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Medien und Gesellschaft

Magdalena Taube
Redakteurin
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piqer: Magdalena Taube
Donnerstag, 29.03.2018

Diversität im Newsroom: So machen es US-Medien

ProPublica und auch die New York Times haben jüngst Informationen und Zahlen veröffentlicht, in denen sie ihre Anstrengungen transparent machen, die eigenen Newsrooms diverser zu gestalten. Dabei geht es zum einen darum, den Anteil von Frauen zu erhöhen, zum anderen steht im Fokus, mehr nichtweiße Menschen anzustellen. Die NYT berücksichtigt bei der statistischen Auswertung sowohl die Führungsebene als auch das Gesamtpersonal. Auf der Führungsebene im Bereich Nachrichten wird bei der NYT ein Frauenanteil von 46 Prozent vermeldet, bei ProPublica liegt er bei 45 Prozent. Wenn man die Visualisierung der Statistiken vergleicht, fällt auf, dass die NYT auf die Kategorie "white" verzichtet hat – anders bei ProPublica. Hier fällt sofort ins Auge, dass 73 Prozent des Gesamtpersonals weiß sind. Bei der NYT ist es nicht anders, aber sie stellt es anders dar. Außerdem musste ich denken: Was ist mit Menschen mit Behinderung? Sie kommen bei den Versuchen, Diversität zu erhöhen, anscheinend noch nicht vor. Warum ist das Ganze interessant? Zum einen, ist es vielleicht eine Inspiration für deutschsprachige Medien und MedienmacherInnen, diese Zahlen genauer zu betrachten. Zum anderen ist es spannend zu sehen, welche vielfältigen Versuche etwa ProPublica unternimmt, tatsächlich etwas zu verändern. Dabei geht es um bestimmte Methoden bei Neuanstellungen aber auch um ganz konkrete Initiativen.

Diversität im Newsroom: So machen es US-Medien
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Kommentare 6
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 6 Monaten

    Großes und eigentlich anderes Thema: Was mich an dieser Art von Diversity-Reporting stört, ist, dass ausschließlich auf Phänotypen abgestellt wird. Mann/Frau, Weiß/Bunt, etc, muss man nicht drüber diskutieren - die Unterschiede sieht man sofort. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass Diversity kein Selbstzweck ist, sondern das Ziel hat, eine Vielzahl an Weltwahrnehmungen und Verhalten in die Unternehmen zu holen. Möchte die erfreulichen Entwicklungen bei ProPublica und NYT nicht kleinreden, aber man kann von Diversity nicht ernsthaft sprechen ohne auch Persönlichkeitstypen und sozialen Hintergrund zu thematisieren. Introversion/Extroversion ist ein wichtiges geschlechts-/ethnienunabhängiges Persönlichkeitsmerkmal, Einkommen und sozialer Status der Eltern, Alter, etc spielen eine Rolle. Das Problem der Dominanz mittelalter, weißer Männer ist doch nicht der vorherrschende Phänotyp sondern ein bestimmtes Verhalten, dass sich vielleicht nicht ganz von mittelalter Weißheit trennen lässt, aber sich mit Hautfarben und Penissen letztendlich doch nur unzureichend erklären lässt. Diversity ist so viel mehr und läuft in meiner Wahrnehmung gerade Gefahr zum PR-Instrument zu verkommen. Aber vielleicht muss das auch so sein....?

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 6 Monaten

      Also irgendwie verstehe ich den Kommentar nicht: Sollen in Vorstellungsgesprächen denn nun etwa psychologische Test durchgeführt und Fragen nach dem sozialen Status bzw Einkommen der Eltern gestellt werden?

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 6 Monaten

      @Dirk Liesemer Psychologische Tests sind doch längst Praxis in vielen Fällen. Den sozialen Status der Eltern abzufragen, ist natürlich Quatsch. Sehe ich ein. Der eigentliche Punkt war aber auch die Kritik daran, Diversity nur als eine Mischung aus Geschlechtern und Hautfarben zu verstehen. Das halte ich für unterkomplex. Ich hoffe dass ist jetzt einfach nur ein Zwischenschritt.

    3. Magdalena Taube
      Magdalena Taube · vor 6 Monaten

      @Frederik Fischer Klar ist das unterkomplex, doch wenn wir noch nicht mal bei einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis sind, müssen wir doch bei den anderen Themen noch gar nicht anfangen, das wäre doch die totale Überforderung, oder?

    4. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 6 Monaten

      @Magdalena Taube Ich hab da keine stark ausgebildete Meinung, neige aber aber zum "jein":) So wie dieser Report "Diversity" interpretiert, ist das nur ein neues Wort für "Quote". Das ist zweifelsohne ein Schritt nach vorne, hat aber mit dem deutlich komplexeren Thema "Diversity" für mich wenig zu tun. Kann dazu keine Studien zitieren, aber aus empirischer Beobachtung zementiert Diversity als PR-Instrument in erster Linie "privilegierte" und damit überwiegend männliche Verhaltensweisen. Solange wir keine Diskussion darüber haben, was "Diversity" eigentlich bezwecken soll, werden wir - steile Arbeitsthese - nur erleben, dass sich nicht die Firmenkultur, sondern die Trägerinnen und Träger bestimmter Persönlichkeitseigenschaften diversifiziert. Solange Firmen immer noch Extraversion, Durchsetzungsfähigkeit, Geltungsdrang, etc. honorieren, führen "Diversity"-Maßnahmen einfach dazu, dass dieses Verhalten zukünftig nicht nur von weißen Männern, sondern auch von bunten Frauen ausgeübt wird. Ich übertreibe jetzt natürlich, aber ich hoffe, das macht nachvollziehbar, warum ich eine Trennung von "Diversity" und "Verhalten/Persönlichkeit" schwierig finde.

    5. Magdalena Taube
      Magdalena Taube · vor 6 Monaten

      @Frederik Fischer Ah ok, ich verstehe jetzt besser worum es dir geht. Andererseits, schaut man sich einfach nur mal die deutschsprachigen Medien an, sind wir doch meilenweit davon entfernt in der Arbeitsrealität über Diversity überhaupt nur angemessen zu diskutieren. Ich unterrichte Journalismus, in den Seminaren sitzen überwiegend Frauen. Habe ich dann mit Redaktionen zu tun, sitzen in den Führungsetagen Männer. Frage ich nach, warum das so ist, dann kommt nichts, was komplex ist, sondern die Antwortmuster sind die gleichen ("Ist so schwer gute Frauen zu kriegen", "Ist uns ja wichtig, aber...", "Wieso, wir haben doch die Berta, die ist Chefin vom Panorama-Ressort", "Wir wählen die Leute nach ihrem Können aus und nicht nach ihrem Geschlecht."). Finde ja auch wie du, dass die NYT und ProPublica das nicht wirklich hinreichend beantworten. Aber sie machen halt konkret etwas.