verschiedensten Nutzungen durch ganz unterschiedliche Bürger*innen offen ist.

War diese Debatte und diese städtische Baupraxis bis vor kurzem noch auf Beispiele in den Niederlanden und in skandinavischen Ländern beschränkt, so entstehen nun in Deutschland, vor allem in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls erste gelungene Beispiele konkreter Stadt-Utopien, solcher Umgestaltungen von Bibliotheken von monofunktionalen Zweckgebäuden zu wirklich offenen städtischen Orten. Ein Beispiel ist die Stadtteilbibliothek in Köln-Kalk:

Das Haus in Kalk nimmt laut Hannelore Vogt, Direktorin der Kölner Stadtbibliotheken, bei der Entwicklung hin zu einem "dritten Ort" eine Vorreiterrolle in Nordrhein-Westfalen ein. Der Begriff "dritter Ort", 1989 vom US-Soziologen Ray Oldenburg geprägt, beschreibt öffentliche, im Idealfall egalitäre Plätze - Parks, Theater, Museen -, in denen man seine Freizeit verbringt. Und zwar in Abgrenzung zum "ersten Ort", dem eigenen zu Hause, und dem "zweiten Ort", der Schule oder dem Arbeitsplatz. In der Weiterentwicklung zeigt die Bibliothek in Kalk, wie sich dieser Begriff angesichts digitaler Mobilität und immer weniger starker Bindung an den Ort weiterdenken lässt.

Man kann die Bedeutung solcher neuen Orte gar nicht überschätzen. Verdichten sich in ihnen doch fast alle avancierten Ideen und Bestrebungen der jüngeren Gegenwart: ökologische und urbanistische Ideen der Umnutzung, sozialpolitische Ideen der Durchmischung und Integration von Bevölkerungsgruppen und des freien Zugangs zu öffentlichen Infrastrukturen, und kulturpolitische Ideen eines erweiterten Begriffs von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Vielleicht wird von diesen Orten einmal eine neue demokratische Bewegung der Wiedererfindung und Wiedergeburt der Stadt als einem demokratischen Ort ausgehen. - Einem Ort, der nicht auf maximale kapitalistische Vewertbarkeit, abstrakte bürokratische Funktionalität der Verkehrsströme und die räumliche Segregation verschiedener sozialer Klassen und kultureller Lebensstile ausgerichtet ist. Sondern auf die Lebendigkeit des Gemeinwesens und des Luxus für alle - auf die Utopie eines freien öffentlichen Raums und auf die Utopie der "verdichteten Unterschiedlichkeit", der Koexistenz verschiedenster Menschen am selben Ort.

Bibliotheken als konkrete Utopien und "Dritte Orte"?

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Kommentare 1
  1. Anja C. Wagner
    Anja C. Wagner · vor 10 Monaten

    Richtig guter Ort in Köln. Ich hatte vor einigen Jahren Bettina Scheuer, die (damals?) stellvertretende Bibliotheksleiterin der Stadtbibliothek Köln, interviewt zu ihrem Makerspace: https://youtu.be/ZqAwZ...

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