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Klima und Wandel

Ralph Diermann
Energiejournalist

Strom, Wärme und Mobilität – das sind meine Themen. Ich arbeite seit 2008 als freier Energiejournalist u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, die Neue Zürcher Zeitung sowie für einige Fachzeitschriften.

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piqer: Ralph Diermann
Mittwoch, 03.04.2019

Wie viel CO2 darf Deutschland noch emittieren?

Geht es um Klimaschutz-Maßnahmen, wird meist gefragt, was politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich möglich ist – und nicht, was nötig ist, um die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen. Was nötig ist, beschreibt der letzte Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC): Um die Erwärmung mit 67-prozentiger Wahrscheinlichkeit unter 1,75 Grad zu halten, darf die Weltgemeinschaft nur noch 800 Gigatonnen CO2 emittieren.

Was das für Deutschland bedeutet, beschreibt jetzt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einem so kurzen wie faktenreichen Beitrag für spektrum.de (Spektrum der Wissenschaft). Verteilt man das globale Budget anteilig der Einwohnerzahl auf die einzelnen Staaten, darf die Bundesrepublik ab Anfang 2019 noch insgesamt 7,3 Gigatonnen ausstoßen. Strebt man eine CO2-Neutralität bis 2036 an (ein willkürlicher Wert) und verteilt man dieses Budget auf die verbleibenden Jahre, so bedeutet das eine Emissionsminderung von sechs Prozent pro Jahr, rechnet Rahmstorf vor. Das ist enorm! Heute freuen wir uns wie die Schneekönige, dass wir den CO2-Ausstoß 2018 um 4,2 Prozent reduziert haben (was wir zu einem großen Teil dem warmen Winterwetter zu verdanken haben, hier gepiqd) – müssen diese Rate in den nächsten Jahren aber noch kontinuierlich weit übertreffen.

Wie weit die Politik von einem solchen Budget-Denken entfernt ist, zeigt ein Detail aus der Wärmeversorgung: Noch immer erhalten Hausbesitzer einen staatlichen  Zuschuss, wenn sie sich einen neuen Gas- oder Ölkessel anschaffen. Die sind üblicherweise mindestens zwanzig Jahre in Betrieb – und stoßen also auch dann noch munter CO2 aus, wenn unser Budget längst oder (bei einer angenommenen Treibhausgas-Neutralität bis 2050) weitgehend ausgeschöpft ist.

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