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Technologie und Gesellschaft

Wer oder was sind wir noch ohne Vernetzung?

Jannis Brühl
Redakteur
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Jannis BrühlDienstag, 31.08.2021

Achtung, jetzt wird es intellektuell: Andreas Reckwitz, einer der aktuellsten Soziologen Deutschlands ("Die Gesellschaft der Singularitäten") bespricht für die SZ das Buch eines seiner Kollegen, Urs Stäheli von der Uni Hamburg. Ich habe Stähelis Buch "Soziologie der Entnetzung" nicht gelesen, aber Reckwitz bespricht nicht einfach das Buch, sondern ordnet es in die weitere Debatte ein (wie es sich für eine gute Rezension ja auch gehört). Das Denken, das Stäheli sich vorknöpft, wird nämlich in den kommenden Jahren sehr relevant werden: Die Frage, inwieweit man sich der (digital) totalvernetzten Gesellschaft entziehen kann oder muss, und inwieweit das überhaupt wünschenswert ist. 

Der Mythos, dass uns Vernetzung an sich – ob als klassisches Networking nach der Arbeit oder via Instagram – das Glück bringt, hat sich erledigt. Facebook wird als "evil empire" wahrgenommen, und alle klagen über die viele Zeit, die sie am Smartphone verbringen. Nur: Was folgt daraus? Müssen wir einfach in den Flugmodus schalten, um das wahre Leben wiederzufinden? Stäheli ist da – laut Reckwitz – skeptisch: 

Die Kritik, der Steigerungsimperativ der Vernetzung führe in den Burn-out, zum "Information overload", zu ineffizientem Arbeiten oder in die Überwachungsgesellschaft, erscheint ihm zu oberflächlich. Denn sie suggeriert, es gebe eine Ausstiegsmöglichkeit in Richtung eines authentischen Lebens.

Wer sich für Theorie interessiert, die ja immer noch Schwierigkeiten damit hat, die digitalisierte Spätspätmoderne zu beschreiben, findet in diesem Stück einige kluge Gedanken. Etwa die Frage, ob Introvertierte in der Welt des dauernden Daten- und Informationsaustauschs so etwas wie Widerständler sind, ob der Fluch der Großraumbüros und ihrer grauenvollen Verheißung der ständigen Kommunikation gebrochen ist, und was der Wunsch nach Digital Detox über den Wünschenden verrät.

Und um Action-Romane, in denen das Internet plötzlich weg ist, geht es auch:

Dass in populären Thriller-Genres ein ungeplantes digitales Abschalten reichlich Stoff für Katastrophenszenarien und Geschichten eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs 'ohne Netz' bietet, ist dabei die andere Seite der Medaille. Es wird deutlich, dass ein kompletter Ausstieg aus der vernetzten Gesellschaft eigentlich nur als Katastrophe gedacht werden kann, sodass es den existierenden Entnetzungsstrategien allein um das gehen kann, was Stäheli von Anfang an vermutet hatte: die Konnektivität nicht zu dementieren, sondern Rückzugsräume zu schaffen, um schließlich aber doch an der Netzwerkgesellschaft teilzunehmen.
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Kommentare 2
  1. Silvio Andrae
    Silvio Andrae · vor 23 Tagen

    Danke für den Text. Ich möchte kurz bei den Medienplattformen verharren. Die Architektur einiger sozialer Medienplattformen hat die Form von so genannten "Hyperstimulatoren". Es handelt sich um digitale Übertragungssysteme für belohnende und potenziell süchtig machende Reize. Die "Theorie der prädiktiven Verarbeitung" besagt, dass Hyperstimulanzien mit bestimmten kognitiven und affektiven Mechanismen interagieren können. Die Gefahr der sozialen Medien liegt nicht nur in der Unauthentizität der Inhalte, sondern auch in ihrer Fähigkeit, uns zu ergreifen. Damit kommt dem Design von sozialen Medien eine besondere Bedeutung zu.

  2. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 24 Tagen

    hm. assoziiere jetzt mal: im 18. Jahrhundert - das Jahrhundert der BriefSchreiber - herrschte geradezu eine Manie an Schreiben Schreiben Schreiben... bis hin zu berühmten Briefromanen. und heutzutage schreiben wir zwar durchaus noch Briefe - aber es ist längst nicht mehr dominant.

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