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Literatenfunk

kämpfen vier
Andreas Merkel
"Die Problematik des Ich angesichts der Erfindung und Abschaffung des Anderen"

Romankritiker und Keeper in Berlin. Aktuell: "Fanfibel 1.FC Köln" (culturcon). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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piqer: Andreas Merkel
Freitag, 30.06.2017

kämpfen vier

Der Versuch, hier in vier Folgen zu beschreiben, wie ich im Juni den Roman „Kämpfen“ von Karl Ove Knausgård gelesen habe, ist gescheitert und endet heute auf Seite 372:

Knausgård kauft mal wieder ein (drei Flaschen Wein, eine Flasche Cognac), gemeinsam mit Tochter Heidi und seinem Kumpel Geir steht er an der Kasse und spürt plötzlich die Blicke anderer Kunden. Für den Beobachter ist es hart, selbst beobachtet zu werden und er überlegt, woran es liegen könnte. Dass sie norwegisch sprechen? Dass sie aussehen wie zwei Schwule mit einem von einer Leihmutter ausgetragenen Kind? – „Warum um alles in der Welt sollten sie das glauben? Es reichte, dass ich mit meinem Bart und den langen Haaren wie ein Idiot aussah. Ich sah aus wie ein bankrotter Heavy Metal-Musiker, der mit voller Fahrt auf die fünfzig zuging. Oh, aufgequollenes Gesicht, fleischige Wangen, tiefe Runzeln und ein fusseliger Bart.

Weiter habe ich es bisher nicht geschafft. In circa sechzig Seiten beginnt der große Mittelteil „Der Name und die Zahl“, fünfhundert Seiten Essayiges über Hitler, Individuum und Masse, das Böse in uns allen. Das werde ich vermutlich wie so viele Knausgård-Leser überspringen. Ein befreundeter Autor, der den Sprung schon hinter sich hat, mailte, dass es danach im zweiten Roman-Teil noch mal sehr um seine Frau gehen wird, die inzwischen von ihm geschieden ist und im August ihren Roman „Willkommen in Amerika“ (Schöffling) unter dem Namen Linda Boström Knausgård rausbringen wird.

Bereits auf den Seiten 350 bis 360 hat Karl Ove über seine Beziehung geschrieben, wie schwierig sie, wie frustriert er ist (er darf nicht mal sonntags zwei Stunden zum Fußball gehen), und es handelte sich jedenfalls ausschließlich um Dinge, die man besser „intern“ klärt, also im Streitgespräch mit dem Partner, beim Therapeuten oder in einer von diesen Männerselbsthilfegruppen. Rein literarisch war es der absolute Tiefpunkt, und ich verstand sofort, was den manischen Schamüberwinder Knausgård daran thematisch reizte, aber es funktionierte leider überhaupt nicht. Ich habe ein bisschen Angst davor, dass das ganze Buch so enden könnte.

Vielleich (wenn die Klickzahlen stimmen!) werde ich übers Jahr verteilt noch mal einen kleinen Lektürebericht „kämpfen x“ einstreuen. Für heute möchte ich mich mit einem Link zu einem tollen Artikel über Autoren und Anziehsachen in der New York Times verabschieden, in dem der alte Heavy Metal-Styler Knausgård eigentlich nicht fehlen darf!

7,5
6 Stimmen
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