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Literatenfunk

Wieder Lydia Davis
Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Sonntag, 19.07.2020

Wieder Lydia Davis

Zunächst ein Bekenntnis: Hier spricht ein Fan. Ein Fan der Short Story im Allgemeinen, und einer dieser Autorin im Besonderen. Ich lese alles von Lydia Davis, was mir unter die Finger kommt, und ich habe hier auf dieser Seite und Andernorts auch schon über ihre Stories geschrieben. Über ihre Lakonie, über ihr Vermögen, mit wenigen und zuweilen sehr kurzen Sätzen in das Herz einer Figur vorzudringen, oder historischen Vorlagen einen Ort in der Gegenwart zu verschaffen, wie in dem hier zu besprechenden Band zum Beispiel dem Dichter D. H. Auden, auf eine eher indirekte Art und Weise, nämlich indem sie ihn in der Wohnung eines Freundes übernachten lässt; wie er die Stores abnimmt, um sich damit zu bedecken und:

„Wie sehr sich dessen Gewicht auch wie eine schwere Hand auf ihn legt und der Staub seine Nase verklebt – das ist alles nichts im Vergleich dazu, wie sehr der Teppich sein Unbehagen mildert.“

Am 28. August wird also der Band "Es ist, wie's ist" im Literaturverlag Droschl, der sich seit Jahren um die Übersetzung des Werkes dieser amerikanischen Autorin kümmert, erscheinen. Übersetzt und wiederum kongenial in eine deutsche Sprache gebracht wurden die Texte von Klaus Hoffer. Man kann sagen, dass die deutschsprachige Davis Hoffers Davis ist. Sein Vermögen auch technische und stilistische Verschiebungen im Deutschen sichtbar zu machen, ist bewundernswert. Und mit dem letzten Band liegt ja der erste Band vor. Es ist das Debüt, das unter dem Titel „Break it Down“ 1976 in den USA erschien.

In dieser Sammlung finden sich schon die Strukturen angelegt, die Davis in den weiteren Bänden ausbauen und auf eine wunderbare Höhe treiben wird. Einerseits die Vorstellung bekannter literarischer Persönlichkeiten wie eben Auden aus einem Blickwinkel, der die schwankenden Böden verrät, auf denen sich sowohl Geschilderte als auch Schildernde befinden, so dass dem Leser und der Leserin der feste Stand auch ins Wackeln gerät. Aber auch die Korrespondenz des Erlernens einer Sprache, die eine Verständigung anstrebt, die gleichzeitig von den Lebensumständen unterlaufen wird, zum Beispiel in dem Zyklus: Mr. Burdoffs Besuch in Deutschland, der in einer Reihe kurzer Geschichten von Liebesversuchen und Sprachstudien und deren Scheitern berichten.

In einigen Storys klingen noch Vorbilder an, so zum Beispiel in „Das Haus – Und seine Pläne“. Die Protagonistin dieser Erzählung begibt sich aufs Land und damit in die Fänge eingebildeter und realer Situationen, die von einer Poeschen Unheimlichkeit geprägt sind, aber zugleich zeitgenössischer nicht sein können.

Auch testet Davis in diesem Band verschiedene erzählerische Strukturen, die sie in den folgenden Büchern wieder aufnehmen und verfeinern wird. Einerseits finden wir das serielle Erzählen um eine Figur herum, das man als Mikroroman bezeichnen könnte. Im vorliegenden Band vielleicht die Textreihe : "Auszüge aus einem Leben". Und dazu im Gegensatz vollkommen reduzierte Texte, die sich auf einen einzelnen Satz beschränken. Auch das wird in den weiteren Werken der Autorin immer wieder auftauchen. Großartiger Lesestoff und große Kunst! Und darüber hinaus sind die Bücher auch super gestaltet.

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