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Wie die CIA iranische Spione abservierte

Lars Hauch
Researcher. Schwerpunkte: Mittlerer Osten, insbesondere Syrien.
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Lars HauchSonntag, 16.10.2022

Das Investigativ-Team von Reuters sprach mit sechs Iranern, die in der Vergangenheit als Spione für die CIA tätig waren. Die Recherche zeigt eindrucksvoll, wie die CIA die Männer letztlich im Stich ließ. Sowohl während ihrer Spionagetätigkeiten als auch nachdem sie aufflogen und verhaftet wurden. Wenn ihr euch eine halbe Stunde Zeit nehmen wollt, lest auf jeden Fall den kompletten Artikel. Für Interessierte mit weniger Zeit gibt es hier die spannende Geschichte der zentralen Figur, Gholamreza Hosseini, in Kurzfassung.

Hosseini will gerade an einem Geldautomaten am Flughafen in Teheran Geld ziehen, um sein Taxi zu bezahlen, als seine Karte abgelehnt wird. Kurz darauf taucht ein Sicherheitsbeamter auf und bringt ihn in ein Verhörzimmer. Es ist 2010 und Hosseini befindet sich auf dem Weg zu einem Treffen mit seinen Kontaktleuten der CIA. In der Hosentasche hat er eine Speicherkarte voll mit Informationen. In einem unbemerkten Moment verschluckt er sie rasch. Doch die Agenten, die ihn verhören, wissen anscheinend schon alles, was sie wissen müssen.

Zur gleichen Zeit fliegen in Iran weitere Spione auf. Dass die CIA damals weite Teile ihres Netzwerks verliert, war — zumindest teilweise — selbst verschuldet. Für Hosseini und andere ist das ein Schock. Denn Hosseini fühlt sich eigentlich gut aufgehoben und hofft sogar darauf, für seine Dienste irgendwann einmal in den USA leben zu können.

Hosseinis Kontakt mit der CIA beginnt im Jahr 2007, als es mit seinem Business bergab geht. 2001 gründet er seine Firma, die Unternehmen dabei berät, ihr Energiemanagement zu optimieren. Sein Geschäftspartner hat enge Beziehungen zur Regierung. Dadurch öffnen sich für die Firma zahlreiche Türen. Hosseini verdient einen Haufen Geld und scheint zufrieden. Doch die Dinge ändern sich vier Jahre später, als Mahmoud Ahmadinejad zum Präsidenten Irans gewählt wird. Unter Ahmadinejad nehmen die Spannungen mit den USA zu. Um seine Klientel zu bedienen und Sanktionen besser umgehen zu können, wirkt der Präsident darauf hin, dass die Revolutionsgarden und andere Sicherheitskräfte ihren Einfluss in der Industrie ausbauen. Hosseinis Firma guckt dabei in die Röhre. Die Arbeit geht weiter, aber sein Mitspracherecht und die Gewinne schwinden. Eines Tages platzt ihm der Kragen:

It was as if you were the head of the company, doing everything from 0 to 100, and seeing your salary given to the most junior employees. I felt raped.

Wütend schreibt er der CIA eine E-Mail. Er sei Ingenieur, habe in der Atomanlage Natanz gearbeitet und habe Informationen.

Einen Monat später wird seine E-Mail beantwortet. In einer Mall in Dubai trifft er seine Kontaktfrau, Chris. Die steht wie vereinbart mit einem schwarzen Buch in der Hand am Treffpunkt, mit dabei ein Übersetzer. Hosseini erzählt ihr, dass er Einblicke in die Energienetze hat und sich daraus ablesen lässt, ob die Iraner versuchen, Uran weiter anzureichern. Die CIA ist interessiert. Zwei Jahre später wird eine Cyberattacke eben jene Atomanlage schwer beschädigen.

In der Folgezeit taucht Hosseini immer tiefer in die Spionage ein. Seine Firma schließt einen Vertrag für ein Unternehmen unter Kontrolle des Revolutionsführers höchstpersönlich ab. Dadurch bekommt er detailliertere Einblicke in die kritische Infrastruktur des Landes und kann Informationen über Schwachstellen und mögliche Angriffspunkte an die Amerikaner durchgeben. Das tut er bei gelegentlichen persönlichen Treffen im Ausland, aber auch digital. Ein CIA-Agent gibt ihm den Namen einer Website: Iraniangoals.com. Eine schlecht designte Website über Fußball. Der Trick: Wenn man in die Suchleiste ein bestimmtes Passwort eingibt, öffnet sich ein Pop-up, über das Hosseini Nachrichten an die CIA schicken kann. Sneaky.

Die Umsetzung der Website ist allerdings amateurhaft. Im Quellcode tauchen direkt die Worte „password“, „message“ und „compose“ auf. Experten, denen Reuters eine Archivversion vorgelegt hat, konnten mehr als 350 weitere solcher Seiten ausfindig machen. Mal geht es um Fußball, mal um Star Wars, mal um Fitness. Die CIA hatte die Websites am Fließband produziert und auch hosten lassen. Deshalb waren die Signaturen ähnlich. Wenn nun eine dieser Websites aufflog, mussten die Iraner bloß tracken, wer sich auf einer der anderen Seiten einloggte.

Offensichtlich hatte die CIA sich keine große Mühe gegeben. Laut einem ehemaligen Agenten wurden derartige Kommunikationswege mit Spionen genutzt, die nicht als wichtig genug erachtet wurden, um aufwendige und individualisierte Alternativen zu rechtfertigen.

Die verschluckte Speicherkarte half Hosseini nicht weiter. 2010 wird er verhaftet und für zehn Jahre im Evin-Gefängnis eingesperrt. Das berüchtigte Gefängnis in Teheran, in dem gerade ein Brand ausgebrochen ist. Hosseini wird nach zehn Jahren Haft und Folter entlassen. Er ist schwer gezeichnet.

Top-Spione belohnt die CIA angeblich mit Orden, Millionen von Dollar und sogar Visa. Hosseini gehört nicht dazu. Ihm wurde für Notfälle ein Code gegeben, den er bei einer Telefonnummer durchgeben kann. Den Code hat er während der zehn Jahre Haft vergessen. Und ein US-Konsulat zu betreten, traut er sich nicht. Ein ehemaliger CIA-Agent sagt, manchmal sei der beste Weg, ehemalige Spione am Leben zu halten, jegliche Kommunikation mit ihnen zu unterbinden. Hosseini sieht das anders.

 I can’t imagine any future,

sagt er gegenüber Reuters. 

Wie die CIA iranische Spione abservierte

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Kommentare 1
  1. Andreas Landgraf
    Andreas Landgraf · vor 4 Monaten

    Spannend.

    Danke, dass Du hier die spannende Geschichte der zentralen Figur hier in deutsch vorgestellt hast.

    Handelte es sich bei allen Protagonisten um Spione, welche sich der CIA selbst angeboten haben?

    Und sind alle (bis auf einen) aufgrund dieser "Schlamperei" bei der Websiteerstellung aufgeflogen?

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