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Reportagen und Interviews

Alexandra Endres
Journalistin und Volkswirtin
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piqer: Alexandra Endres
Freitag, 02.08.2019

Ein Feldversuch zur Rettung der Bienen

Zugegeben: So ganz korrekt ist die Überschrift über diesem piq nicht. Das Experiment, von dem hier die Rede ist, sollte zwar Bienen in Bayern eine Blumenwiese als neue Nahrungsquelle verschaffen. Vor allem aber wollte der Landwirt Franz Lehner, wohnhaft am Rande der Gemeinde Rain im Landkreis Straubing-Bogen, durch sein Experiment eines herausfinden:

Meinen die Menschen es wirklich ernst, wenn sie behaupten, sie wollten die Bienen retten?

Wahrscheinlich kann niemand diese Geschichte so aufschreiben wie Henning Sußebach, Redakteur bei der ZEIT (Disclaimer: für deren Online-Ausgabe ich arbeite). Ich mag Texte des Kollegen besonders gern, weil er es versteht, gesellschaftliche Entwicklungen in den Geschichten einzelner Menschen so zu spiegeln, dass sie begreifbarer werden. Noch dazu tut er das in einer besonders schönen Sprache.

So ist es auch mit diesem Text – leider nur für Abo-Kunden zugänglich, oder eben im Moment gedruckt am Kiosk.

Immer sei er mit der Zeit gegangen, sagt (der Landwirt). Lange habe er beim Pflügen, Säen und Ernten Stolz empfunden, das Gefühl gehabt, einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.

"Aber letzten Winter", sagt Lehner, "da hab ich erfahren, dass alles, was ich je gemacht hab, falsch war. Ach, was: dass ich ein schlechter Mensch bin!"

Der Zorn packte ihn, als in Bayern das Volksbegehren zur Rettung der Bienen startete.

Lehner hörte die Leute im Fernsehen Sätze sagen wie: "Es muss sich was ändern ..." und "Man muss doch was tun ..."

Er fragte sich: "Wer ist man? Das bin dann wohl ich! Ihr schreibt da nur eure Namen hin."

Schon länger hatte Lehner den Eindruck, dass es in der Stadt leichter sei, ein guter Mensch zu sein. Dort wurde man zum Klimaretter, indem man demonstrierte. Zum Energiehelden mit dem Wechsel des Stromanbieters. Zum Bienenfreund mit einem Autogramm. Die Windräder wurden dann ja auf dem Land errichtet, die Stromtrassen dort verlegt. Und jetzt sollten überall noch Blumen blühen?

Lehner wollte wissen, ob die Städter selbst etwas unternehmen würden, um die Bienen zu retten. Er eröffnete eine Seite auf Facebook und schrieb:

Gibt es 100 Menschen, die die Bienen wirklich retten wollen? Hier haben Sie die Möglichkeit!

Lehner versprach, auf einem Acker Blumen auszusäen – sofern sich Spender fänden, die ihm den Ernteausfall bezahlten. Er rechnete nicht damit, dass sich viele melden würden. Doch am Ende verhängte er nach 231 Patenschaftsverträgen zur Bienenrettung einen Aufnahmestopp. Er schlug sich herum mit Sonderwünschen und kritischen Nachfragen, es war viel mehr Arbeit, als er dachte. Doch inzwischen seien ihm seine Bienenpaten ans Herz gewachsen, schreibt Sußebach. So ist die Geschichte von Bauer Lehner und seinem Blumenacker auch die einer Annäherung zwischen Stadt und Land.

Auf dem Acker am Rande des Neubaugebiets ist die Saat mittlerweile aufgegangen. Tausende Blüten leuchten. (... Aber d)ie Welt, auch die Biene, lässt sich nicht auf einem kompakten Rechteck retten, begrünt für einen Sommer.

Das sieht auch Franz Lehner so. Aber er hat seinen Feldversuch längerfristig angelegt: Zwar soll sein Acker im nächsten Jahr überbaut werden; Zugezogene aus der Stadt werden dort dann in neue Häuser ziehen, Terrassen anlegen, Gärten herrichten, vermutlich mit viel Kies und reinstem Rasen. Doch Franz Lehner hat eine mehrjährige Mischung ausgesät.

Ein Feldversuch zur Rettung der Bienen
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