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Technologie und Gesellschaft

piqer: Felix Schwenzel
Freitag, 16.08.2019

Fortschritt tut weh, Gestern aber auch

Ich bekomme immer Kopfschmerzen, wenn ich pseudointellektuelle, fortschrittspessimistische, Enthaltsamkeit predigende, geschichtsvergessene, pauschalisierende und Pathos tropfende Gesinnungsaufsätze lese, wie jüngst diese Forderung nach einem „Leben nach dem Internet“ von Anna Miller:

Das digitale Leben macht uns krank und wir wissen das. Wir müssen es beenden!

Über dem Artikel steht „Digital Detox“, dabei fordert der Anreißertext Digital Suicide

Natürlich haben wir beim Kulturwandel immer Adaptionsschmerzen, teils massive, individuell und gesellschaftlich. Wandel gehört zum Leben, so wie lass-das-besser-sein-Texte, wie der von Anna Miller, zur Menschheitsgeschichte gehören. Diese Texte tropfen bei jedem Kulturwandel aus ich-fands-vorher-besser-Menschen, bei der Einführung des Buchdrucks, bei der Popularisierung von Romanen, bei der Einführung der Eisenbahnen, dem Film, dem Tonfilm, beim Aufkommen von Telespielen, Heimcomputern, Videorecordern oder der Vernetzung. Jeder Wandel wird immer wieder von Oberchecker-Chören begleitet, die ihn für Krankheit, Vereinsamung, Verdummung oder Verrohung verantwortlich machen.

Statt zu fordern das „digitale Leben“, die Pubertät oder irgendeinen anderen Wandel zu beenden, weil er Friktion, Schmerzen, Streit oder Stress verursacht, bin ich eher ein Freund des Verarbeitens. Wandel muss aber nicht nur mühsam verarbeitet werden (gesellschaftlich wie individuell), sondern auch ständig evaluiert und im besten Falle auch mitgestaltet werden. Beim Evaluieren, beim Bewerten des Wandels, konzentrieren wir uns gerne auf die Nachteile, die weniger vorteilhaften Entwicklungen, die der Wandel natürlich auch mit sich bringt. Wir neigen dazu die Vergangenheit zu idealisieren, irgendwie das alte Neue dem neuen Neuen überlegen anzusehen.

Wie tiefgreifend Fortschritt und Wandel unser Leben innerhalb von wenigen hundert Jahren zum Positiven verändern kann, vergessen wir vor lauter Alltags- und Weltschmerz immer wieder. Bei der Erinnerung half mir dieses Video von Jon Townsend, der zeigt, wie irre umständlich Kochen in der vermeintlich „guten alten Zeit“ war. Wie umständlich, anstrengend, gesundheitsgefährdend kochen noch vor einer Weile war, wie luxuriös selbst die einfachste Küche heutzutage im Vergleich zu einer Schloss-Küche vor ein paar hundert Jahren ist, daran denken wir gar nicht, wenn wir unsere Wasserhähne aufdrehen (statt Wasser zu schleppen) oder Hitze per Knopfdruck erzeugen (statt zu kokeln). Umso wichtiger und hilfreicher, wenn solche Videos wie die auf Townsends Youtube-Kanal uns das unterhaltsam vorführen.

Wir sollten weder den Fortschritt idealisieren noch die Vergangenheit. Beide verdienen unseren kritischen Blick, aber eben auch unseren wohlwollenden Blick.

Diesen wohlwollenden Blick auf die Gegenwart zu lernen, sich zu erinnern welche revolutionären Veränderungen Technologie und Fortschritt im Haushalt und Alltag — und folglich auch gesellschaftlich verursachen — dabei hilft dieses Video über das Kochen vor 300 Jahren, aber auch, zum Beispiel, Hans Roselings großartige Würdigung der Waschmaschine. Für die Digitalisierung, Vernetzung und all die anderen Fortschrittsdilemmata, mit denen wir uns derzeit beschäftigen, müssen wir die wirklich positiven, fortschrittlichen Aspekte selbst aus dem Rauschen der Fortschrittsskeptiker, Heulsusen und dem euphorischen Geschrei der Marketing und PR-Menschen ausfiltern.

Fortschritt tut weh, Gestern aber auch
9,3
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Kommentare 14
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 2 Monaten ·

    Hab mich natürlich auch herrlich geärgert über den Artikel. Er ist wirklich erstaunlich mies. Vielleicht habe ich mich aber anders geärgert als du, weil diese Art des weinerlichen, kleingeistigen, trotzigen Gezeters, eine an sich so wichtige Kritik diskreditiert. Und die digitalen "Köpfe" in meiner Bubble zwar gerne wie auf Knopfdruck lospoltern, wenn jemand sich antidigital äußert, aber ihrerseits auch eher wenig Bereitschaft zeigen, sich an einer konstruktiv kritischen Debatte des digitalen Fortschritts zu beteiligen. Lieber feiern sie den Fortschritt anhand von Waschmaschine und fließend Wasser :).
    Also wer macht das, was du im letzten Satz forderst?

    Ich glaube auch, dass der digitale Fortschritt in einer ganz undigitalen, eher historischen und quasi zufälligen Kritik steht und vielleicht stehen muss. Vereinfacht gesagt werfen die ökologische Krise, Ungerechtigkeit, Demokratieverlust und die 8 aufeinanderfolgenden Meisterschaften des FC Bayern die permanente Frage auf, welchen Fortschritt wir wollen - quantitativ oder qualitativ? Bei aller Liebe zu Netz und Netzkultur und "code-based innovation" habe ich leider dennoch keine Zweifel, dass sie bis dato eher Brandbeschleuniger des Konsumismus und des Demokratieverlustes gewesen sind, als sonst was.

    1. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 2 Monaten · Bearbeitet vor 2 Monaten

      wer das macht? naja, ich gebe mir mühe daran zu arbeiten, sascha lobo, finde ich, gibt sich genau da auch sehr grosse mühe nicht nur das internet zu erklären, sondern die folgen der vernetzten digitalisierung abzuwägen und in (historische) kontexte zu stellen, im positiven wie im negativen.

      mir fallen wirklich viele leute ein, die versuchen praktische erfahrungen, euphorie, frustrationen, enttäuschungen, erfolge oder hoffnungen zu einer haltung (zum digitalen, aber auch fortschritt) zu formen und daraus zumindest ansätze eines aktivismus, einen gestaltungswillen ableiten. es gibt sogar gesellschafts-konferenzen, die genau diese stossrichtung haben.

      dass die debatte sich aber oft auf einzelaspekte des status quo beschränkt und es selten um die entscheidende frage geht — „welchen Fortschritt wir wollen“ — ist in der tat ärgerlich und auch solchen nebeltexten wie dem von anna miller zuzuschreiben.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Felix Schwenzel ja - ich bin ja auch Fanboy deiner Bemühungen und derer von Lobo und der republica und einer ganzen Menge anderer.
      Vielleicht ist es mir alles nicht praktisch-politisch genug und sowieso seh ich mich dabei im Spiegel. Ich meine, klar macht sich eine intellektuelle Elite Gedanken über den digitalen Impact, aber wenn jemand feststellt, dass es in der Breite viel digital Toxisches gibt, dann ist das "technikfeindlich" oder "reaktionär" oder "alt" oder sonst wie pauschal verdächtig.

      Reicht mir irgendwie nicht, zumal die praktischen, digitalen Mehrwert-Ansätze zu wenig sind und zu wenig gefordert und gefördert werden. Das Netz ist so geil und so schnell und so verdammt entertaining und ich befürchte, dass auch die intellektuelle Betrachtung meistenteils letztlich konsumistisch ist und eben ausblendet, was nicht angenehm ist.

      Anna Millers Text gefällt mir nicht, aber nicht weil es alles Quatsch wäre, was sie da beschreibt. Am Anfang sagt sie "das digitale Leben macht uns krank" und ich würde sagen "tatsächlich haben wir unsere meisten Krankheiten digital verschlimmert". Bisher.
      Die breite Bilanz ist eher scheisse. Und vielleicht ist dann mal gut mit dem wohlwollenden Blick auf die Gegenwart und ein Rant wie der von Anna Miller durchaus auch ein brauchbarer Debattenbeitrag, den man anders kontern muss, als nur mit Dagegenhalten.

    3. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Marcus von Jordan meinen konter sehe ich auch nicht als dagegenhalten, sondern als aufforderung (auch an mich selbst) genau diese „Mehrwert-Ansätze“ besser rauszuarbeiten. ich glaube wir haben da ein ausgeprägte mangelwahrnehmung von dem mehrwerten, die uns allgemein der fortschritt und speziell die digitalisierung und vernetzung bescheren — so wie wir den mehrwert unserer modernen küchen, unseres fliessenden wassers, kühlsystemen und modernen nahrungsmittellieferketten gar nicht mehr sehen.

      mich erinnerte das küchenvideo mal wieder daran, dass wir in wahrlich paradiesischen zuständen leben, uns aber fühlen als lebten wir in einer gefährlichen, lebensfeindlichen, belagerten burg.

      nie war kochen einfacher, trotzdem kochen wir immer weniger. nie waren lebenmittel weniger toxisch, trotzdem sinkt unsere sorge, uns zu vergiften, nicht. nie waren inklusions- und gleichberechtigungsbemühungen besser ausgeprägt als heute, trotzdem fühlen sich alle mies behandelt.

      vielleicht ist das auch ein tieferes, psychologisches problem, das man intellektuell gar nicht ohne weiteres knacken kann, ganz sicher aber nicht mit detox oder enthaltsamkeit.

    4. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Felix Schwenzel ...ganz sicher nicht mit "digitalem Suizid". Phasenweise Detox und Enthaltsamkeit sind bei mir aber mittlerweile zwingende Therapie-Bausteine.

    5. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Marcus von Jordan ich verstehe was du meinst, halte die bezeichnung „Detox“ aber für zu pauschal bis irreführend.

      wie will man sich denn heutzutage dem netz enthalten, wo sind die grenzen in einer zeit in der beinahe wirklich alles über IP-netzwerke läuft? legt man seinen festnetzanschluss (voip) auch lahm? geht man nur noch auf den markt mit bargeld einkaufen, ohne EC/CC-karte und kassenterminal? kein arztbesuch während der detox-phase, weil dann patientendaten durchs netz rauschen, kein (auto) radio, kein fernsehen, weil das ja auch alles über das netz gepumpt wird? im winter ohne zentral- oder etagen-heizung, weil die auch digital gesteuert werden?

      oder heisst detox, dass man keine webseiten mehr im browser aufruft, keine kommentare, benachrichtigungen und tweets mehr liest, sein handy ausschaltet — ausser vielleicht für nützliche apps wie fahrplanauskünfte, mietwagenreservierungen und navigation? schreibt man während einer detox-phase tatsächlich nur noch auf papier oder heisst „detox“ *eigentlich* den nicht-stören-modus auf dem handy und dem rechner zu aktivieren, die aber weiterhin 24/7 laufen? oder heisst digital detox zuhause das wlan ausschalten und dann nur noch heimlich, unter der bettdecke mit LTE die bundesliga-ergebnisse checken?

      ich glaube ja, was viele heute „digital-detox“ nennen, hat man früher „konzentrationstraining“, „ausspannen“, „entschleunigung“, „zurückhaltung“, „reizreduzierung“, „standort-“ oder „perspektivwechsel“ oder gar „urlaub“ genannt und ich verstehe nicht, warum man das nicht auch weiterhin so nennen sollte.

      „digital detox“ impliziert für mich immer, dass die digitalisierung, das netz, diese rechendinger insgesamt toxisch sind, so wie manche „elektrostrahlung“ für giftig halten oder meinen, man müsste seinen darm gelegentlich ausspülen und reinigen. dabei steckt „digital“ mittlerweile wirklich fast überall drin. sogar in tomaten, die man ohne digitale logistik, gewächshaussteuerung und preiskalkulation mit nur noch auf kleinen wochenmärkten oder dem eigenen garten fände.

    6. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Felix Schwenzel ja gute Betrachtung...

      "Detox" würde für mich ja heißen, dass man erstmal versteht was "tox" ist an der Sache. Und der Umgang damit ist schon etwas spezifischer als "Urlaub" würde ich sagen. "Reizreduzierung" kommt schon nah dran.

      Wir reden da über die Dinge, die uns mindestens im Übermaß schaden bei der Nutzung des Digitalen. Also eben nicht Mietwagenbuchung und Gewächshaussteuerung, sondern ausufernde social media Kommunikation (mit einhergehender Verarmung der real-sozialen Verhältnisse), Reizüberflutung (Oberflächlichkeit, Unkonzentriertheit, Unreflektiertheit), Aufmerksamkeitsökonomie (Polarisierung) und die freiwillige "Teilnahme" an Überwachung und Monopolbildung (amazon bis facebook) - mal so aus der Hüfte geschossen. Das hat ja durchaus zu tun mit Millers Text. Mindestens zielt sie ja genau auf diese massenhafte Degeneration durch permanente, gesellschaftliche Fehlhaltung.

      Wenn also jemand über "detox" redet, dann redet er eben darüber, was oder ab welchem Grad etwas toxisch ist und das ist erstmal gut so. Es müsste dann vielleicht nicht "digital detox" heißen, sondern lieber "the detox of digital". Wenn ich physisch Detox mache, höre ich ja auch nicht auf zu essen.

      Ich breche aber noch mal eine Lanze für den Entzug - wenn jemand merkt, dass eine digitale Dynamik ihm nicht gut tut, dann kann er ja nicht dazu verpflichtet sein, sie zu verbessern oder auf Teufel komm raus zu lernen, wie damit umzugehen ist - es ist viel mehr völlig legitim, etwas einfach abzuschalten.
      Manchmal habe ich den Eindruck, dass so eine Vorgehensweise, wenn sie publik wird, bei manchen eine Art trotzige, impulsive Aggression hervorruft ("wie? hat die jetzt echt behauptet, dass mein Spielplatz vergiftet ist!?"), anstatt Verständnis und Bemühen um Verbesserung.

    7. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 2 Monaten ·

      @Marcus von Jordan ich glaube wir sind uns einig, dass der begriff detox nicht immer 100% passt. ich finde ihn tatsächlich etwas (passiv?) aggressiv. man sagt ja auch nicht, dass man eines freundeskreis-detox macht, wenn man mal zu sehr von seinem freundeskreis genervt ist und sich ein bisschen zurückziehen möchte. politiker, denen ihr job zu stressig ist, machen auch keinen detox, auch wenn politik durchaus mit toxischen methoden arbeitet, die ziehen sich auch einfach zurück. man macht keinen medien-detox, wenn einen die alarmistischen meldungen der hektischen presse an die substanz gehen. von lese-detox habe ich auch noch nie was gehört, leute die übermässig in phantasiewelten von büchern abgleiten attestiert man auch keine „Verarmung der real-sozialen Verhältnisse“ sondern nennt solche leute liebevoll „bücherwürmer“. beim bewerten von digitalen phänomenen schwingt auch immer eine leichte gesellschaftliche feindseligkeit mit, die bei etablierteren gesellschaftlichen plattformen, durch gewöhnung und ausbildung von gewissen umgangsformen, stark nachzulassen scheint, je etablierter platt-, kommunikations- oder medienformen sind, desto okayer erscheinen sie.

      ich verstehe, wie gesagt, diesen impuls nach rückzug und leugne natürlich nicht, dass es im digitalen unzählige problematische entwicklungen gibt. ich halte es nur nicht für passend hier von detox zu reden und bin immer wieder überrascht von der intellektuellen minderleistung vieler meinungsmenschen, die nicht zu erkennen scheinen, dass sich polarisierung, hass oder demokratieerosion unabhängig von der plattform verbreiten können. anders gesagt, (massen) kommunikation war schon in der vor-digitalen era hochkomplex und problematisch. als toxisch scheint aber immer nur die wirkung der jeweils neuesten plattform pauschalisiert zu werden.

    8. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor etwa 2 Monaten ·

      @Felix Schwenzel ...jetzt waren wir fast raus aus der Sache, aber wenn du mir so kommst ;)
      Klar passt der Begriff nicht immer, aber er passt. Ich finde ihn grundsätzlich total angemessen und es ist auch kein Zufall, dass er in diesem Zusammenhang benutzt wird und nicht, wenn jemand mal seine Ruhe vor seinen Freunden braucht. Er entstammt ja dem Kontext Ernährung, ist also verbunden mit der Idee von dem, was man sich so "reintut". Was davon ist zu viel? Was davon ist giftig? Und das lass ich dann mal weg oder reduziere es. 1A Metapher für das worüber wir hier reden!
      Der Bücherwurm-Vergleich ist mir auch zu "behauptet". Erstens wurde ich als Kind sehr wohl aus meinen Büchern und auf den Fussballplatz gejagt, was absolut angemessen war und ich halte meine Mutter deshalb nicht für gestrig. Aber auch relativ oder quantitativ ist der Vergleich nichts: ein paar wenige Menschen, die extrem viel lesen und dabei zeitweise ihre sozialen Kontakte oder ihre Körperertüchtigung vernachlässigen gegen alle, die ihre gesamte Wachphase alle paar Minuten mehrere Apps und Angebote checken. Bezweifelst du die völlig neue Dimension? Das fände ich ja schon fast wieder technikfeindlich.

      Ich finde es fraglich, ob es Sinn machen kann, in dem Wunsch nach Verteidigung der Großartigkeit der neuen, digitalen Welt (es ist auch meine!), mit solchen Vergangenheitsbezügen zu argumentieren. Klar war Massenkommunikation schon immer komplex, Propaganda ist nicht neu und die Menschen waren überhaupt auch schon vor dem Netz furchtbar unzulänglich. Das Toxische ist ja nicht das digitale Phänomen, sondern seine Reaktion mit dem Menschen. Dabei entstehen Probleme, die eben nicht in ihrem Charakter aber in ihrer Skalierung neu sind.

      Um das nur mal zu erwähnen, falls es jemand aus dem Fokus verloren hat: die "problematischen Entwicklungen" sind hoch dramatisch. Überwachung, demokratische Erosion, Nationalismus, Rassismus, ökologischer Raubbau, Menschenrechtsverluste - alles im Springflut-Modus! Eat this Hans Roseling! Wir können doch nicht zu tun, als ob es super läuft, weil Waschmaschine...

      Und auch individuell betrachtet ist das eine kaputte Debatte. Was macht das Handy mit unserem Hirn, was macht social media mit unserer Wahrnehmung, wie zerlegt sich Öffentlichkeit im Netz? Was funktioniert für uns als glückliche Menschen, was funktioniert für die Demokratie, was funktioniert für Bildung? Und was eben nicht und was muss eben deshalb geändert werden? Da bringt mich solch ein überdrehter Rant, wie der hier von Miller, nicht recht weiter, aber eben auch nicht das Verharren in dieser Position des "wir machen es, weil es geht" oder des "es ist neu, also finden wir es gut".

      Gerade wenn ich kein Interesse daran habe, dass die "neue Plattform" pauschal diskreditiert wird, würde ich ihr gerne kritisch gegenüber stehen. Wer braucht schon einen Freund, der immer nur nickt.

    9. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor etwa einem Monat ·

      @Marcus von Jordan für widerspruch ist es längst zu spät (und auch unnötig), aber hier noch eine schöne ergänzung:
      https://www.piqd.de/te...
      https://www.sueddeutsc...

    10. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor etwa einem Monat ·

      @Felix Schwenzel Danke...ich kommentier dort weiter...meet you over there :)

    11. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor etwa einem Monat ·

      @Felix Schwenzel also tatsächlich fand ich die Ergänzung eher unschön und hab drunter geschrieben warum...

  2. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · Erstellt vor etwa 2 Monaten ·

    die nette würdigung der waschmaschine stammt von hans rosling (typo). und eure auseinandersetzung, felix und marcus, hat viel spaß beim lesen gemacht. kam rüber wie ein gutes interview. so kann no-bullshit journalismus auch gehen!

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor etwa 2 Monaten ·

      danke...macht auch Spass beim Schreiben. :)

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