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Reportagen und Interviews

Aus dem Leben einer achtköpfigen Familie

Charly Kowalczyk
journalist
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Charly KowalczykSonntag, 09.01.2022

"Um sechs aufgestanden, dann trinke ich erst mal meinen Kaffee, der Geschirrspüler ist schon einmal fertig, Waschmaschine läuft, nun müssen wir erst mal die Einkäufe erledigen. Mittag hab ich heute noch keinen Plan, dann muss ich mit ihr noch zum PCR-Test..."

So beginnt die fünfminütige Deutschlandfunk Kultur-Reportage. Sofort ist man mitten im Leben in Berlin-Hellersdorf, im Leben von Rene Haase. Er ist alleinerziehender Vater einer Patchworkfamilie. Der frühere LKW-Fahrer und Gerüstbauer wurde vor zwei Jahren von seiner Frau verlassen. Seitdem erzieht er die Kinder allein. Vier Kinder sind zwischen acht und zwölf Jahre alt, die anderen beiden Kinder schon einige Jahre älter. Der 55-jährige Vater versucht alles zu managen, eine riesige Herausforderung für den "Kämpfertyp", wie ihn die Autorin beschreibt. Bis zum vergangenen Sommer hat er abends noch im Kindergarten geputzt, um zusätzlich ein wenig Geld dazu zu verdienen. Und dann bekam er auch noch einen Schlaganfall, als sei alles noch nicht genug. Seitdem ist er krankgeschrieben. Deshalb bekommt die Familie ergänzend Arbeitslosengeld II oder wie es bald heißen soll "Bürgergeld".

Tja, und wenn sich eines der Kinder mit Corona infiziert, spätestens dann kommt man ohnehin als Familie an Grenzen. Erst einmal zwei Wochen Quarantäne für die ganze Familie. Das Virus ist für eine Familie mit einem alleinerziehenden Elternteil, wo das Geld knapp ist, eine größere Herausforderung als für eine gut situierte Familie in Berlin-Charlottenburg, das wird in der Reportage kommentarlos miterzählt.

"Das ist schon anstrengend, die ganze Zeit in der Bude zu hocken."

"Wir gucken Fernsehen, aber ich hab denn auch ab und zu mal mit meinen Spielsachen gespielt."

Für die Kinder geht es einfach nur darum, die Zeit rumzukriegen. Der alleinerziehende Vater erzählt, dass er an Weihnachten den vier jüngeren Kindern einen Computer geschenkt hat, damit sie in der Schule mitkommen. Schon allein dies entspannt die Situation in der Familie. Bis dahin war es für die Kinder kaum möglich, im Online-Unterricht ohne PC überhaupt mitzukommen, geschweige denn mit Freude zu lernen. Chancenlos seien sie, meint er. Für die PC´s gab es vom Amt kein Extra-Geld, erzählt der 55-Jährige. Man mag es kaum glauben. Wir alle reden doch ständig davon, dass während das Virus wütet, der Rückstand von Kindern aus Familien, die weniger Geld zur Verfügung haben, immer weiter zugenommen hat. Chancengleichheit sind anders aus:

"War ja zugesagt, dass man beim Arbeitsamt Gelder beantragen kann, wurde mir abgelehnt, weil ich kein Kostenvoranschlag abgegeben habe. Ich fand den Kostenvoranschlag total schwachsinnig, weil es wurden sowieso bloss 300 Euro pro Person gebilligt, dafür kriegt man keinen PC.

Wie haben Sie es jetzt gemacht?

Ja mit eigenem Ersparten. Ich hab mehrere Sparbüchsen, wo ich denn für Weihnachten schon immer spare, von Weihnachten an. Ich hab eine Urlaubskasse, wo ich für Urlaub spare. Ich hab eine Kasse für meine Autoversicherung. Autoversicherung ist jetzt auch erst mal drauf gegangen. Dafür, dass die alle mal vernünftig lernen dürfen, können."

Eine nachdenkliche Reportage. Die Autorin verschönt nichts, so scheint es. Die Kinder kommen zu Wort und man hat den Eindruck, sie erzählen ungeschminkt, wie ihr Leben so ist. Eigentlich hat Rene Haase mit der Erziehung der Kinder schon genug zu tun. Das ist weit mehr als ein voller Arbeitstag. Für mich fast irritierend, dass er nur Monate nach seinem Schlaganfall bald wieder arbeiten gehen möchte. Liegt einerseits daran, dass er sich fürchten würde, wenn die Waschmaschine kaputt ginge. Immer fehle das Geld, wenn etwas repariert werden muss. Oder dass es für den Urlaub wieder nicht reicht. Aber der alleinerziehende Vater begründet es auch noch mit seiner Vorbildfunktion für seine Kinder:

"Ich seh da eine extreme Vorbildwirkung, wenn die sehen, Papa gluckt den ganzen Tag nur Zuhause, werden die ihr Leben auch so gestalten. Für mich, man kommt raus, man kommt unter Leute, und für die Kinder halt ja, wenn man sich was leisten will, muss man arbeiten. Das möchte ich ihnen schon mit auf den Weg geben."

Aus dem Leben einer achtköpfigen Familie

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 7 Monaten

    Das funktioniert tatsächlich nicht mit dem PC von Amt. Man bekäme zb nen Zuschuss für den Drucker aber die permanent anfallenden teuren Druckerpatronen nicht. Die Schule würde Laptops zur Verfügung stellen - aber alles andere nötige können die natürlich auch nicht gewährleisten. etwa Drucker Microsoft Office Paket oder auch nur die oft völlig unzulängliche InternetVerbindung vor Ort in der Wohnung.
    Ganz zu schweigen davon dass Schule oft keinerlei Einführung für die Eltern anbietet die dann aber zu hause den Kindern helfen soll(t)en.

    Für Familien wie o.g. gäbe es grundsätzlich die Hilfe etwa über Familienhelfer/innen. Aber natürlich hat das Jugendamt dafür nicht ansatzweise genug Leute. Ganz mal abgesehen vom "Makel", wenn man sich an diese wenden würde. (Und der Gefahr dies zu tun; aber das ist ein ganz anderes Thema.)

    Kostenvoranschlag ist ja an sich eine richtige Sache, schließlich soll ja Steuergeld nicht an die falschen für falsche Dinge verschleudert werden.
    Aber hier wo es ja auch schnell funktionieren muss und eigentlich eindeutig ist, hier sollte das JC dann eben direkt ein Notebook mit allem Nötigen zur Verfügung stellen.

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