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Medien und Gesellschaft

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer
Dienstag, 09.08.2016

Journalisten sind so verzweifelt, dass sie auf Strategieberatung von einem Komiker hoffen.

John Oliver widmet eine ganze Folge, dem beklagenswerten Niedergang des Journalismus. Damit erreicht der Star-Komiker Millionen von Menschen, denen Journalismus ansonsten wohl egal wäre. Super Sache. Eigentlich. Leider sind Oliver's Argumente so oll und unsexy ("We are either paying for journalism, or we are all going to pay for it."), dass man hier von einer seiner schwächsten Folgen sprechen muss. Ich hatte mich gestern daher auch gegen den Impuls gewehrt, den Clip zu empfehlen. 

Nun hat der Clip aber zu einem Nachspiel geführt, das man als Journalist schwer ignorieren kann (und ich habe es wirklich probiert). Den (eigenen) Vogel abgeschossen hat, David Chavern, Vorsitzender des amerikanischen Zeitungsverlegerverbandes, der sich in unerträglich larmoyantem Ton darüber beschwert, dass John Oliver (ein COMEDIAN!) keine neue Ideen für den Weg aus dem Branchen-Elend präsentiert. Außerdem fand er die Witze über die entwürdigenden Innovations-Versuche der Verleger nicht witzig genug ("tronc sounds like the noise an ejaculating elephant makes").

Charlie Beckett (London School of Economics) wiederum bedient neoliberale Befindlichkeiten. Es sei keine Bürgerpflicht für Journalismus zu zahlen. Und auch Philanthropen sollten sich bitte raushalten. Verleger müssten einfach einen Weg finden, Journalismus so zu verpacken, dass die Nutzer dafür auch ohne moralische Erpressung zahlen ("hex hex!"). Klingt einleuchtend, oder? Wird deshalb exakt so auch schon seit über 10 Jahren gefordert. Ergebnis: Der Journalismus, den wir heute haben. 

Und der ist nicht unbedingt schlecht, aber in so offensichtlicher Bedrängnis, dass ein Komiker sich bemüssigt fühlt, zur Hilfe zu eilen. Das ausgerechnet dieser Komiker jetzt von Branchenvertretern lächerlich gemacht wird, spricht Bände über die Misere des Journalismus.

Journalisten sind so verzweifelt, dass sie auf Strategieberatung von einem Komiker hoffen.
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