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Reportagen und Interviews

Angeblicher Serienmörder

charly kowalczyk
journalist
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charly kowalczykMittwoch, 17.02.2021

Deutschlands schlimmster Serienmörder, so wurde es Jahrzehnte lang behauptet, heißt Bruno Lüdke. Geboren am 3. April 1908 in Cöpenick bei Berlin und 1944 an einem nicht genau datierten Tag im April von den Nazis in Wien hingerichtet. 84 Morde an Frauen soll er während des Zweiten Weltkrieges gestanden haben, für 53 Morde wurde er letztlich verantwortlich gemacht. Der geistig zurückgebliebene Mann gestand alles, was ihm der Berliner Kriminalkommissar Heinrich Franz unterstellt hatte. Erst nach über 50 Jahren wurde Bruno Lüdke von dem Verdacht befreit, ein Mörder zu sein.

Heute Abend um 22.05 Uhr sendet ARTE die Dokumentation „Die Erfindung eines Mörders - Der Fall Bruno Lüdke“. Aus diesem Anlass spricht Deutschlandfunk Kultur Moderatorin Sigrid Brinkmann mit der Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener. Sie hat mit dem Historiker Axel Doßmann das Buch „Fabrikation eines Verbrechers. Der Kriminalfall Bruno Lüdke als Mediengeschichte“ geschrieben:

„In der Nachkriegszeit nimmt ja die Geschichte überhaupt erst ihren Lauf. Das ist ja das Interessante, denn der Kriminalfall wird mit dem fabrizierten Material im Nationalsozialismus überhaupt hier erst konturiert. Also über insbesondere mit historischen Fotografien ausgestatteten Bericht, dieser Tue Crime Story in der Münchener Illustrierten, 1956/57 wird das Ganze medial in Szene gesetzt. Zur gleichen Zeit stellt man im Berliner Kriminalmuseum das Böse aus und dann kommt der Remigrant Robert Siodmak und macht daraus einen Spielfilm ja, indem die Nazis, die SS, die fiesen und die bösen Figuren sind, aber trotzdem Bruno Lüdke wird dort als Massenmörder bezeichnet. Aber eigentlich, das muss ich vielleicht dazu sagen, hab ich einen Schritt vergessen. Der SPIEGEL berichtet über diesen Fall erst mal ausführlich, schon 1950 in einer Serie über die NS Kriminalpolizei. Und hier werden überhaupt die Narrative für das Böse gesetzt, die so lange auch wirksam sind. Narrative wie "Über das Böse", wie "Der schädlichste Massenmörder Deutschlands", „Doofer Bruno“, von „Menschenaffen“ wird geschrieben und zwar von Rudolf Augstein. Diese Form der Rassifizierung eines Verdächtigen ist exemplarisch zu sehen und das wird auch in der Fernsehdokumentation sehr gut erläutert.“

Bruno Lüdke ist Stoff für eine True Crime Story. Mordfälle, Mafia, Gangster, Attentäter und Spione, bei scheinbar wahren Gruselgeschichten greift die Filmindustrie gerne zu. Schon damals. Im Spielfilm von Robert Siodmak von 1957 „Nachts wenn der Teufel kam" geht es also um Bruno Lüdke. Gespielt wird er von dem damals 26-jährigen Schauspieler Mario Adorf. Ein Erfolgsfilm. Das Drehbuch orientiert sich an einer Artikelserie von Will Berthold über den angeblichen Serienmörder. Mario Adorf distanziert sich heute von seiner Arbeit und "möchte mithelfen, dass dieser Mann rehabilitiert wird". Die in Ost-Berlin wohnenden Schwestern Bruno Lüdkes beantragten im Februar 1958 eine "Einstweilige Verfügung" gegen den Spielfilm. Das Hamburger Oberlandesgericht entschied jedoch, Lüdke habe sich durch seine Geständnisse als Person der Zeitgeschichte etabliert, die keines Schutzes bedürfe. Obwohl, das muss man erwähnen, Bruno Lüdke nie verurteilt wurde.

Es lohnt sich, findet Susanne Regener, Professorin an der Universität Siegen, sich die Dokumentation auf ARTE anzuschauen:

„Die Dokumentation will mit besonderer Hervorhebung des Films zeigen, wie man sozusagen die Dokumente, die wir herausgehoben haben aus den Archiven, wie man die dagegen schneidet, ja also wie man versucht hat mit diesem Film auch und den Dokumenten aus der Vergangenheit umzugehen. Also von daher, den wirklichen Bruno Lüdke kann man nicht rekonstruieren. (…) Ich bin der Meinung, dass diese fake news eine lange Vorgeschichte haben und die so populären True Crime Storys, die eben im Film, Podcasts, Zeitschriften, es heißt ja immer Verbrechen nach einer wahren Begebenheit, dass man diese auch als gemachte ansehen muss, also das ist ja der Kern von Fabrikation, also ins semantische Feld gehören dann halt eben auch Herstellung, Erfindung, Fälschung, ja von Fabrikation. Und wir hoffen, dass wir durch unsere Analyse in diesem Buch, auch im Sinne einer politischen Bildungsarbeit ein Instrumentarium dafür bieten, dass man diese fake news und diese true-crime-Geschichten erkennen kann und sie analysieren kann, mit ihnen umgehen kann."

https://www.arte.tv/de/videos/089997-000-A/die-erfindung-eines-moerders/

Angeblicher Serienmörder

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