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Literatenfunk

Warten, waten in Worten
Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Dienstag, 17.11.2020

Warten, waten in Worten

lieber lall' ich in den bergen/ zucker und nächtens schnelle sprengsel

Oft habe ich mir schon vorgenommen, über Armin Steigenbergers Lyrik zu schreiben. Aus irgendeinem Grund ist es bisher nicht dazu gekommen, dabei hat er mittlerweile eine Reihe von Büchern veröffentlicht, und jedes bisher ist es wert gewesen, besprochen und gelesen zu werden. Ich befinde mich also mittlerweile zumindest nach meinem Gefühl in einer Situation mit Bringschuld.

Vor ein paar Wochen landete dieser in der edition offenes feld in Dortmund erschienene Band auf meinem Schreibtisch. Nicht zufällig, denn ich hatte ihn angefordert, eben weil ich Steigenbergersche Dichtung bereits kannte.

Der Band heißt: das ist der abgesägte lauf der welt.

Und das Buch hält in der Ambivalenz was sein Titel verspricht: es führt die schnodderige Coolness mit der bedrohlichen Situation eng, in der sich das befindet, was wir Welt zu nennen gewohnt sind, und bei dessen näherer Spezifizierung wir um eine Terminologie der Zerstörung und der Alltäglichkeit nicht hinauskommen.

Es gibt Momente, die gewissermaßen einen Abgesang auf das ganze menschliche Gehabe und sein künstlerisches Material darstellen. Hoffnung erscheint dort als Selbstbetrug. Aber die Vehemenz des dichterischen Ausdrucks in Steigenbergers Texte produziert so etwas wie eine Hoffnung 2.0. Warum auch sollte man sonst ein Gedicht schreiben, ein Lied singen ein Bild malen?

unsere lebensläufe waren blankgeputzt, gewienert unsere blicke/ ins portfolio, wenn wir dort das tagesprotokoll überflogen.

In seinen Gedichten macht Steigenberger das, was der amerikanische Philosoph Athur C: Danto als den charakteristischen Zug postmoderner Kunst ausmacht, er verklärt das Gewöhnliche. Und damit bekommt dieses Gewöhnliche ein eigentümliches Leuchten, eines das oszilliert zwischen Zerstörung und Schönheit.

Deshalb auch die Fotografien, von denen der Band durchschossen ist. Man könnte sie als naturwüchsige Collagen bezeichnen. Papierne Reste an Wänden. Aushänge ihres Informationsgehaltes entkleidet. Sprachreste. Lockstoffe, die ins Nichts führen; dahin wo einmal das war, was immer noch ist. Produkt, das aber in seiner Vergänglichkeit wie Natur zu wirken sich anschickt.

Und den Fotografien angegliedert Sonette. Wie Erinnerungen zwischen den frei gefugten Gedichten traditionell gefügte gereimte Gebilde, entsprechend der überlieferten Norm mit Zäsur nach der achten Vers. In sie auch flüchtet das Wortmaterial aktueller Gegenwart, als träfe es hier auf Substanz. Als feiere die totgeglaubte Sprache in der Form eine Wiedergeburt. Und verdammt, sie tut es. Und diese Paradoxie verleiht dem ganzen Humor. 

Wie sonst wäre die Welt zu ertragen?!

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