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Medien und Gesellschaft

"Fake News" ist ein nichtssagender Kampfbegriff - und obendrein gefährlich

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
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Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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Simon HurtzMontag, 09.01.2017

Morgen wird der Nachfolger von "Gutmensch" bekanntgegeben. Dann steht fest, welcher Begriff das "Unwort des Jahres 2016" wird. Mein aktueller Favorit wäre: "Fake News"

In den vergangenen Monaten war alles voller Fake News. Ausgedachte Geschichten, fabriziert in einem Dorf in Mazedonien? Fake News! Ein erfundenes Zitat von Renate Künast? Fake News! Heillos überdrehte Schlagzeilen? Plötzlich ebenfalls Fake News.

Politiker wollen Fake News verbieten und ein "Abwehrzentrum gegen Desinformation" einrichten. Alle reden von Fake News, aber ich habe das Gefühl, dass jeder etwas anderes damit meint. Dementsprechend spricht mir Margaret Sullivan, Public Editor bei der Washington Post, aus der Seele, wenn sie schreibt:

Let’s get out the hook and pull that baby off stage. Yes: Simply stop using it. Instead, call a lie a lie. Call a hoax a hoax. Call a conspiracy theory by its rightful name. After all, "fake news" is an imprecise expression to begin with.

Der Begriff ist nicht nur schwammig und missverständlich, sondern gefährlich. Breitbart & Co. nutzen ihn mittlerweile ironisch und bezichtigen "Mainstream-Medien" ihrerseits Fake News zu verbreiten. Jeder kleinere journalistische Fehler, jede Korrektur, führt mittlerweile zu einem Aufschrei in sozialen Medien: "Schaut her, ihr setzt doch selbst Fake News in die Welt!"

Das ist umso schlimmer, weil Fake News in ihrem eigentlichen Sinn, also klare Falschbehauptungen oder abstruse Verschwörungstheorien, tatsächlich ein Problem sind - Stichwort #Pizzagate, bei dem in den USA beinahe Menschen ums Leben gekommen wären.

Die letzten vier Sätze von Sullivan sind deshalb auch ein passendes Ende für diesen Piq:

Indeed, all those problems are real, and discussing them important. But putting them all in a blender and slapping on a fuzzy name doesn’t move us forward.
"Fake news" has had its 15 minutes of fame. Let’s put this tainted term out of its misery.
"Fake News" ist ein nichtssagender Kampfbegriff - und obendrein gefährlich

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