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Medien und Gesellschaft

Marcus von Jordan
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piqer: Marcus von Jordan
Samstag, 03.12.2016

Psychometrie und Facebook - oder wie backe ich mir einen Trump? Oder einen Brexit?

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten auf vielen Veranstaltungen und in noch viel mehr Gesprächen auf die Manipulationsmacht von Facebook hingewiesen. Ich habe gesagt, dass es äußerst naiv wäre, nicht zu verstehen, dass Facebook so eine Entscheidung wie den BREXIT manipulieren könnte. Nun sehe ich erst, wie naiv ich selbst bin. Denn während ich noch damit befasst war, was Zuckerberg machen könnte, hat die Beratungsfirma "Cambridge Analytica" schon gehandelt. 

Ihr Vorstandsmitglied Steve Bannon, Herausgeber der ultrarechten Onlinezeitung «Breitbart News», ist gerade zu Donald Trumps Chefstrategen ernannt worden. Marion Le Pen vom französischen Front National twitterte bereits, dass sie seine Einladung zur Zusammenarbeit annehme, und auf einem internen Firmenvideo steht über dem Mitschnitt einer Besprechung «Italy». Alexander Nix bestätigt, dass er auf Kundenakquise sei, weltweit. Es gebe Anfragen aus der Schweiz und Deutschland.

Diese Firma wendet psychometrische Methoden an und bedient sich für die Datengrundlage bei Facebook.

Psychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Persönlichkeit eines Menschen zu vermessen.

Das mit dem "Versuch" kann man wohl getrost streichen. Wir werden Datenschutz ganz neu definieren müssen.

2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, lässt sich anhand der Daten ablesen.
Psychometrie und Facebook - oder wie backe ich mir einen Trump? Oder einen Brexit?
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Kommentare 24
  1. Nils Brettschneider
    Nils Brettschneider · vor 12 Monaten

    Sascha Lobo nennt es Magischen Digitalismus: www.spiegel.de/netzwelt/...

  2. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · vor 12 Monaten

    eure diskussion über dieses piq ist für leser wie mich sehr hilfreich! danke dafür.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 12 Monaten

      für uns auch hoffentlich! :)

  3. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 12 Monaten

    IV mit dem Autor: www.br.de/radio/bay...

  4. Kent Gürel
    Kent Gürel · vor 12 Monaten

    Zuerst klingt es wie eine wilde Verschwörungstheorie, dann entwickelt sich allerdings ein Szenario, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Die Manipulierbarkeit der Menschen durch gesteuerte Information oder Desinformation ist zwar nichts Neues, allerdings nehmen die Dimensionen der Manipulation durch die modernen Medien monströse Aussmaße an.

  5. Leopold Ploner
    Leopold Ploner · vor 12 Monaten

    Wenn das nun sozusagen die Atombombe unter den Wahlkampftaktiken ist, warum wurde dann nicht Ted Cruz der Kandidat der Republikaner? Bei dem hatte CA doch zuerst angeheuert, oder?

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 12 Monaten

      Ja. Siehe auch die Links in den Kommentaren unten. Der Beitrag wurde "relativiert" inzwischen. Eine Atombombe ist es sicher nicht. Sonst hätte CA wohl auch nicht selber so offen darüber gesprochen. Ich persönlich nehme es aber deshalb trotzdem sehr ernst.

  6. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor 12 Monaten

    Muss meine anfängliche Begeisterung etwas relativieren. Dennoch hat der Artikel eine wichtige Debatte eröffnet, die nun eine größere Öffentlichkeit erreicht. Mir wurden viele Dinge klar, die ich so vorher noch nicht wusste.